Klima-Hot-Spot Untermain

Professor Dr. Heiko Paeth referiert über die globalen und regionalen Herausforderungen in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Weinanbau durch den jetzt schon spürbaren Klimawandel.

Knapp 60 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer – zum großen mit landwirtschaftlichem Hintergrund sind der Einladung des Energieforums Miltenberg Aschaffenburg e.V. ins Weingut Harald Gunter nach Großwallstatt gefolgt. Der Klimawandel ist längst in unserer Region angekommen, daher hat man sich in Zusammenarbeit mit dem Klimaschutzmanager des Landkreises und der Energieagentur Bayerischer Untermain bewusst einen Referenten eingeladen, der im Bereich der aktuellen und zukünftigen Klimafolgenforschung und in der Klimamodellierung auch den Untermain im Fokus hat, erläutert der Vorsitzende des Forum , Karlheinz Paulus bei seiner kurzen Begrüßung.
Winzer Harald Gunter berichtet in seinem Grußwort über seine Erfahrungen aus der Praxis. So etwas verschiebt sich die Traubenblüte immer weiter in das Frühjahr, was die Gefahr der Schädigung durch Spätfroste erhöht, gleichzeitig ist die Ernte bereits mehrere Wochen früher abgeschlossen, als noch vor wenigen Jahren. Problematisch ist vor allem der zunehmend geringer werdende Niederschlag in den Sommermonaten.
Professor Paeth steigt mit einer Übersicht der Temperaturabweichungen in den letzten Jahren von der Norm ein. Seit 1990 gab es bis auf 2 Jahre nur noch Abweichungen nach oben und die letzten drei Jahren waren die wärmsten jemals gemessenen Jahre.

Hot-Spot Unterfranken
Dies gilt global, aber besonders für Unterfranken und den Untermain. Hier liegt die Durchschnittstemperatur schon jetzt mehr als 2 Grad über dem Mittel.
Für jeden verständlich erläutert er Emissionsszenarien und davon abhängige Temperaturprojektionen – sprich: was würde ein „Weiter so“ bei CO2-Emissionen bewirken und wie dürften sich Emissionen entwickeln, wenn wir tatsächlich das in Paris vereinbarte 2 Grad-Ziel der maximalen Erwärmung noch erreichen wollen. Wobei bei diesem Szenario die Temperatur bei uns nicht um 2°C, sondern um über 4°C im Mittel steigen wird.
Ein Raunen geht durch den Saal, als die zukünftig mögliche Niederschlagsentwicklung zur Sprache kommt. Bereits seit 2015 reicht der jährliche Niederschlag in der Region nicht mehr aus, um die Grundwasserreserven aufzufüllen, was seit Jahren zu fallenden Pegeln führt. Steigende Temperaturen führen zu trockeneren Sommermonaten, Starkregenereignisse können sich weiter häufen, bringen aber wenig für den Grundwasserpegel, da die Wassermassen oberirdisch abfließen. Auch die Anzahl der sogenannten Tropennächte, also Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius absinkt, wird deutlich zunehmen. Insbesondere ältere Menschen, die in den Städten der Region leben, werden besonders darunter leiden.

Buchen werden weichen
Landwirtschaft und Weinanbau müssen sich in den kommenden Jahren auf die geänderten Rahmenbedingungen einstellen, um auch zukünftig traditionelle Sorten anbauen zu können. In den Wäldern wird die Buche, Fichte und Tanne nicht mehr wachsen. Bei Neuanpflanzungen sollte darauf schon heute geachtet werden. Wobei aufgrund der Trockenheit dieses Jahr keine Bäume gepflanzt werden können, auch dies wird in Zukunft öfters vorkommen.

Chancen ergreifen
In seinem Fazit sieht Paeth aber noch nicht ganz schwarz, und bleibt jedoch nur noch wenig Zeit und wir müssen unser Handeln und unseren Konsum in vielen Bereichen grundlegend ändern, um das Zwei-Grad-Ziel doch noch erreichen zu können.

In der anschließenden Diskussionsrunde bestätige Matthias Wolf, Obstbauer aus Leidersbach die These des Referenten, dass der Klimawandel längst in der Region angekommen und dass die Folgen für die Landwirtschaft bereits heute einschneidend sind. Frühe Blüte im Jahr und die gestiegene Gefahr von Frostschäden, Wassermangel und gestiegene Hagelhäufigkeit sind nur einige der vielfältig spürbaren Veränderungen.

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