Bildergalerie und Essay.
„An Pauli Bekehr ist der Winter halb hin und halb her“ - Besonderer Festtag am 25. Januar.

Von Alters her beobachteten die Menschen, dass, sobald die Tage wieder länger werden, die ersten Vögel mit dem Nestbau beginnen. – Nun ist der Frühling nicht mehr fern!
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  • Von Alters her beobachteten die Menschen, dass, sobald die Tage wieder länger werden, die ersten Vögel mit dem Nestbau beginnen. – Nun ist der Frühling nicht mehr fern!
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Brauchtum und Bauernregeln:
„An Pauli Bekehr ist der Winter halb hin und halb her“

Besonderer Festtag am 25. Januar.
Beliebtes Kunst-Thema.
Weit verbreitete Wende-Wetterregeln.


Vogelhochzeit-Umzüge bei jung und alt.
Dank für die Winterfütterung.

„Vom Saulus zum Paulus“ – Die Verwandlung vom Christen-Feind zum Christen-Fanatiker kennt sicherlich jeder aus dem Religionsunterricht der Grundschule.

Das visionäre Damaskus-Erlebnis mit blitzartigem Lichtzeichen am Firmament und transzendenter Stimme war für den späteren Apostel Paulus ein Schlüssel-Erlebnis, das sein Leben radikal veränderte.

Er stürzte vom Pferd und wurde sich nach seiner Genesung einer neuen, missionarischen Aufgabe bewusst.

Gedenktag seit dem achten Jahrhundert

Im Kirchenjahr gibt es noch heute dafür einen besonderen Tag, den 25. Januar. Katholiken, Protestanten, Anglikaner und Orthodoxe feiern an diesem Tag die Bekehrung des hl. Apostels Paulus von Tarsus, volkstümlich auch Pauli Bekehrung oder Pauli Bekehr genannt.

Schon seit dem achten Jahrhundert ist ein Fest der Bekehrung des Apostels Paulus in Gallien bezeugt.

Heute hat in der katholischen Kirche dieser Festtag im Allgemeinen Römischen Kalender die liturgische Farben weiß – im Gegensatz zur evangelischen Kirche, die Rot als liturgische Farbe zum Gedenktag Pauli Bekehrung gewählt hat.

Meist optimistische Wetterregeln zur Winter-Hälfte

Auffallend ist die Vielfalt an Bauernregeln unserer Altvorderen für diesen Tag.

Für Pauli Bekehrung gelten folgende Wetterregeln:

  • „An Pauli Bekehr ist der Winter halb hin und halb her.“
  •  „Pauli bekehr' dich, halb Winter scher' dich.“
  •  „Wenn’s St. Pauli regnet oder schneit, folget eine teure Zeit.“
  • „St. Pauli Bekehrung hell und klar, so hofft man auf ein gutes Jahr.“
  • „Pauli klar, ein gutes Jahr. Pauli Regen, schlechter Segen.“
  • "Ist es an Paulus klar, kommt ein gutes Jahr"
  •  "St. Paulus kalt mit Sonnenschein, da wird das Jahr wohl fruchtbar sein. "
  •  "Je kälter unser Pauli und auch heller, desto voller werden Scheune und Keller."
  •  "Wenn’s aber regnet oder auch schneit, wird teuer das Getreid’. "
  •  "Ist an Pauli Bekehr das Wetter schön, werden wir ein warmes Frühjahr seh’n; ist es aber feucht und schlecht, kommt das Frühjahr spät als fauler Knecht. "
  • "Wenn die Sonne am Paulustage scheint, wird stets ein gutes Jahr gemeint. Wird es aber schneien oder regnen, kann uns ein mäßiges Jahr begegnen. "
  •  "Pauli bekehr dich – halber Winter, scher dich."
  •  "Ist der Nebel stark, füllt Krankheit den Sarg."


Der stürzende Reiter in der Bildenden Kunst

Ein beliebtes Motiv in der Kunst ist die Bekehrung des Apostels Paulus. Als herausragendes Beispiel dafür gilt das bekannte Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren aus dem Jahr 1567.

Als Schauplatz dient eine bizarre Gebirgslandschaft mit Blick auf ein fernes Flachland mit Meeresküste. Ein großer Heerzug von gerüsteten Soldaten und vornehmen Reitern kommt hangaufwärts. Aber der Weg wird immer ungangbarer und ist weiter hinten bereits durch tiefliegende Wolken verhangen.

Genau im Zentrum des Bildes, aber nicht besonders hervorgehoben, ist ein gestürzter Reiter zu sehen, der nach links oben blickt, wo ein Lichtstrahl durch die Wolken bricht, den außer ihm nur noch eine Gestalt wahrzunehmen scheint, die seinem scheuenden Pferd die Zügel hält.

Saulus wird auf dem Weg nach Damaskus, wo er Christen gefangen nehmen wollte, von einem hellen Licht geblendet, stürzt zu Boden, hört die Stimme Christi und wird mit Blindheit geschlagen.

Der Schauplatz bei Bruegel ist zwar, abweichend vom biblischen Bericht, ein Hochgebirge, aber zu sehen ist von links oben das himmlische Licht, das Saulus blendet. Der Künstler kehrt so ein inneres Bekehrungserlebnis ins Äußere um: Der Weg über die Berge ist dem Verfolger versperrt und zwingt ihn umzukehren und nach der Gesundung, sein Leben zu ändern.

Beliebter Volksbrauch: die Vogelhochzeit

Mit dem 25. Januar verbunden ist ein nennenswerter Volksbrauch, die Vogelhochzeit. Den Titel kennt man als Volks- und Kinderlied.

Am bekanntesten ist heute noch die sorbische Vogelhochzeit.
Bei der Vogelhochzeit handelt es sich um einen Jahresbrauch, der in einigen europäischen Regionen bekannt ist, vor allem aber bei den Sorben in der Lausitz.
Hier heißt er niedersorbisch "Ptaškowa swajźba" und obersorbisch "Ptači kwas“.

Süßigkeiten für die Winterfütterung der Vögel

Am Vorabend des 25. Januar stellen Kinder einen Teller auf das Fensterbrett oder vor die Tür. Am nächsten Morgen finden sich darauf dann Süßigkeiten in Form von Vögeln oder Nestern. Besonders typisch sind dabei mit Zuckerguss überzogene Teigvögel, die „Sroki“ (singular: Sroka).

Größter Beliebtheit erfreuen sich auch die Schmätzl (Baiservögel oder -häubchen, die innen manchmal noch weich und klebrig sind). Regional, z. B. in Luckau, werden diese auch Tschiepchen (damit ist ein Küken gemeint) genannt.

Auch so genannte Kremnester (bestehend aus einem Keksboden, darauf eine Buttercreme-Schicht in Form eines Nestes mit dunkler Schokolade überzogen und bunten Zuckereiern in der Mitte) gehören zur Vogelhochzeit.

Im Verständnis des Brauchs sind die Leckereien von Vögeln gebracht worden, die sich durch diese Beteiligung der Kinder am Hochzeitsmahl für die Winterfütterung bedanken.

Im Kindergarten oder in der Schule feiern die Kinder dann als Vögel verkleidet die eigentliche Vogelhochzeit mit Gesang, szenischem Spiel oder Festumzügen.

Amsel und Drossel, Elster und Rabe

Während in deutschen Kindertagesstätten das Brautpaar wie im gleichnamigen Volkslied „Die Vogelhochzeit“ als Amsel und Drossel verkleidet sind, stellen im Sorbischen Elster (sroka) und Rabe (ober-/niedersorbisch: hawron/wron) Braut und Bräutigam dar und tragen mitunter die sorbische Hochzeitstracht anstatt eines Federkleides.

Einen wesentlichen Bestandteil des Brauchtums bilden auch die jährlich in den Wochen um die Vogelhochzeit stattfindenden Theateraufführungen, welche vom Sorbischen National-Ensemble in Kooperation mit dem Deutsch-Sorbischen Volkstheater gestaltet werden und das Vogelhochzeitsmotiv aufgreifen.

Die Besonderheit hierbei besteht darin, dass die Aufführungen nicht an einer zentralen Spielstätte stattfinden, sondern die Darsteller mit ihrem Programm in die Schulen und Dörfer der Lausitz kommen.

Aufführungssprachen sind abhängig vom Publikum Niedersorbisch, Obersorbisch oder Deutsch (bei Aufführung in sorbischer Sprache meistens Simultanübersetzung über Kopfhörer).

Kindgemäß für die Kids, abstrakt und kritisch für die Erwachsenen

Während sich die Handlung des Kinderstückes zumeist eng am Inhalt des Brauches orientiert und dementsprechend Vögel die Hauptakteure sind, wird das Thema in der sogenannten Abend-Vogelhochzeit für die Erwachsenen in abstrakterer, vorwiegend lustiger Weise verarbeitet.

Dabei wird der Veranstaltungsrahmen auch genutzt um kritische Fragen und aktuelle Probleme der Sorben anzusprechen.

So thematisierte die Aufführungsreihe für Erwachsene im Januar und Februar 2010 in kritisch-satirischer Weise die geplanten Einsparungsmaßnahmen beim Sorbischen Nationalensemble, während 2012 mit der Thematisierung der Abbaggerung sorbischer Dörfer der aktuelle Bezug zur geplanten Erweiterung des Tagebaus Nochten hergestellt wird. Im Anschluss an die Abendvogelhochzeit gibt es fast immer Tanz.

Tage werden wieder länger

Ein Vogel wollte Hochzeit halten in dem grünen Walde,fidirallala, fidirallala, fidiralla-la-la-la ...
Die Vogelhochzeit wird, traditionell am 25. Januar in der Sorbischen Lausitz gefeiert.

Dort ist sie eine szenische Darstellung mit einer Elster (sorbisch: sroka) als Braut. Der Bräutigam ist ein Rabe (sorbisch: [ha]wron).

Von Alters her beobachteten die Menschen, dass, sobald die Tage wieder länger werden, die ersten Vögel mit dem Nestbau beginnen. – Nun ist der Frühling nicht mehr fern!

Hochzeit und Festmahl mit Naschwerk

Die Vorfreude darauf zeigt sich in Gebräuchen wie beispielsweise der Vogelhochzeit. Weil die Kinder über den ganzen langen Winter hinweg die Vögel gefüttert haben, dürfen sie nun an der Vogelhochzeit teilnehmen. Sie findet als Umzug oder Theateraufführung in vielen Orten der Niederlausitz statt.

Am Vorabend der Vogelhochzeit stellen die Kinder Teller vor die Tür oder aufs Fensterbrett und finden darauf am nächsten Morgen Geschleck und Vogelfiguren. Diese, oft sind es Elstern, werden gebacken aus Milchbrötchenteig.

Je nach Auslegung stellt das Naschwerk den Dank fürs Füttern dar oder einen Anteil vom Hochzeitsschmaus. Anschließend geht es zum Umzug durch das Dorf, bei dem die Kinder als Vogel verkleidet auftreten. Die Ortsansässigen tragen die wunderschöne sorbische Tracht.

Vertreibung der Winter-Dämonen

Ursprünglich war die Süßigkeit eine Opfergabe an Götter und Geister, die den zu lange ausharrenden Winter vertreiben helfen sollte. Auch wurde sie dargebracht, um die Gunst von Naturgöttern zu erbeten.

Nachdem man aber im Laufe der Zeitenwenden nicht mehr so recht an Überirdisches glauben wollte oder konnte, wandelte sich das Opfer zu einem Geschenk an die Kinder.

Inwieweit das Kinderlied und der sorbische Brauch tatsächlich miteinander zu tun haben, ist leider nicht bekannt.

Fest steht allerdings, dass im Kinderlied der Stieglitz die Amsel heiratet, der Rabe ist ein Koch, das "sieht
man an seinem Kleide doch", und die Elster bringt der Braut die Hochzeitsspeis’.

Besondere Aufgabe für den Hahn

Der Hahn, sonst eher zum Weckruf bestellt, bekommt Besonderes zu tun:
Der Hahn, der krähet "Gute Nacht!", dann wird die Kammer zugemacht,
fidirallala, fidirallala, fidiralla-la-la-la ...
Nun ist die Vogelhochzeit aus, und alle geh’n vergnügt nach Haus’,
fidirallala, fidirallala, fidiralla-la-la-la …

Roland Schönmüller

Autor:

Roland Schönmüller aus Miltenberg

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