Vortragsabend mit Pfarrer Jan Kölbel über den mittelalterlichen Templerorden

  Beginn und Ende der päpstlichen Armee zur Verteidigung des Christentums

Rund 100 Zuhörer waren der Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins Bürgstadt in das Foyer der Mittelmühle gefolgt, um interessante Aufschlüsse zu dem Thema „Die Templer – Mythos und Wahrheit“ zu erhalten.
Mit Pfarrer Jan Kölbel stand dem Verein ein exzellenter Redner und Kenner dieser Thematik zur Verfügung, der in kurzweiliger Weise die Geschichte des Templerordens im Mittelalter umriss.
Nach dem Tode des Propheten Mohammed im Jahre 632 n.Chr. begann die sogenannte islamische Expansion, wonach das Oströmische Reich und das neupersische Sassanidenreich, wie auch die gesamte arabische Halbinsel in arabische Hände gefallen waren. Unter arabischer Herrschaft lagen nun alle Wirkungsstätten Christi, insbesondere auch die Stadt Jerusalem. Im sogenannten ersten Kreuzzug wurde Jerusalem im Jahre 1098 durch christliche Kreuzritterheere zurück erobert.
Jerusalem als christliche Pilgerstätte konnte aber lediglich über den Seeweg und über unsichere Landwegstrecken erreicht werden. Um die Pilgerzüge gegen räuberische und auch militärische Angriffe zu schützen, gründete u.a. Hugo von Payns im Jahre 1119 einen Orden, in welchen Ordensbrüder und christliche Ritter aufgenommen waren. Die „klassischen Gelübde“ zu Armut, Keuschheit und Gehorsam wurden um die Sicherstellung des Pilgerschutzes erweitert. Der Orden unterstand direkt dem Papst, bezogen auf dem Tempelberg in Jerusalem die Gebäude des ehemaligen Königs Balduin II., welche auf den Grundmauern des zerstörten Tempels von König Salomon standen und nannten sich fortan „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels“. Daraus leitete sich auch der Name der Templer oder Tempelritter ab. Gefördert wurde der Orden insbesondere von dem Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux.
Die bis zu 15.000 Ordensmitglieder erfüllten nicht nur Aufgaben des Militärhandwerkes, sondern entwickelten ab dem 13. Jahrhundert auf Grund der Einnahmen aus den rund 9.000 in Europa verteilten Komtureien auch wirtschafts- und finanzpolitische Fähigkeiten sowie Verleih- und Geldgeschäfte mit einer fortschrittlichen Buchführung. Sie erfanden den Kreditbrief, den man als Vorläufer des heutigen Reiseschecks ansehen könnte.
Zwischenzeitlich hatten sich die europäischen Königreiche neu strukturiert und sahen in dem Mönchsorden eine potenzielle militärische Gefahr als größte ständige Heereseinrichtung und auch auf Grund der wirtschaftlichen Konkurrenz. Insbesondere der bei den Templer hoch verschuldete französische König Philipp IV. schürte durch Falschmeldungen und Diffamierungen das Feuer der Gegnerschaft, die eine Auflösung des Ordens zum Ziel hatten.
Im Jahre 1307 wurden die Mitglieder des Ordens der Ketzerei und der Sodomie (im Sinne der Homosexualität) angeklagt und Philipp IV. machte dies zu einer Staatsaffäre unter Ausnutzung der Schwäche des Papstes Clemens V.
Am 14. September 1307 fertigte Philipp einen Haftbefehl aus, der ausnahmslos alle Templer erfasste und in einer einmaligen Nacht- und Nebelaktion wurden europaweit annähernd 15.000 Templer gleichzeitig am Freitag, 13.Oktober 1307, verhaftet und eingekerkert. Nur 12 Ritter entkamen der Verhaftung. Das sich anschließende Inquisitionsverfahren zog sich über mehrere Jahre hin, wobei einige der Ritter zum Tode durch den Scheiterhaufen verurteilt wurden.
Papst Clemens V. löste den Orden nach dem Konzil von Vienne am 12.Märt 1312 auf. Die Folge war, dass wegen Wegfalls des Ordens die Ermittlungsverfahren eingestellt und die Güter der Templer dem Johanniter-Orden zugeschlagen wurden.
Der letzte Großmeister des Ordens, Jaques de Molay, wurde zusammen mit dem Ritter Geoffroy de Charnay am 18. März 1314 als rückfällige Ketzer verurteilt und verbrannt, weil sie das ihnen abgepresste Geständnis widerrufen hatten.
Die heute wieder weltweit bestehenden Templer-Gruppierungen sind keine von der katholischen Kirche anerkannten Orden. Sie variieren religiös sehr stark bis hin zur Konfessionslosigkeit oder haben einen geheimbündlerischen Hintergrund.
Es war eine großartige Leistung des Referenten, diesen doch sehr spannenden Geschichtsabschnitt sehr anschaulich und einprägsam zu vermitteln. Der Beifall des Auditoriums war entsprechend anerkennend und stark.
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