Kitzrettung
Gemeinde Leidersbach hat sich Bambi-Preis redlich verdient

Für ihre Mithilfe bei der Kitzrettung überreichte Landrat Jens Marco Scherf (dritter von links) Urkunden an zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte.
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  • Für ihre Mithilfe bei der Kitzrettung überreichte Landrat Jens Marco Scherf (dritter von links) Urkunden an zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte.
  • Foto: Winfried Zang
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Schon seit dem Jahr 2015 wird im Landkreis Miltenberg in jedem Jahr die kitzfreundlichste Gemeinde gekürt. In diesem Jahr zeichnete Landrat Jens Marco Scherf die Gemeinde Leidersbach mit dem Bambi-Preis der Initiative „Kids for Kitz/Action for Kitz“ aus. Die Initiative ist mittlerweile weit über die Grenzen des Landkreises Miltenberg und des Freistaats Bayern hinaus bekannt und dient als Vorbild für weitere Initiativen.

Auf der Freizeitanlage im Leidersbacher Ortsteil Roßbach begrüßte der Landrat am Mittwoch zahlreiche Gäste, die sich an der von Doris Völker-Wamser gegründeten Aktion beteiligt hatten: Jägerschaft, Landwirtschaft, Gemeinde Leidersbach, die Klasse 4b der Grundschule Leidersbach, Vertreter des Sponsors Sparkasse Miltenberg-Obernburg und nicht zuletzt die freiwilligen Helferinnen und Helfer, die den Löwenanteil der Arbeit bei der Kitzrettung leisten.

In Leidersbach sei man schon seit langem mit der Kitzrettung aktiv, wusste der Landrat und erklärte: Zunächst basteln die Schüler*innen Kitzscheuchen, danach koordinieren Landwirtinnen und Landwirte, Jägerschaft sowie die Helfer*innen den Mahdtermin. Am Abend vor der Mahd begehen die Helfer*innen die Wiesen, stellen Scheuchen und elektronische Kitzretter auf und hoffen, dass die Rehe wegen der Störung ihren Nachwuchs aus der Wiese führen. Am nächsten Morgen trifft sich die Helferschar bereits um 5 Uhr morgens, Drohnen werden in die Luft geschickt und den Helfer*innen am Boden wird gemeldet, ob in der Wiese noch Rehkitze liegen und wo genau gesucht werden muss.
Rehkitze hätten keinen Fluchtinstinkt und drückten sich eng an den Boden, wusste der Landrat, deshalb sei es wichtig, die kleinen Rehe zu finden und fachgerecht aus der Wiese zu tragen, damit sie nicht von den Mähwerken der Maschinen erfasst werden. Am Wiesenrand fänden ihre Mütter den Nachwuchs ohne Probleme und brächten ihn an einen sicheren Ort, so Scherf. Beim Begehen könnten aber auch Junghasen und Wiesenbrüter gerettet werden.

Drohnen erleichterten die Arbeit enorm, stellte der Landrat fest, dennoch wisse er aus eigener Erfahrung, dass das Laufen durch die Wiese extrem anstrengend sei. Seit diesem Jahr stünden in Leidersbach zwei Drohnen und fünf Drohnenpiloten zur Verfügung, dennoch brauche es Gruppen von mindestens fünf bis sechs Personen, die insbesondere unter Obstbäumen und am Waldrand nach Jungtieren Ausschau halten. Die Helferinnen und Helfer müssten sehr früh aufstehen, denn die Wärmebildkamera der Drohne erkenne die Wärmesignatur der Rehkitze nur in der morgendlichen Kühle gut. Der Landrat lobte auch die Schü ler*innen der Klasse 4b der Grundschule Leidersbach, die mit großer Freude Kitzscheuchen zur Aufstellung in den Wiesen gebastelt hätten.

Dass es gelingt, Rehkitze zu retten, sei der guten Kooperation und der Zusammenarbeit vieler Menschen zu verdanken, lobte der Landrat. Nur das Wissen, wann welche Wiese gemäht wird, ermögliche die optimale Koordination der Kitzrettung zwischen Landwirtschaft, Jägerschaft und der Helferschar. „Landwirte und Jägerschaft engagieren sich in Leidersbach vorbildlich, die Landwirte nehmen sogar Rücksicht auf eventuelle Engpässe der Termine und verschieben dann ihre Mahd auf einen anderen Tag“, sagte der Landrat. Auch die Wiesenmahd von innen nach außen durch die Umsetzung des Volksbegehrens Artenvielfalt erlaube es den Tieren, vor Mä hfahrzeugen zu fliehen. Der Jägerschaft dankte Scherf für ihren wichtigen Einsatz und die Übernahme von Verantwortung für die Hege.

Einen wichtigen Teil zum Erfolg trägt Scherf zufolge die Sparkasse Miltenberg-Obernburg bei, die ein Tablet zur drohnengestü tzten Suche finanziert habe. Die Kitzretter hätten aber auch darüber hinaus viele weitere Sponsoren zur Unterstützung gewonnen. Da sich so viele Menschen in Leidersbach schon seit vielen Jahren aktiv des Themas Kitzrettung annehmen, verdiene die Gemeinde Leidersbach die Auszeichnung „Kitzfreundlichste Gemeinde 2022“.

Leidersbacher Bürgermeister Michael Schüßler zeigte sich stolz darauf, dass in seiner Gemeinde so viele Menschen leben, die sich für die Kitzrettung einsetzen. Seit er erstmals im Jahr 2017 mit der Initiatorin der Aktion, Doris Völker-Wamser, Kontakt hatte, habe sich hier etwas Großes entwickelt, freute er sich.
Marion Münz, Leiterin der Sparkassen-Geschäftsstelle Leidersbach, war von Beginn an von der Aktion Kitzrettung überzeugt, so dass sie sich gerne daran beteiligt habe. Als sie die ersten Bilder geretteter Rehkitze gesehen habe, habe sie sich riesig gefreut, erinnerte sie sich. Sie forderte alle Interessierten auf, sich bei den Kitzrettern zu melden und mitzugehen.

Heidi Sauer von der Leidersbacher Helfertruppe erklärte, die Kitzrettung sei für alle eine Herzenssache. Deshalb sei es auch kein Problem, morgens um 5 Uhr auf der Wiese zu stehen, versicherte sie. Man wolle keine Lobeshymnen, es reiche vollkommen aus, wenn kein Tier zu Schaden komme. „Besser kann ein Tag nicht beginnen“, fasste sie ihre Eindrücke zusammen.

Anschließend überreichte Matthias Dick, Bereichsdirektor Privatkunden der Sparkasse Miltenberg-Obernburg, einen Scheck zur Anschaffung eines Tablets zur drohnengestü tzten Rehkitzsuche an die Kitzrettung Leidersbach. Auch übergab er vier Plaketten „Rehkitzfreundlichste Gemeinde 2022“ an Bürgermeister Michael Schüßler. Die sollen an allen Ortseingängen künftig auf die Kitzrettung hinweisen. Landrat Jens Marco Scherf übergab zudem einen Scheck für die Leidersbacher Grundschule und überreichte Urkunden an alle Landwirte für ihr Mitwirken an dieser wichtigen Aktion.

Musikalisch umrahmt wurde die kleine Feier von den Jagdhornblä ser*innen der Kreisgruppe Obernburg, die Gemeinde Leidersbach sorgte für die Verpflegung.

Für ihre Mithilfe bei der Kitzrettung überreichte Landrat Jens Marco Scherf (dritter von links) Urkunden an zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte.
Matthias Dick und Marion Münz (beide Sparkasse, rechts und links neben der Plakette) übergaben im Beisein von Landrat Jens Marco Scherf (zweiter von rechts), Kitzrettungsinitiatorin Doris Völker-Wamser und weiteren Aktiven große Plaketten an Leidersbacher Bürgermeister Michael Schüßler (vierter von links).

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