Dramatisches Erftal-Hochwasser am 29. September 1732 - Schauspiel „Michelswasser“ wird in Bürgstadt effektvoll in Szene gesetzt - TEIL 1

Bühne über der Erf mit Mühle
 
Blick auf Bürgstadt und einen Teil von Miltenberg - gesehen von der sogenannten Mainhölle oberhalb der Weinberge.
 
Albrecht Platz aus Bürgstadt: Ideengeber, Mit-Organisator und Spielleiter des Schauspiels "Michelswasser"
Bürgstadt: Bürgerzentrum "Mittelmühle" |

„Das Schauspiel „Michelswasser“ wird Furore machen!“ (Erwin Dotzel, unterfränkischer Bezirkstagspräsident)

„Börscheter Michelswasser“ startet an der Erf als Freiluft-Schauspiel

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren - Bezug zur Flutkatastrophe vor fast 300 Jahren


BÜRGSTADT.
In den Fluten versinken Häuser, Straßen sind voller Wasser, Menschen kämpfen um ihr Überleben.

Solche Bilder kennen wir aus anderen Erdteilen und Ländern, aktuell aus den USA, wo die Wirbelstürme „Harvey“ und „Irma“ riesige Überschwemmungen auslösten.

Szenenwechsel zurück nach Bürgstadt vor 285 Jahren: Regen in der Region führt zu Hochwasser, Überschwemmungen, Zerstörungen und existentiellen Bedrohungen.


In der Nacht vom 29. zum 30. September 1732, am Namenstag des heiligen Erzengels Michael kommt es im Erftal kommt es zu einer sintflutartigen Situation und alptraumhaften Unwetter-Katastrophe.

Riesige Bäume stürzen um, Felsbrocken „von 50 und noch mehr Zentner schwer werden von den Bergen herab gewelzet“, berichtet ein Chronist, und bewegen sich in Richtung Bürgstadt und zum Main.

Gewaltige Wasserfluten reißen die 1538 errichtete, fast 200 Jahre alte Erfbrücke, weg.

Ebenso zerstört werden Häuser in Bürgstadt, die im wörtlichen Sinn „zu nah am Wasser gebaut“ sind: insbesondere betrifft das die Obermühle und wesentliche Teile der Mittel- und der Untermühle.

Als „Michelswasser“ wird das gewaltige Unglück später in die Annalen der der hiesigen Geschichtsbücher und Orts-Chroniken eingehen.

Sind bei der Flut Menschen zu Schaden gekommen?

Überliefert ist die Geschichte von einem Bewohner der Untermühle, der sich stundenlang an einen Erlenbaum klammert und sich schließlich rettet. Er ist damals 13 Jahre alt, heißt Johann Blasius Fath. Sein sechs Jahre älterer Bruder und der Vater (beide heißen Johann Valentin Fath) ertrinken in den Fluten.

Zeugen der Vergangenheit

Der Gerettete stiftet zum Gedenken an Vater und Bruder einen bis heute erhaltenen Bildstock auf der nahen Erfbfücke. Aus Dankbarkeit tritt er als Pater Rubeln in das Miltenberger Franziskanerkloster Miltenberg ein. Dort stirbt er 1789.

Heute erinnert eine - anlässlich der Einweihung des Bürgerzentrums am 26. Mai 2000 aufgestellte - imposante Brunnenfigur, geschaffen von Theophil Steinbrenner aus Schwarzach am Main, vor der Mittelmühle an dieses katastrophale Szenario:

Eine männliche Person kämpft im Hochwasser erfolgreich um ihr Überleben, sie hält sich im letzten Moment an einem Baum fest.

17 Jahre nach dem „Michelswasser“ von 1732 steht die neue Erfbrücke. Baumeister ist Christian Wolf aus Amorbach.

Mahnung und Dankbarkeit

Errichtet wird in der Miltenberger Straße unweit der Erfbrücke der besagte und mahnende Sandstein-Bildstock mit dem heiligen Michael als Relief-Figur.

In der oberen Hälfte der Säule steht: „Hic pater et Frater rapidis sorbentur-ab undis, sed Frater Mediis et soror-exit aquis.“

Übersetzt heißt dies in etwa: „Hier wurden Vater und Bruder von den reißenden Fluten verschlungen, aber Bruder und Schwester entkamen mitten aus den Fluten“.

Auf dem Unterteil der Aufsatzplatte ist zu lesen: „Ex voto - / Divo Michaeli Erigit / Johannes Blasius Fath.“ , auf deutsch: „Auf Grund eines Gelübdes an den Hl. Michael errichtete diesen Bildstock Johannes Blasius Fath".

Auf dem abschließendem Kreuz steht: „Ad / Honorem / -Dei“, übersetzt: „Zur Ehre Gottes“.

Sage mit wahrem Kern erinnert an „Börscheter Michelswasser“

Über dieses Unglück berichtet auch eine Sage.

Sagen sind bekanntlich zunächst mündliche, später aufgeschriebene Erzählungen mit einem wahren Kern und konkreten Personen-, Orts- und Zeitangaben.

„Am Michelstag des Jahres 1732 war im oberen Erftal ein starker Wolkenbruch niedergegangen.

Die Erf, sonst so friedlich dahin rauschend, trat aus ihren Ufern und wuchs zu einem wildschäumenden See.

Das Hochwasser richtete im ganzen Erftal großen Schaden an, besonders aber in Bürgstadt.

Die ungeheure Gewalt des Wassers hatte bereits die obere Mühle, die Erfbrücke und die Mittelmühle zusammengerissen. Nur die untere Mühle stand noch.

Doch auch der untere Müller namens Johann Valentin Fath hatte kaum Zeit an seine und der Seinen Rettung zu denken.

Ehe man sich retten konnte, stürzte plötzlich die Mühle in sich zusammen. Ein Sohn war sofort tot; die Tochter wurde von den reißenden Wassern ergriffen und gegen die Scheune getrieben, wo sie sich retten konnte.

Der andere Sohn Johann Blasius, gleichfalls von den Fluten fortgeschwemmt, konnte sich an einem Erlenbaum festhalten.

Dahin kam plötzlich auch der Vater getrieben, der von seinem Sohn mit Aufbietung aller Kräfte eine zeitlang festgehalten wurde.

Die Gewalt des Wassers wurde immer heftiger und drohte auch den Sohn vom Baume zu reißen.

Bald erlahmten die Kräfte des Sohnes und bei den Worten: "O Vater, ich kann euch nicht mehr halten!" verschwand das teure Leben in den Fluten.

Noch 24 Stunden harrte der Sohn der Rettung auf dem Baume. Dann ließ das Wasser nach und das junge Leben war gerettet.

Gott zum Danke trat er als Bruder in das Franziskanerkloster zu Miltenberg ein.

So lange er lebte, trug er einen Stock von jenem Erlenbaume. Auch ließ er einen steinernen Bildstock zu Ehren des heiligen Michael errichten.“


Schauspiel-Drama: Von der Idee zur Realisierung

Nun sind fast 300 Jahre vergangen: der Bildstock auf der Erfbrücke und der neuzeitliche Brunnen vor der einstigen Mittelmühle erinnern noch heute Einheimische und Besucher an die Naturkatastrophe von 1732 in Bürgstadt.

Doch damit nicht genug: In fünf Aufführungen
wird in einem Schauspiel vom 29. September 2017
bis 3. Oktober 2017 auf einer Freilichtbühne an der Erf nahe der Mittelmühle jeweils ab 19 Uhr dieses Unglück mit tragischem Ausgang thematisiert.

„Michelswasser“ heißt der plakative Titel des Schauspiels

„Aber auch der Tages-Ablauf in der Mühle wird zu Beginn mit den Menschen und deren Ablauf und Alltagssorgen um das tödliche Brot mit einbezogen“, betonen die Veranstalter, der Markt Bürgstadt, in ihrem Flyer.


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