Biotopkartierung im Landkreis hat begonnen - Abschluss der Arbeiten im Oktober 2022
Was wir kennen, können wir schützen

Wie bereits in der Frühjahrsausgabe von Blickpunkt MIL angekündigt, hat die Biotopkartierung im Juni 2020 im Landkreis Miltenberg begonnen.

Sämtliche Gemeinden im Landkreis, die lokalen Behörden, die Interessenverbände der Grundeigentümer und Bewirtschafter sowie die Naturschutzverbände erhielten ein Informationsschreiben vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU). Die Biotopkartierung hätte schon im letzten Jahr starten sollen, wurde aber durch die Änderung des Bayerischen Naturschutzgesetzes aufgrund des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ im April 2019 gestoppt.

So musste die Biotop-Kartieranleitung um die neuen, gesetzlich geschützten Biotope erweitert werden. Dies sind im Landkreis artenreiche Flachland-Mähwiesen des Fauna-Flora-Habitat-Lebensraumtyps 6510 und extensiv genutzte Obstbaumwiesen oder -weiden. Letztere müssen hochstämmige Obstbäume mit einem überwiegenden Stammdurchmesser (gemessen in einem Meter über dem Boden) von mindestens 50 Zentimeter und eine Flächengröße von mindestens 2.500 Quadratmetern haben. Hochstämmig sind Baumbestände, bei denen mindestens 75 Prozent des Bestandes ihren Kronenansatz in mindestens 180 Zentimeter Höhe über dem Boden haben.

Extensiv genutzt im Sinne des Artikels 23 Absatz 1 Nr. 6 Bayerisches Naturschutzgesetz sind Obstbaumwiesen oder -weiden mit einer Dichte von nicht mehr als 100 Bäumen pro Hektar, einem Baumabstand von grundsätzlich nicht weniger als 10 Metern und nicht mehr als 20 Metern sowie einem fortgeschrittenen Bestandsalter, damit von einem biotoptypischen Artenreichtum ausgegangen werden kann. Obstbaumwiesen oder -weiden mit weniger als 50 Meter Entfernung von Wohn- oder Hofgebäuden fallen nicht unter den gesetzlichen Biotopschutz. Eine Nutzung der Obstbaumwiesen oder -weiden ist zulässig und sogar ausdrücklich gewünscht.

Am 25. Juni 2020 fand ein Kennenlerntermin der unteren Naturschutzbehörde (UNB), dem Lanschaftspflegeverband Miltenberg mit dem LfU und dem Kartierteam, bestehend aus sechs Kartierer*innen, in Faulbach statt. Es galt sich hier abzustimmen, um eine einheitliche Vorgehensweise aller Kartierer festzulegen. Wichtig war auch der persönliche Kontakt aller Beteiligten.
Grundlage für die Kartierarbeit ist laut Michael Stellmach (LfU) die Kartieranleitung Biotopkartierung Teil 1 - Arbeitsmethodik und Teil 2 - Biotoptypen. In Teil 1 sind die Organisation der Biotopkartierung, die Aufgaben des Kartierers, die Erfassung der Biotope, die digitale Aufbereitung der Daten sowie die Abnahme der Daten durch das LfU festgelegt.In Teil 2 sind die zu kartierenden Biotoptypen beschrieben, einschließlich der vorkommenden Pflanzenarten.

Vor Ort galt es, unter anderem strittige Fragen zur Abgrenzung der einzelnen Biotope zu klären.
Wichtig ist, einen gleichen Wissensstand zu haben. Vor Ort wurden auch schon einige seltene Pflanzen- und Tierarten wie die Strand-Grasnelke (siehe Foto), die Karthäusernelke oder das Schachbrett (Schmetterling, siehe Foto) festgestellt. Abschließend wurden regelmäßige Treffen der Kartierer*
innen und der UNB vereinbart, um über den Fortschritt der Arbeiten zu informieren. Der Abschluss der Kartierarbeiten im Gelände ist für den Oktober 2022 vorgesehen. Danach erfolgt die Abnahme sämtlicher Kartierergebnisse bis zum Juli 2023 durch das LfU und die anschließende Information der Öffentlichkeit, sowie die Veröffentlichung im Internet (vermutlich im August 2023).

Im Zuge der Vorstellung des neuen Geschäftsführers des Bauernverbands der Geschäftsstelle Aschaffenburg-Karlstadt, Elmar Konrad, bei Landrat Jens Marco Scherf, informierte die untere Naturschutzbehörde am Landratsam über den Start der Biotopkartierung. Demnach ist geplant, alle Grundstückseigentümer über neu erfasste Biotope auf ihren Flächen schriftlich zu informieren. Möglich ist auch die Förderung kartierter Flächen (etwa kartierte Wiesen) nach dem Vertragsnaturschutzprogramm.
Auch der Naturschutzbeirat am Landratsamt bat darum, über die Biotopkartierung informiert zu werden. An dessen Sitzungstermin am 5. Oktober 2020 stellte Jürgen Faust vom beauftragen Kartierteam die Vorgehensweise im Gelände vor. Er ging auf die unterschiedlichen Biotoptypen mit ihren Besonderheiten ein und beantwortete Fragen der Beiratsmitglieder.

Autor:

Blickpunkt MIL aus Miltenberg

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