Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt am Bayerischen Untermain: Gut, aber noch Luft nach oben

Frauen und Teilzeit sind auf der Gewinnerseite.
 
Elisabeth Dinkloh ist Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt in der Agentur für Arbeit Aschaffenburg
Aschaffenburg: Agentur für Arbeit | „Der Arbeitsmarkt am Bayerischen Untermain steht blendend da. Die Arbeitslosigkeit geht zurück, die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist auf Rekordniveau und die Nachfrage nach Arbeitskräften ist ungebrochen hoch. Dennoch stellt der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt für Frauen, die aufgrund von Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen ihre Berufstätigkeit für eine längere Zeit unterbrochen haben, eine Herausforderung dar“, sagt Harald Maidhof, Leiter der Agentur für Arbeit Aschaffenburg.


„Fachkräfte werden dringend gebraucht. Deshalb ist es wichtig, Frauen nach der Familienphase den Weg zurück in die Arbeitswelt zu erleichtern. Dazu zählen neben adäquaten Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten vor allem eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung sowie familienfreundliche Arbeitszeitmodelle. Dafür müssen alle Partner am Arbeitsmarkt die Weichen stellen. Wir unterstützen die Erwerbsbeteiligung von Frauen durch Weiterbildungsangebote in Teilzeit, Übernahme von Kinderbetreuungskosten während einer Qualifizierung sowie Online-Lernangebote“, betont Elisabeth Dinkloh, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt in Aschaffenburg, anlässlich des Weltfrauentags.

Dies schlägt sich natürlich in der Erwerbstätigkeit nieder. Die sozialversicherungs-pflichtige Beschäftigung hat sowohl bei Frauen als auch bei Männern in den vergan-genen Jahren zugenommen. So waren in der Region Mitte Juni 2017 rund 62.200 Frauen beschäftigt, 20,4 Prozent mehr als vor zehn Jahren (Bayern: plus 27,1 Prozent). Bei den Männern stieg die Beschäftigung ebenfalls 8,2 Prozent auf 77.236 Personen (Bayern: plus 19.8 Prozent).

Allerdings entfällt das Beschäftigungsplus bei Frauen vorrangig auf Teilzeit. Dort sind in den vergangenen zehn Jahren 15.500 Arbeitsplätze neu entstanden, vornehmlich im Dienstleistungsbereich, eine Steigerung um 71 Prozent. Die Zahl der Vollzeit-Jobs blieb nahezu unverändert.

„Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist noch viel Luft nach oben. Die Auf-nahme einer Vollzeitbeschäftigung oder der Wiedereinstieg ins Berufsleben sind oft nur schwer zu stemmen. Knapp die Hälfte der Frauen war 2017 in Teilzeit beschäftigt, bei den Männern weniger als jeder Zehnte. Laut Untersuchungen würde jede zweite Frau ihre Arbeitszeit gern wieder ausdehnen. Wir brauchen diese Frauen am Arbeitsmarkt, um die Fachkräftebedarfe der Unternehmen zu decken. Voraussetzung dafür sind aber auch gute Betreuungsangebote für Kinder, “ so die Beauftragte für Chancengleichheit.

Im vergangenen Jahr waren durchschnittlich 3.257 Frauen arbeitslos gemeldet. Seit Jahren ist diese Zahl rückläufig. Die Arbeitslosenquote betrug – wie bei den Männern – 3,3 Prozent.

In den Agenturen für Arbeit und Jobcentern unterstützen insbesondere die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt Frauen bei der Rückkehr ins Berufsleben. Zudem beraten sie Unternehmen in Fragen des beruflichen Einstiegs und Fortkom-mens von Frauen und Männern mit Familienpflichten.

„Um ihren Bedarf an Fachkräften zukunftsgerecht decken zu können, müssen Unter-nehmen neue Wege in der Ausbildung gehen. Eine Möglichkeit ist die Teilzeitausbil-dung. Für Menschen, die aufgrund von Kinderbetreuung oder Pflege von Angehöri-gen zeitlich eingeschränkt sind, ist diese Form der Ausbildung ideal. Andererseits gibt es inzwischen den einen oder anderen Betriebskindergarten. Auch das hilft den Frauen, den Familien und den Unternehmen, wie das Beispiel am Klinikum Aschaf-fenburg zeigt, “ sagt Elisabeth Dinkloh.
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