„Faules Ei“ im Osternest der Vereine und Kommunen

Ein "tolles" Osterei des Landkreises für die Kommunen und Vereine - zwar nicht so bunt aber dafür teuer.
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Wo: Landratsamt, Brückenstraße 2, 63897 Miltenberg auf Karte anzeigen

Rechtzeitig zu Ostern wurde den Kommunen und Vereinen im Landkreis Miltenberg ein sprichwörtlich „Faules Ei“ ins Osternest gelegt. Im Auftrag der Landkreisverwaltung wurden diese „Eier“ verteilt. Es handelt sich um Mülltonnen, die an viele Gebäude im Kreis verteilt wurden, die bis jetzt keine Mülltonnen hatten und auch keine benötigen. So erhielten u. a. auch die Dorfgemeinschaftshäuser der Stadt Miltenberg Mülltonen (je 120 l Rest- und Biomüll und 240 l Papiermüll) vor die Haustüre gestellt.

Welcher Müll soll in diese Tonnen?

In der Regel wird das Dorfgemeinschaftshaus Wenschdorf (wie auch die anderen Dorfgemeinschaftshäuser, Vereinsheime und ähnliche Gebäude) regelmäßig von den örtlichen Vereinen für Übungsstunden, Versammlungen und Besprechungen genutzt. Wenn überhaupt, fallen hier einige Papierhandtücher bei der Toilettennutzung an. Auch bei Vereins- und Privatveranstaltungen fällt kaum Müll an: Die Nutzung von Einweggeschirr ist untersagt und daher finden sich überall Geschirr und Spülmaschinen. Getränke gibt es aus Mehrweggebinden und Speisen werden meist von einem Cateringservice in wiederverwendbaren Behältern bezogen. Die Kleinstmenge an Müll (Servietten, Papierhandtücher) wird in Wenschdorf von dem Nutzer mitgenommen und einer ordentlichen Entsorgung zugeführt. Dies funktioniert bei uns in Wenschdorf und vielen anderen Gemeinden seit Jahrzehnten einwandfrei ohne jegliche Belastung für die Umwelt.

Würdigung des ehrenamtlichen Bürgerengagements?

In vielen Orten des Landkreises engagieren sich Bürger ehrenamtlich, um Vereinsheime und Dorfgemeinschaftshäuser zu bauen bzw. vorhandene zu erhalten und zu renovieren. Oftmals sind es die einzigen Versammlungsmöglichkeiten in den Dörfern und somit für das Gemeinschaftsleben der Bürgerschaft außerordentlich wichtig. Jeder weiß, wie schwierig es ist, die trotz des ehrenamtlichen Bürgereinsatzes notwendigen finanziellen Mittel für den Bau und Unterhalt dieser Einrichtungen zu generieren. Mit der zwanghaften Zuweisung der Mülltonnen werden den Kommunen und Vereinen jetzt ohne Not Kosten aufgebürdet, die der eigentlichen Vereins- und Jugendarbeit fehlen werden.

Begründung und Sinn dieser zwangsweisen Zuweisung von Mülltonnen?

Aus der Abfallwirtschaftssatzung (aktuelle im Internet veröffentlichte Rechtsvorschrift in der Fassung vom 16.12.13) des Landkreises lässt sich diese Zwangszuteilung der Mülltonnen nicht begründen. Hier ein Auszug aus § 6 Anschluss- und überlassungszwang: „Die Grundstückseigentümer im Kreisgebiet sind verpflichtet, ihre Grundstücke an die öffentliche Abfallentsorgung des Landkreises anzuschließen Ausgenommen sind die nicht zu Wohn-, gewerblichen und freiberuflichen Zwecken nutzbaren bzw. für eine solche Nutzung nicht vorgesehenen Grundstücke, auf denen Abfälle, für die nach Absätzen 2 und 3 ein Überlassungszwang besteht, nicht oder nur ausnahmsweise anfallen.
Auch unter ökologischen Betrachtungen macht es keinen Sinn. Vielmehr verschwendet diese Zwangsmaßnahme unnötig Ressourcen und steht damit im Widerspruch zu der erstrebten und immer wieder propagierten Nachhaltigkeit!

Verständnis der Bevölkerung für diese Zwangszuweisung von Mülltonnen?

Unter den oben beschriebenen Gesichtspunkten haben die Bürger kein Verständnis für diese Maßnahme und sie wird Ihnen auch nicht im Nachhinein zu vermitteln sein. Vielmehr fördert diese Vorgehensweise die landläufig vorherrschenden Meinungen über „Geldmacherei“ und „Beschäftigungsmaßnahmen“.
Zweifelsohne steht diese Maßnahme auch im direkten Gegensatz zu dem gerne propagierten Schlagwort „Stärkung des Ehrenamtes“. Auch solche Entscheidungen führen dazu, dass sich immer weniger ehrenamtlich engagieren oder Verantwortung übernehmen wollen. Da hilft auch keine Koordinierungsstelle „Bürgerschaftliches Engagement“ oder eine „Ehrenamtskarte“ denn faktisch fehlt den Vereinen vor Ort das mühsam erwirtschaftete Geld in der Kasse.

Bitte an alle kommunalen Mandatsträgerinnen und –träger in den Gemeinde- und Stadträten sowie im Kreistag Miltenberg:

Bitte sorgen Sie durch Ihre Unterstützung bzw. Ihren Beschluss dafür, dass diese nicht nachvollziehbare Maßnahme der Zwangszuweisung von Mülltonnen an Dorfgemeinschaftshäuser, Vereinsheime und ähnliche Objekt zurückgenommen wird.

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