Energiewende-Workshop
Ziel: Mehr Strom regional aus regenerativen Quellen erzeugen

Wie kann es der Landkreis Miltenberg als großer Industriestandort mit großem Energiebedarf schaffen, die Energiewende zu meistern? Diese Frage beschäftigte 30 Teilnehmer*innen beim Energiewende-Workshop in Niedernberg.
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  • Wie kann es der Landkreis Miltenberg als großer Industriestandort mit großem Energiebedarf schaffen, die Energiewende zu meistern? Diese Frage beschäftigte 30 Teilnehmer*innen beim Energiewende-Workshop in Niedernberg.
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Nicht nur seit Beginn des Kriegs in der Ukraine, sondern bereits seit letztem Jahr explodieren die Energiepreise. Nicht nur die notwendige Energiewende zwingt dazu, die Nutzung fossiler Brennstoffe stark zu reduzieren beziehungsweise möglichst komplett auf sie zu verzichten. Wie kann es der Landkreis Miltenberg als großer Industriestandort mit großem Energiebedarf schaffen, diese Wende zu meistern? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Workshops zum Gelingen der regionalen Energiewende am Montag, 9. Mai, im Musicum Niedernberg.

Für den Landkreis Miltenberg, dem industriellen Kern der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main, sei der Handlungsdruck extrem hoch, sagte Landrat Jens Marco Scherf in seinen einführenden Worten vor rund 30 Vertreter*innen aus der Kommunalpolitik, Energieversorgern, Industrieunternehmen, IHK und Energielieferanten (Wasser, Wind, Photovoltaik, Biomasse). Der Wirtschaftslandkreis benötige extrem sichere, aber auch preislich erträgliche Energie, so der Landrat. Er plädierte dafür, diese in möglichst hohen Mengen aus regenerativen Energien regional zu gewinnen. „Nur, wenn wir die Energieschöpfung selbst beeinflussen, bedeutet das auch Versorgungssicherheit“, stellte Scherf fest. Was wollen wir, wie erreichen wir die Öffentlichkeit und wie vermarkten wir in der Region erzeugten Strom, das seien die Fragen, die es zu beantworten gelte.

Für die Energieagentur Unterfranken ging Karlheinz Paulus auf die Entwicklung der Strompreise ein, die je nach Erzeugungsart und Größen der Anlagen unterschiedlich hoch sind. Während man etwa bei Windkraftanlagen vor den Küsten den Strom für vier bis fünf Cents pro Kilowattstunde produzieren kann, liege der Windkraftstrom im Odenwald bei bis zu zehn Cents, Freiflächen-Photovoltaik bei bis zu sieben Cents. Auch auf einem Hausdach erzeugter Strom liege mit bis zu 15 Cents Kosten noch deutlich unter den Preisen, die auf den Märkten verlangt werden. Bei Biomasse sprach er von Kosten zwischen zehn und 20 Cents, allerdings seien die Mengen begrenzt. Allesamt deutlich günstiger als die aktuellen Preise für fossile Energie.

Wasserkraftwerke seien sehr sinnvoll und lieferten stabile Erträge, aber derzeit würden keine neuen Anlagen mehr genehmigt, so Paulus. Photovoltaik biete noch großes Potenzial und von den aufgrund der Zonierung und Festlegung durch den Regionalen Planungsverband bis zu 28 möglichen Windkraftanlagen im Odenwald seien aber sicherlich einige aus verschiedensten Gründen bislang nicht realisiert worden. Aktuell zeichnet es sich ab, so Landrat Scherf, dass der grundsätzliche Ausschluss von Windkraft in Landschaftsschutzgebieten fallen wird.

Die Heizungen der Zukunft würden bis zu 80 Prozent mittels Wärmepumpen funktionieren, zeigte er sich überzeugt. Allerdings sei am Markt zurzeit kaum etwas verfügbar, aktuelle Bestellungen würden aufgrund der hohen Nachfrage erst 2023 ausgeliefert. Auch in Sachen Energiespeicher gelte es noch viel zu tun, verwies der Fachmann auf rund 200 Terawattstunden Kapazität der Gasspeicher bei einem Gesamtenergiebedarf in Deutschland von über 600 Terawattstunden. Die restlichen Speichermöglichkeiten seien äußerst gering, zeigte er. In den anschließenden Einzelgesprächen nahm die Lösung der Speicherproblematik breiten Raum ein.

Für Paulus hat die Sektorenkopplung noch großes Potenzial – das heißt die Nutzung unterschiedlicher Energieträger je nach Lieferbarkeit der Energie: Tagsüber Strom aus Photovoltaikanlagen, nachts Strom aus Windkraft und zur Deckung von Spitzen andere Energieträger. Laut dem Energiemonitor des Landkreises Miltenberg würden zurzeit 20 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt, langfristig sah Paulus hier ein Potenzial von 60 Prozent. Zur Steigerung der regionalen Energieerzeugung sagte der Fachmann, dass die Gemeinden über die Aufstellung von Flächennutzungsplänen durchaus steuern könnten, wo solche Anlagen entstehen und wer sie betreibt. Dennoch gehe am deutlichen Einsparen von Energie kein Weg vorbei, zeigte er sich überzeugt.

Wie eine solche Vermarktung funktionieren kann, verdeutlichten Hassan Guicha und Sebastian Emmerich von der Citiworks AG, einer 100-prozentigen Tochter des hessischen Energieversorgers Entega. In ihrem Portfolio befinden sich zurzeit 12 Terawattstunden Strom und 5 Terawattstunden Gas. Citiworks ist dabei ein reiner Dienstleister, der für seine Kunden die Stromversorgung sicherstellt. Das Unternehmen ist dabei unter anderem auf dem sogenannten Spotmarkt unterwegs, an dem rund um die Uhr Strommengen ge- und verkauft werden. Sebastian Emmerich erklärte den Gästen, dass vor allem die Nachfrage nach PPA-Stromlieferverträgen ständig steige. Bei diesen Power-Purchase-Agreements liefert in der Regel ein Energieerzeuger seinen Strom an einen Energiehändler oder einen Abnehmer. Auf diese Weise können Anlagen unabhängig vom EEG-Gesetz finanziert und betrieben werden, auch können die Abnehmer langfristig mit grünem Strom versorgt werden. Da immer mehr Kunden aus der Wirtschaft nachhaltig wirtschaften wollen und Strom aus erneuerbaren und/oder sogar regionalen Quellen möchten, habe die Nachfrage nach solchen Verträgen extrem zugenommen, erklärte Emmerich, „unsere Industriekunden schreien nach PPA-Verträgen.“ Damit ein Anlagenbetreiber Erfolg hat, sei etwa bei der Windkraft der Standort das A und O, sagte er, denn Energie sei umso besser zu verkaufen, je konstanter die sicher lieferbaren Energiemengen seien. Mit PPA-Verträgen haben also beide Seiten Sicherheit: Der Erzeuger hat Sicherheit bei der Finanzierung und bei der Abgabe, der Abnehmer hat Sicherheit bei den Mengen und bei stark schwankenden Strompreisen an den Börsen. Allerding bergen solche Verträge auch Unsicherheiten – wenn etwa die Erträge schwanken und Stromlücken nur über hohe Preise am Spotmarkt geschlossen werden können.

Karlheinz Paulus erntete zustimmendes Nicken im Rund, als er feststellte: „Wir wollen nicht, dass Anlagen in der Region an der Region vorbeilaufen.“ Als Negativbeispiel nannte er die Windkraftanlagen im hessischen Teil des Odenwalds, die allesamt Unternehmen außerhalb der Region gehörten.
Nach den Vorträgen diskutieren die Gäste noch lange in kleinen und größeren Runden, tauschten sich aus und auch die Vernetzung der regionalen Akteure und Energieunternehmen ging gut voran. Landrat Jens Marco Scherf zeigte sich am Ende zufrieden mit der Veranstaltung, denn von allen Seiten war der Wunsch nach einer regionalen Energieerzeugung aus regenerativen Energien deutlich erkennbar und die Netzwerkbildung der Akteure hat begonnen.

Wie kann es der Landkreis Miltenberg als großer Industriestandort mit großem Energiebedarf schaffen, die Energiewende zu meistern? Diese Frage beschäftigte 30 Teilnehmer*innen beim Energiewende-Workshop in Niedernberg.
Noch lange nach den Vorträgen diskutierten die Gäste im Musicum über Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten für eine regionale Energieerzeugung aus regenerativen Quellen.

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