Merkwürdige Kirchen und komische Heilige

Otto Reichert bei seinem Vortrag
Provokantes Thema fand reges Interesse.

Zu seinem ersten Vortrag im Jahre 2018 lud der Heimat- und Geschichtsverein Bürgstadt in das Foyer der Mittelmühle und 120 Zuhörer folgten der Einladung.
Der Referent des Abends, Otto Reichert, hatte sich das Thema „Merkwürdige Kirchen und komische Heilige“ gewählt und räumte gleich zu Beginn ein, das „merkwürdig“ im Sinne von würdig zu merken und „komisch“ im Sinne von Komödie zu verstehen seien, da die manche Heilige umrankenden Legenden die betreffende Person comicartig darstellen.
In dem 2-stündigen, äußerst interessanten und kurzweiligen, mit vielen Bildern unterstützten Vortrag nahm der Referent die Erschienenen in seinen Bann.
Der historische Zeitrahmen umfasste einen Zeitraum vom Jahre ca.1000 bis 1806. Die Baustile dieser Epochen waren dem Zeitgeist unterworfen, was man den Bildern von Kirchen aus unserer näheren und weiteren Umgebung entnehmen konnte. Mit viel architektonischem Sachwissen erschloss Otto Reichert dann die Besonderheiten der Dekoration der Kirchen, die teils aus Chimären, teils aus Heiligenfiguren bestand, die meist das Patronat der Kirche zum Ausdruck brachten. Ab den Zeiten der Reformation wechselte dann das Kircheninnere je nach Glaubensrichtung. So sind im Katholizismus die Kirchen im Inneren meist prunkvoll ausgestattet und mit Heiligenfiguren bestückt, während protestantische Kirchen eher schlicht in Dekoration sind bzw. waren. Bei den Katholiken zählte mehr das bildhafte und fassbare der Darstellungen, während bei den Protestanten vor allem das Wort Gottes den Gläubigen übermittelt werden sollte.
Bei den Heiligendarstellungen und den zu Verehrenden allerdings folgte man oftmals einem legendenhaften Hintergrund und der Referent belegte, dass es sich nicht um echte Heilige handelt.
Beispielhaft ging er auf den Schutzpatron der Autofahrer, den Christophorus, ein, der zwar zu den allgemeinen Nothelfern zählt, aber 1962 wegen des legendenhaften Hintergrundes aus der Liste der kanonischen Heiligen gestrichen, später aber wieder in die Liste der Märtyrer eingereiht wurde.
Mit dem Ritter Arnold von Uissigheim benannte er weiteres Beispiel. Ritter Arnold war ein sogen. Armleder oder auch Judenschläger und wurde auf Geheiß des Bischof von Würzburg mit seinem eigenen Schwert enthauptet. Er wurde als Ortsadeliger in der Kirche von Uissigheim bestattet, wo heute noch die Grabplatte zu sehen ist. Noch im Spätmittelalter wurde er wegen seiner angeblichen Wunder an seiner Grabstätte gewissermaßen heiligengleich verehrt.
Alles in allem war es wieder ein äußerst interessanter und Geschichte erklärender Vortrag und die Zuhörer, darunter auch die Kreisheimatpfleger Bernhard Springer und Hedi Eckert, fanden nur anerkennende Worte.
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