Aktionsbund "Rettet die Bienen"
Veranstaltung des Aktionsbündnisses „Rettet die Bienen“ vor 150 Zuhörern. Scharrer: „Wenn das Volksbegehren scheitert, passiert nichts“

Steffen Scharrer, Biologe und Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz erläuterte in einem einstündigen Vortrag in Obernburg vor vollem Haus (150 Zuhörer) die wissenschaftlichen Hintergründe des Insektensterbens und die Ziele des Volksbegehrens. Die Bienen stehen stellvertretend für alle Insekten. Sie seien nun mal die bekanntesten und sympathischsten Vertreter. Anhand wissenschaftlicher Studien erläuterte er, dass der Artenschwund in den letzten Jahren ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen habe. Es gebe nicht nur weniger Arten, auch die Biomasse an Insekten sei in einigen Regionen in 25 Jahren um drei Viertel zurückgegangen. Eine ganze Menge unserer Kulturpflanzen seien auf Bestäubung durch Insekten angewiesen. Neben der Honigbiene, seien auch die über 500 Wildbienenarten und Schwebfliegen wichtige Bestäuber. Vögel, Fledermäuse und auch Fische brauchten Insekten als Nahrung.
Insekten seien für nahezu alle unserer Ökosysteme enorm wichtig. Sie seien systemrelevant, aber während systemrelevante Banken hierzulande mit Milliardenbeträgen gerettet würden, interessierten die Ökosysteme kaum jemanden. Dabei seien sie die Grundlage unserer Existenz.
Anders als in allen anderen Bundesländern seien in Bayern keine Uferrandstreifen vorgeschrieben. Oft gehen deshalb Äcker oder gedüngte Wiesen direkt bis an den Gewässerrand – zum Beispiel an der Elsava. Es fehlten Pufferflächen, so dass Pestizide und Stickstoff direkt in die Gewässer gelangen könnten. Auch als Blühflächen für Insekten wären solche Uferrandstreifen wichtig, betonte Scharrer.Bis heute sei es erlaubt, selbst in Naturschutzgebieten Pestizide, wie Glyphosat, auszubringen. Das wolle das Volksbegehren nun ändern. Das Umweltministerium müsse dem Landtag künftig regelmäßig über die Umsetzung verschiedener Ziele berichten. Das entspreche etwa den Waldschadensberichten, die man aus der Zeit des Waldsterbens kenne. Es erzeuge öffentliche Aufmerksamkeit und man könne zuversichtlich sein, dass die Ziele auch erreicht werden. Scharrer wunderte sich, dass die heimischen Landwirte es hinnähmen, dass Deutschland Bioprodukte importiert – vor allem aus Österreich und Italien. Österreich sei von der Struktur mit Bayern vergleichbar. Jeder fünfte Betrieb sei dort ein Bio-Hof. 27 Prozent der Fläche würden ökologisch bewirtschaftet. In Bayern seien das gerade mal acht Prozent, im Landkreis Miltenberg immerhin elf. „Ich bin der Meinung, die Bauern in Bayern sollten den Umsatz mit Bio-Produkten selbst machen und dabei die Artenvielfalt vor unserer Haustüre schützen“, betonte der BN-Kreisvorsitzende. Wichtig sei, dass in dem Gesetzentwurf kaum Forderungen enthalten sind, die einzelne Landwirte reglementieren. Es bestehe keine Pflicht zur Umstellung auf Bio. Aber die Staatsregierung werde sich etwas einfallen lassen müssen, wie sie die Umstellung für die Betriebe attraktiv machen kann. Die Infrastruktur, zum Beispiel Molkereien, müsse beispielsweise gezielt ausgebaut werden, um die Umstellung zu ermöglichen. Scharrer betonte auch, dass alle in der Pflicht seien, etwas gegen das Artensterben zu unternehmen. Jeder könne in seinem privaten Garten viel für die Artenvielfalt tun. Strukturen, wie Holzstapel oder Natursteinmauern, seien dabei hilfreich. Einjährige Stauden könne man über den Winter auch stehen lassen. Das freue die Vögel und im Frühjahr nisten Wildbienen in hohlen oder markhaltigen Stängeln. Ein reiches Angebot an Blüten locke viele Insekten an. Wichtig sei auch, nicht jede Fläche zu versiegeln. Viele Bienenarten legten im Sandboden ihre Nester an. „Es wäre fatal, wenn die erforderlichen zehn Prozent nicht zustande kämen“, meinte der Biologe. Ministerpräsident Söder habe bereits einen Alternativentwurf der CSU angekündigt, falls das Volksbegehren erfolgreich sei. Das bedeute im Umkehrschluss
„Wenn es scheitert, passiert gar nichts.“

Der stellvertretende BN-Kreisvorsitzende Dr. Hans Jürgen Fahn lobte das Engagement von 30 Verbänden, Organisationen und Parteien im Landkreis Miltenberg, die das Volksbegehren unterstützen. Hauptunterstützer seien die ÖDP, die Volksbegehren eingebracht habe, die Grünen, der Landesverband für Vogelschutz und der Bund Naturschutz. Wenn dann noch, so Fahn, einzelne Bürgermeister, wie Martin Stock aus Sulzbach (CSU) dazukämen, dann zeige dies, dass man auf dem richtigen Weg sei. Zwei Landwirte beklagten, dass beim Volksbegehren alles auf dem Rücken der Bauern ausgetragen werde. Einig waren sich aber alle Zuhörer, dass die Umsetzung des Volksbegehrens eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, wo auch der einzelne gefordert sei. Nur zu unterschreiben, sei der erste, aber wichtige Schritt. Christina Ulshöfer von der Initiative „Giftfreies Dreiländereck“ stellte die Aktivitäten des Vereins vor, die u.a. den Erhalt der kleinbäuerlichen Landschaft und die Absicherung der regionalen Lebensmittelversorgung fordere. „Dazu brauche man keine großen Handelsabkommen wie CETA“, ergänzte Angelika Nortmann. Dr. Bernd Kempf, Vorsitzender der Bürgerbewegung „Freunde des Spessarts“ betonte, dass die Erhaltung der Artenvielfalt eine wichtige Zukunftsaufgabe sei. Zum Schluss appellierte der langjährige Stadtrat Ferdi Kern (Obernburg) an alle, in den nächsten 2 Wochen ins Rathaus zu gehen und zu unterschreiben. Das bestätigte auch Harald Müller von den Faschingsfreunden Obernburg, die das Volksbegehren auch unterstützen.

Autor:

Kristina Kraus aus Aschaffenburg und Spessart

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