„Die Heinstermühle“ ehemals Erbleihmühle der Erbacher Grafen – 1. Teil -

1540 wurde die Heinstermühle erstmals urkundlich erwähnt
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Heimatgeschichtlich bedeutsam und unter Dankmalschutz stehend

Wohl kaum ein anderes Anwesen im näheren bayerischen und hessischen Odenwald ist wie die Hainstermühle mit Sagen und Anekdoten, mit wahren und unwahren Geschichten umsponnen. Bis 1870 wurde dieses Anwesen von Müller zu Müller weitergegeben, der letzte aktive Heinstermüller war bis 1927 Johann Leonhard Hess. Touristen, die diese Mühle im engen Heinstermühltal besuchen wollen, müssen über Kirchzell, Watterbach zur Schrahmühle wandern. Bald danach zweigt zur linken Hand ein Seitental ab, das zur hessischen ehemals selbständigen Gemeinde Würzberg, heute zur Stadt Michelstadt gehörend, führt. Dort wo sich die beiden Talseiten fast berühren, etwas oberhalb wo der Heinstermühlbach ins Lochbrunnental fließt, befinden sich zwei markante, inzwischen weitgehend restaurierte Gebäude, die „Heinstermühle“ mit steilen Wiesen und Feldern umsäumt, inmitten eines geschlossen Waldareals. Fast könnte man meinen, die Zeit steht hier noch still, ein beschauliches Örtchen, fast wie im Märchenbuch.

Die Historie der Mühle
Die eigentliche Mühle mit der Wohnung des Müllers befand sich in dem oberhalb gelegenen Gebäude. Da der Müller auch eine kleine Landwirtschaft betrieb, wurde zum Tal hin vorgelagert eine Scheune mit Stallungen erbaut. 1540 sind beide Gebäude als Erbleihmühle des Erbacher Grafen erstmals urkundlich erwähnt. Der Leihzins betrug sechs Gulden und ein Kreuzer. Von einer Erweiterung des Scheunenbaus wird im Jahre 1780 berichtet. Vermutlich wurden die Wohnräume in dieser Zeit eingerichtet. Nach einem Brand im Jahre 1846 war die Mühle zerstört, wurde aber im Jahre 1847 im heutigen Erscheinungsbild wieder aufgebaut. 1882 erfolgte eine grundlegende Erneuerung des Mühlenmechanismus. 1876 endete der Erbleihvertrag, das Anwesen ging an den damaligen Betreiber über. 1908 musste das sechs Meter im Durchmesser große Wasserrad durch ein neues ersetzt werden, 1913 wurde ein neuer Walzenstuhl eingebaut. Schon sechs Jahre später hielt eine sogenannte Lokomobile (Dampfkraftmaschine) Einzug. Bevor der Mühlenbetrieb 1922 eingestellt wurde, begann das Wasserrad noch eine andere Funktion zu erfüllen; es trieb einen Dynamo an, um das Haus mit elektrischem Strom zu versorgen. 1930 erfolgt schließlich die Demontage des Mühlenmechanismus, die kleine Landwirtschaft wurde aber von der damaligen Eigentümerfamilie Hess weiter bewirtschaftet. Als Flächen standen einzig und allein die mühsam nutzbaren, steilen Hänge im Sommerberg und im Winterberg zur Verfügung.

Leonhard Hess, der letzte Müller in der Hainstermühle
1953 erschloss die damals selbständige Gemeinde Würzberg eine Quelle unweit der Hainstermühle für ihre Wasserversorgung. Dadurch verringerte sich die Landwirtschaftsfläche wesentlich. Schließlich waren die Eheleute Anna Margarethe und Leonhard Hess so alt geworden, dass sie ab 1964 die Felder nicht mehr bewirtschaften konnten. Beide zogen nach Würzberg zu ihrer Tochter und verbrachten dort ihren wohlverdienten Lebensabend. Leonhard Hess verstarb am 24. November 1967 als Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde.

Das Baudenkmal modert vor sich hin
Schon 1966 hat die Gemeinde Würzberg die Hainstermühle mit den umliegenden Flächen gekauft. Das Schicksal der Mühle war unbestimmt, zumal es ja auch nicht mehr bewohnt war. Es schien, dass die denkmalgeschützten Gebäuden dem Verfall preis gegeben waren. Zwar fand sich 1969 ein Mieter, der aber 1982 verstarb. Ein Nachfolgemieter erhielt 1979 von der Stadt Michelstadt als Rechtsnachfolgerin des eingemeindeten Stadtteils Würzberg einen Mietvertrag mit einer Laufzeit von 2 x 10 Jahren. Auch gründete sich ein „Freundeskreis Heinstermühle“. Alle hatten sich zum Ziel gesetzt, an der Renovierung und Restaurierung der beiden Gebäude zu arbeiten, um das Baudenkmal zu erhalten. Letztlich waren alle Bemühungen nicht erfolgreich. Die Bausubstanz litt stark unter der Feuchtigkeit, die der unmittelbar angrenzende Waldbestand mit seinen sehr hoch gewachsenen Fichten und Buchen verursachte. Durch die fehlende Sonneneinstrahlung in den Herbst- und Wintermonaten war das Austrocknen der Mauern und Wände nicht möglich. Den Verantwortlichen bei der Stadt Michelstadt, Magistrat und Verwaltung, war die Erhaltung des Baudenkmals eine große Sorge. Ein Ingenieurbüro hatte damals allein für die dringlichsten Instandsetzungsarbeiten einen Aufwand von 1,5 bis 1,7 Millionen Mark veranschlagt.

Die Hainstermühle erwacht aus dem bemoosten Dornröschenschlaf
Doch dann wendete sich das Schicksal der Heinstermühle doch noch zum Guten:
Magistrat und Stadtverordnetenversammlung stimmten den Verkauf an eine Privatperson zu. Im April 1999 unterzeichnete Rolf Habermeier den Vertrag mit der Stadt Michelstadt. Rolf Habermeier ist gelernter Schreiner und studierter Architekt und Landschaftsplaner. Nach intensiven Studien der Mühlen-Chronik und alter Luftbilder, erstellte Habermeier ein Sonnenlauf-Diagramm und war überzeugt, dass Restaurierung machbar und sinnvoll ist. Noch im gleichen Jahr erfolgte die erste Maßnahme, der umfangreiche Baumbewuchs musste zum Schutz der Gebäude weichen. Windschiefe Bäume drohten auf die Mühle zu stürzen, zudem musste die enorme Feuchtigkeit im engen Tal durch eine bessere Sonneneinstrahlung beseitigt werden. Der größte Teil des eingeschlagenen Holzes brauchte nicht abgefahren zu werden. Habermeier richtete sich eine eigenes kleines Sägewerk ein und erstellte eine Halle, in dem er dann das geschnittene Holz zum Austrocknen lagerte.

Schwierige Arbeiten
Als schwierig erwiesen sich die ersten Arbeiten am früheren Stall- und Scheunengebäude: Die Mauern waren im Laufe der Jahre zum Teil stark abgesackt. Der Dachstuhl aus Eichenholz hatte sich kräftig zur Seite verschoben und musste mit enormem Arbeitsaufwand in die alte Position gebracht werden. Zum Glück konnte der Großteil des alten Gestühls wieder verwendet werden. Heute sind beiden Gebäudedächer gerichtet und mit Biberschwänzen neu eingedeckt.

Rolf Habermeier hat sich um den Erhalt der Mühle verdient gemacht
Seit 15 Jahren arbeitet Mühlenbesitzer Rolf Habermeier jetzt schon an und um seine Anwesen. Viele Gewerke sind vollendet, manche Details gilt es noch zu bewältigen. Die Außenwände, die Dächer und die Fundamente sind fachgerecht restauriert, der Bestand der Gebäude ist damit für lange Zeit gesichert. Allein dafür schon müsste Rolf Habermeier mit einem besonderen Denkmalschutzpreis geehrt werden. Die Restaurierung der Heinstermühle ist sicher eine Lebensaufgabe für Habermeier. Es bleibt zu hoffen, dass er sich die Leidenschaft und Begeisterung für dieses Ensemble erhält. Und es ist ihm und seiner Familie zu gönnen, dass bald das eintrifft, was in einem Schaukasten am Eingangsgebäude zu lesen ist: „ Der Eigentümer Rolf Habermaier erstrebt die Wiederherstellung des Gebäudebestandes von 1930 zum Wohnen und Arbeiten für die Familie“.

Autor:

Bernhard Setzer aus Breitendiel

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