Europawahl am 26.05.2019
Ein geeintes Europa ist eine Bereicherung für uns alle

Dieses Gemälde entstand im Rahmen eines Projektes „Europa und wir“ in der Deutschklasse 7DK in der Barbarossaschule in Erlenbach mit Klassenlehrer Roland Schönmüller.
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  • Dieses Gemälde entstand im Rahmen eines Projektes „Europa und wir“ in der Deutschklasse 7DK in der Barbarossaschule in Erlenbach mit Klassenlehrer Roland Schönmüller.
  • Foto: Roland Schönmüller
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Die Europäische Union steht aktuell vor vielen Herausforderungen, vom Klimawandel bis zur Migration, von der Jugendarbeitslosigkeit bis zum Datenschutz. Zudem gibt es nationalistische Strömungen, die destabilisieren möchten. Die Wahl am 26. Mai wird für Europa richtungsweisend sein. Lesen Sie, warum Europa sich bei aller berechtigten Kritik auf jeden Fall lohnt und warum man am Sonntag wählen gehen sollte.

Die EU ist ein Erfolgsprojekt 

Nach zwei Weltkriegen im letzten Jahrhundert sichert das geeinte Europa seit Jahrzehnten den Frieden auf dem Kontinent. Daran sollten wir am 26. Mai zuerst denken, wenn Europa zur Wahl steht. Vom einstigen Wirtschaftsbund entwickelte sich die Europäische Gemeinschaft zu einer großen weltpolitischen Kraft als Gegengewicht zu anderen Großmächten. Gemeinsam wurden Umwälzungen friedlich gemeistert, so z. B. die Wiedervereinigung Deutschlands. Hohe Lebensmittelstandards, Förderprogramme für strukturschwache Regionen sowie das modernste Satellitensystem der Welt (Galileo) sind nur einige Errungenschaften der EU. Reisen ohne Grenzkontrollen, fast überall mit dem Euro bezahlen, im EU-Ausland arbeiten und studieren, Partnerschaften mit Gemeinden, Schulen und Vereinen, europaweit billig telefonieren: vieles ist heute so selbstverständlich, dass wir es gar nicht mehr als Erfolg der Staatengemeinschaft schätzen. Aber vieles würde uns fehlen, wenn wir es nicht mehr hätten. Das sagen auch Menschen aus dem Landkreis, die wir um eine Meinung zu Europa gebeten haben.


Gemeinsames Europa ist die Zukunft

Bernd Ullrich aus Kleinheubach ist Fotograf und Vorsitzender des Fotoclubs Miltenberg e. V.:„Europa steckt zur Zeit in einer nicht einfachen Lage und gerade deshalb, so glaube ich, haben viele Menschen es auch verstanden, dass die Europa-Wahl so wichtig für uns ist. England und sein Brexit, wer hätte sich das einmal gedacht. Europa braucht die Einigkeit, um sich gegen Weltmächte wie die USA, Rußland und China zu behaupten. Nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch als Macht des Friedens. Beispielgebend dafür gibt es schon lange die erfolgreiche Zusammenarbeit der Deutsch-Französischen Armee, die ihren Auftrag erfüllt. Die EU hat in letzter Zeit viele Dinge positiv umgesetzt, nehmen wir zum Beispiel nur die entfallenen Roaming-Gebühren, das war auch ein Verdienst der EU.
Auch als Fotograf stehe ich der EU sehr positiv gegenüber. Durch die Fédération Internationale de l‘Art Photographique (FIAP), eine weltweite Dachorganisation nationaler Fotoverbände aus derzeit 86 Mitgliedsländern, tauscht man sich schon lange erfolgreich aus. Ich wünsche mir für die Zukunft ein förderales und vor allem ein wirtschaftlich starkes Europa. Mein Stimme habe ich bereits mit der Briefwahl abgegeben“.


„Europa – Segen oder Fluch?“

Brigitte Hartung-Bretz aus Miltenberg ist Vorsitzende des Deutsch-Französischen Clubs in Miltenberg und organisierte jahrelang als Lehrerin den Schüleraustausch der Theresia-Gerhardinger-Realschule in Amorbach:„Was ist Europa? Eine Zweckgemeinschaft mit negativen Auswüchsen, einer massiven Regulierungswut und Bürokratie in EU-Gremien, die keiner mehr will? Gelegentlich scheinen diese Probleme zu dominieren und die Zerrissenheit Europas steht im Vordergrund. Aber gibt es nicht auch Dinge, die die europäische Idee lebens- und liebenswert machen? Denken wir an unsere gemeinsame Kultur, an grenzübergreifende Dinge wie Kunst, Literatur, Musik, Architektur und vor allem an die gewachsenen Beziehungen zwischen all den Europäern, die in den vergangenen Jahrhunderten erbitterte Feinde waren. Noch unsere Väter, Groß- und Urgroßväter zogen gegeneinander in den Krieg. Davon erzählen die vielen Soldatenfriedhöfe. Wir können uns das heute kaum noch vorstellen, aus den Feinden von damals sind inzwischen Freunde geworden, Grenzen existieren nicht mehr. Welch ein Glück! Um diesen Zustand zu erhalten sind Anstrengungen und sicherlich auch tiefgreifende Reformen notwendig. Packen wir es an, erhalten wir dieses geeinte Europa für die nachfolgenden Generationen.

Es braucht Menschen, die für ein gemeinsames Europa streiten!

Leo Bucher aus Bürgstadt schreibt für die Vorstandschaft der Kolpingsfamilie Bürgstadt: „Bei den Europawahlen 2019 steht nichts Geringeres auf dem Spiel als die Zukunft der christlich-europäischen Werte- und Solidargemeinschaft.
Schon der kath. Priester und Sozialreformer Adolph Kolping hat sich für die Bewahrung von Werten eingesetzt, die für ein gelingendes Leben grundlegend sind. Für das Kolpingwerk Deutschland und auch für die Kolpingsfamilien vor Ort ist und bleibt die Europäische Union Garant für Frieden, Stabilität und Wohlstand in Europa.
Das „Europäische Projekt“ sieht sich ständig neuen Herausforderungen gegenüber und droht an einzelnen Fragen immer wieder zu scheitern.
Deshalb braucht es Menschen, die für ein gemeinsames Europa streiten. Die Verantwortlichen sollen und müssen auch streiten, denn es gilt ein Europa zu bauen, das sich am Gemeinwohl orientiert und damit allen Menschen dient und das Prinzipien wie Personalität, Subsidiarität, Solidarität sowie Nachhaltigkeit beachtet. Es braucht Vertreterinnen und Vertreter, die den Menschen „reinen Wein einschenken“ und die daraufhin arbeiten, dass das Europäische Parlament in seinen Kompetenzen gestärkt und damit zum Zentrum der europäischen Demokratie wird, ohne dabei die Regierungsarbeit der nationalen Länder überflüssig zu machen. So könnte Europa gelingen!“


Plädoyer für Europa

Ralf Kern aus Freudenberg ist Mitglied im Deutsch-Französichen Club in Freudenberg:Der Deutsch-Französische Club ist bestrebt, die deutsch-französische Freundschaft zu pflegen und auf vielfältige Weise auszugestalten und damit auch einen Beitrag zur europäischen Einigung zu leisten. Gegenwärtig haben viele von uns das Gefühl, dass wir zusehen müssen, wie das große Einigungswerk verblasst und unter unseren Händen zu zerrinnen scheint. Wir nehmen dieses Gefühl zum Anlass, der gegenwärtig in vielen EU-Staaten zu beobachtenden Re-Nationalisierung und Autokratisierung und dem damit drohenden Auseinanderbrechen Europas etwas entgegen zu setzen und unsere Stimme zu erheben gegen die in vielen Ländern immer lauter werdenden anti-europäischen Bestrebungen. Unser Bekenntnis für Europa erwächst dabei keineswegs aus purem Idealismus oder visionärer Schwärmerei. Nein, es erwächst vielmehr aus vitalem Interesse unserer beiden Länder. Seit Victor Hugo, der schon Mitte des 19. Jahrhunderts die Vision der ,Vereinigten Staaten von Europa' formulierte, realistischer seit Jean Monnet, dem geistigen Vater des Schumannplans und der Montanunion, und schließlich, bis heute wirksam, seit de Gaulle und Adenauer mit dem großartigen Elyseé-Vertrag, sind Deutschland und Frankreich das Tandem der europäischen Einigung, die nicht nur unseren beiden Ländern über ein halbes Jahrhundert Frieden und ökonomische Wohlfahrt gebracht hat.
So geht unser Appell an die politische Klasse und an die Bürgerinnen und Bürger, alles zu tun, damit Europa gestärkt aus dieser Krise herauskommt. Es gilt, den Menschen das Vertrauen zu vermitteln, dass die globalen Probleme Klimawandel, Artenschwund, gerechte Globalisierung und Migration nur durch ein starkes Europa gelöst werden können und dass nur ein geeintes Europa sich gegenüber den anderen Weltmächten wird behaupten können. Das enorme Anwachsen auf (noch) 28 Mitgliedsstaaten rührt doch daher, dass die Beitrittsstaaten sich ökonomische Wohlfahrt, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, aber vor allem Freiheit erhofften. Wir dürfen Freizügigkeit, freien Handel und Wissenstransfer genießen, und dennoch gilt der Brüsseler Bürokratismus für viele als einziges vorzeigbares Ergebnis der Europapolitik.
Es muss alles getan werden, damit Vertrauen und Liebe zu Europa wieder gewonnen werden kann. Dazu gibt es in Politik und Zivilgesellschaft genügend Ideen, Konzepte und Vorschläge für eine gute Zukunft Europas. Die Vorstandschaft des DFC versteht sich als Teil einer pro-europäischen Zivilgesellschaft, die mit vielen Gleichgesinnten nicht tatenlos zusehen wollen, wie ,das größte Zivilisationsprojekt der letzten Jahrzehnte vor die Hunde geht' (Martin Schulz, ehemaliger Präsident des Europaparlaments). Kämpfen wir also gemeinsam und bauen darauf, dass die Politiker aller EU-Länder und die Entscheidungsträger in Brüssel den Bürgerinnen und Bürgern zuhören und ihre Anliegen und Sorgen berücksichtigen. Dazu brauchen wir ein handlungsfähiges Europaparlament, wir haben die Wahl! Jede Stimme für Europa zählt!“ 

Freiheit, Frieden und Wohlstand

Hermann Bürgin ist Diplombiologe und leitet das Roland-Eller-Umweltzentrum im Schullandheim Hobbach: „Europa ist für mich schon immer eine gute Idee gewesen. Als Jugendlicher war ich kreuz und quer mit Interrail unterwegs, meine Tochter konnte im Studium über Erasmus in Budapest europäische Erfahrungen machen und die Einführung des Euro hat vieles vereinfacht. Die Freiheit, der Frieden und der Wohlstand, in dem wir leben, verdanken wir der europäischen Idee und das sollte uns sehr viel wert sein. Wünschen würde ich mir, dass mehr über die sozialen und ökologischen Leistungen der EU gesprochen wird als über Krümmungsgrade von Bananen und Gurken. Mehr Transparenz und mehr demokratische Einwirkungsmöglichkeiten von uns Bürgern auf die europäischen Institutionen sind einzufordern, um nicht zuletzt den rechten Populisten Einhalt zu gebieten.“

„Ich mag Sprachen“

Deria Velioglou aus Erlenbach: „Ich komme aus Griechenland, wohne in Erlenbach und besuche die Barbarossa-Schule. In Europa gibt es zwischen 150 und 288 Sprachen. Vier davon spreche ich – mehr oder wenig gut: Griechisch, Türkisch, Bulgarisch und Deutsch. Das macht Spaß! In der Schule übersetze ich für meine Mitschüler, wenn die so Manches nicht verstehen. Übrigens: lch beherrsche auch drei Alphabete: griechisch, lateinisch und kyrillisch. Ob ich einmal Dolmetscherin werden will, fragt man mich des Öfteren. Nein – lieber Friseurin, da komme ich mit vielen Leuten zusammen und kann mich mit ihnen neben dem Haareschneiden sicherlich gut unterhalten – zum Beispiel über europäische Urlaubsländer!“

„Europa ist heute der friedlichste Kontinent!“

Dimitrina Zarkova aus Wörth: „Kunst, Musik und Deutsch sind meine Lieblingsfächer. Ich komme aus Bulgarien und besuche die Deutschklasse in Erlenbach am Main von Wörth aus meist zu Fuß. Unterwegs war ich schon in vielen europäischen Ländern mit dem Pkw oder Flugzeug. Was mir hier und in Europa besonders gefällt, sind die vielen freundlichen, hilfsbereiten Menschen, die unterschiedlichen Landschaften und dass wir hier auf dem friedlichsten Kontinent leben.“

Es konnten viele Freund­schaften geknüpft werden

Jörg Prockner aus Wörth engagiert sich im „Freundeskreis Honfleur“:„Ich bin ein Befürworter von EUROPA und der Europäischen Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft hat dafür gesorgt, dass wir in Europa eine bislang nicht da­gewesene Zeitspanne des Friedens erleben können. Nur die Bündelung gemeinsamer Interessen auf politischer und wirtschaftlicher Ebene werden den europäischen Staaten und ihren Bürgern in einer globalisierten Welt auch weiterhin einen gewissen Wohlstand und Frieden ermöglichen.
Dennoch sollte jeder Staat und jeder Bürger Europas auch seine kulturellen und gesellschaftlichen Besonderheiten behalten dürfen und kein von Brüssel erzwungener Einheitseuropäer entstehen. Denn diese Individualität ist doch das sprichwörtliche Salz in der Suppe.
Im Jahr 2004 reiste der Musikverein Wörth als erste Delegation nach Honfleur in die Normandie, um die vom Bezirk Unterfranken und dem Departement Calvados in die Wege geleitete Jumelage zu einer Städte­partnerschaft zu führen. Dass Musik verbindet, hat sich dabei bewahrheitet. Im Juni 2006 wurde die Partnerschaft zwischen Honfleur und Wörth zunächst in der französischen Partnerstadt und Ende April 2007 dann in Wörth besiegelt. Weitere Konzerte in Wörth und
Honfleur folgten.
Seit dieser Zeit finden im Jahreswechsel Reisen in die Partnerstädte mit Unterkunft in Gastfamilien statt. Viele Freundschaften konnten, trotz sprachlicher Hürden, in dieser Zeit geknüpft werden. Meine Frau und ich engagieren uns seit dieser Zeit im Wörther „Freundeskreis Honfleur“. Dieser organisiert alle Aktivitäten rund um die Partnerschaft.
Vom 30. Mai bis 2. Juni erwarten wir unsere französischen Freunde wieder in Wörth. Immer eine intensive und anstrengende, aber auch sehr schöne Zeit.
Besondere Erlebnisse in unserer Partnerstadt waren für mich die Teilnahme am Seemannsfest zu
Pfingsten mit Prozession zur Kapelle „Notre Dame de Grace“ einschließlich dem Gedenken der beiden Weltkriege, an der wir teilnehmen durften – sicherlich keine Selbst­verständlichkeit – sowie der Besuch der alliierten Landungsstrände in der Normandie und dem damit verbundenen Besuch von Kriegsgräbern.
Das Partnerschaftskomitee von Honfleur hatte im Rahmen einer Tombola vor einigen Jahren eine Reise nach Wörth verlost. Gewonnen hatten zwei ältere Damen jenseits der 80. Beide waren bis dahin noch niemals im Ausland gewesen. Ihre erste Reaktion lautete: ,Wir fahren zum Feind‘. Die Heimfahrt traten sie als Freunde an. Was kann es Schöneres geben?“

Autor:

Sabine Rindsfüsser aus Miltenberg

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