Normaler Wahnsinn im Schülerleben - So klappt Schülerbeförderung

Mit der Aktion „Sicher zur Schule – sicher nach Hause“ werden schon die Schulanfänger (hier bei der diesjährigen Eröffnungsveranstaltung in Bürgstadt) für einen sicheren Schulweg fit gemacht.
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  • Mit der Aktion „Sicher zur Schule – sicher nach Hause“ werden schon die Schulanfänger (hier bei der diesjährigen Eröffnungsveranstaltung in Bürgstadt) für einen sicheren Schulweg fit gemacht.
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Mit Rücksichtnahme, dem Einhalten von Regeln und gutem Willen stellt Schülerbeförderung für alle Seiten kein Problem dar. Die Einrichtung eines runden Tisches hat im nördlichen Landkreis die Schülerbeförderung wesentlich erleichtert.

Der erste Schultag ist geschafft! Viele Kinder waren schon ganz aufgeregt und fieberten dem Tag entgegen. Für Luana und Maren war es ein schöner Tag. Doch Luana und Maren sind keine Erstklässlerinnen. Sie kamen bereits in die fünfte Klasse. Und das, was für sie ab sofort völlig neu ist, ist neben der neuen Schule der Schulweg.

Mit dem Bus zur Schule

Die Fünftklässler haben zu Beginn des neuen Schuljahres die Schule gewechselt. Oft ist die Schule, die sie ab sofort besuchen, nicht mehr im Heimatort, sondern nur noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus oder Bahn zu erreichen. War der Schulweg zur Grundschule in fast allen Fällen ein Weg, den die Kinder allein oder mit Freunden zu Fuß zurückgelegt haben, so kommt jetzt etwas ganz Neues auf sie zu. Sie müssen sich beim Fahren mit Bus und Bahn an Fahrzeiten halten, Regeln beachten und mit vielen anderen Schülern auf dem Weg zur Schule klarkommen.

Heikles Thema Schülerbeförderung

Die Schülerbeförderung ist ein Thema, über das schon seit vielen Jahren immer wieder rege diskutiert wird – in den Familien, den Schulen, der Politik. Die Szenarien sind immer die gleichen: Busse oder Züge fahren zu spät oder auch gar nicht, sind überfüllt und manches Mal bleiben Kinder stehen. Es wird gedrängelt und geschubst was das Zeug hält, weil jeder der erste sein möchte. Leider allzu oft ist der Schulrucksack dabei das geeignete Mittel zum Zweck. Regeln einhalten? – Fehlanzeige! Anweisungen befolgen? – Leider nicht selbstverständlich! Rücksicht nehmen? – Warum ausgerechnet ich?

Training in den Grundschulen

Schon einiges hat sich im Bereich Schultransport getan. Das fängt oft schon in den Grundschulen an, wo die Kinder in der Regel den Schulweg noch zu Fuß zurücklegen und auf keine Transportmittel angewiesen sind. Viele Grundschuldirektoren wissen allerdings, dass spätestens ab der fünften Klasse für ihre Schützlinge das Thema Bus- oder Zugfahren beim Schulweg eine große Rolle spielt. Daher sind sie bemüht, die Schülerinnen und Schüler schon frühzeitig darauf vorzubereiten. In einigen Grundschulen gibt es dazu Kooperationen mit Busunternehmen. So kommt dann ein großer Schulbus zur Grundschule gefahren und die Kinder erhalten aus erster Hand Informationen, worauf sie beim Einsteigen achten müssen, wie sie sich richtig im Bus verhalten oder was an der Haltestelle tunlichst vermieden werden soll. Auch ein Blick in den Busspiegel, um einen Eindruck vom toten Winkel zu bekommen, kann für Schüler sehr hilfreich sein, um später nicht noch schnell über die Straße zu rennen oder zu nah an der Bordsteinkante zu stehen.

Alle ziehen gemeinsam an einem Strang

Die Elternbeiräte der vier nördlichen weiterführenden Schulen im Kreis (Hermann-Staudinger-Gymnasium Erlenbach (HSG), Julius-Echter-Gymnasium (JEG) und Staatliche Realschule (RSE) in Elsenfeld sowie Main-Limes-Realschule (MLR) in Obernburg) haben gemeinsam mit den Busbeauftragten der Schulen vor wenigen Jahren einen runden Tisch initiiert, der bereits umfangreiche Verbesserungen und Optimierungen im Schultransport ermöglicht hat. An diesem runden Tisch nahmen neben Vertretern der Elternbeiräte der Nahverkehrsbeauftragte der Region Karl-Heinz Betz, Vertreter der Verkehrsgesellschaft mbH Untermain (VU), ein Vertreter der Busunternehmer, ein Vertreter der Schulleitungen, die Schülersprecher und auch ein Vertreter der Polizeiinspektion Obernburg teil.

Noch viel zu tun

Dennoch bleibt das Thema Schülerbeförderung, gerade jetzt zum Schulanfang, immer aktuell. So kann es beim Einstieg in den Bus beispielsweise schon einmal zu Blessuren wie Schrammen oder Blutergüssen kommen, weil Schülerinnen und Schüler von hinten in den Bus drängeln. „Beim Einstieg in den Bus beispielsweise kommt es des Öfteren zu Blessuren, weil von hinten gedrängelt wird“, berichtet Tim Tú Schnabel, bis zum Ende des letzten Schuljahres Schülersprecher des Julius-Echter-Gymnasiums Elsenfeld und selbst Fahrschüler. „Auch Stürze während der Fahrt sind keine Seltenheit. Das liegt aber weniger an der Fahrweise der Busfahrer, sondern am Verhalten der Schülerinnen oder Schüler, die das Smartphone in der Hand der Haltestange vorziehen.“ Oft drängelt auch Alt und Jung gleichermaßen, wobei die Großen nicht immer die schlimmsten sind, hat Tim Tú Schnabel schon selbst beobachtet.

Verhalten meist in Ordnung

Ralf Arnold, Rektor der Parzival-Mittelschule in Amorbach, hat das Treiben an der Bushaltestelle direkt vor der Schule gut im Auge. „Meist ist das Verhalten an der Bushaltestelle, die für unsere Schülerinnen und Schüler sowie diejenigen der Theresia-Gerhardinger-Realschule und des Karl-Ernst-Gymnasiums die zentrale Anlaufstelle ist, in Ordnung. Ausnahmefälle treten zwar immer wieder auf, sind aber nicht der Standard. Das Hauptproblem liegt meines Erachtens in den Zeiten am Morgen und am Mittag, wenn die Schulbusse und Privat-PKWs von Eltern, die ihre Kinder zur Schule fahren, aufeinander treffen.“
Susanne Staub, Konrektorin der Main-Limes-Realschule in Obernburg, ist froh, dass noch nichts Ernsthaftes auf dem Schulweg passiert ist. „Unsere Schule liegt in einem Wohngebiet, mehrere Haltestellen sind in nächster Nähe verteilt und den Kindern auch bekannt. Ich habe den Eindruck, dass unsere Schülerinnen und Schüler relativ vernünftig sind.“

Schüler/-innen vorbereiten hilft

„Wir haben Tutoren für unsere Fünftklässler im Einsatz“, führt Konrektorin Staub weiter aus. „Diese begleiten die neuen Schülerinnen und Schüler eine Woche lang, bringen diese zu den Haltestellen, wo sie ihnen alles Wesentliche zeigen, und erklären zum Beispiel das Einsteigen oder das Verstauen der Schultaschen.“ Auch in Tim Tú Schnabels Schule sind Tutoren alltäglich. „Zusätzlich appellieren wir an die Vernunft der Schülerinnen und Schüler, dass sie ein angemessenes und solidarisches Verhalten an den Tag legen.“

Thema im Unterricht

„Wir sensibilisieren unsere Kinder“, ergänzt Rektor Ralf Arnold. „Dazu thematisieren wir im Lehrerkollegium die Verhaltensregeln an der Bushaltestelle immer wieder im Unterricht und sprechen mit den Kindern darüber. Wir haben auch eine Busordnung, die allen Schülerinnen und Schülern in schriftlicher Form ausgehändigt wird. Die Polizei bildet jährlich neue Schülerlotsen aus. Wir haben als Ergänzung dazu Busaufsichten eingeteilt. Dies sind in der Regel unser Absolvent eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) an der Schule und eine Reinigungskraft.“

An Eltern appellieren

„Ganz wichtig ist es, dass die Eltern in das Thema Schultransport einbezogen werden“, heben Susanne Arnold und Rektor Ralf Arnold abschließend hervor. Ralf Arnold: „Wir wünschen uns von Seiten der Eltern, dass sie sich umsichtig verhalten, für ihre Kinder Vorbild sind und sie unterstützen.“ Susanne Staub: „Wir wünschen uns von Seiten der Eltern, dass sie mit ihren Kindern Bus fahren, um den Schulweg zu üben und den Kindern zu vertrauen.“ Beide sagen überstimmend: „Unser Appell richtet sich vor allem auch an die Erziehungsberechtigten, die Kinder nicht mit dem PKW direkt bis vor die Schule zu fahren oder sie dort abzuholen. So kann es nämlich zu gefährlichen Situationen im starken Verkehr an der Bushaltestelle morgens und mittags kommen. Ein wenig abseits auf Parkplätzen in der Nähe der Schule halten, die Kinder in Ruhe aussteigen und sie die letzten Meter zur Schule laufen lassen, das hat sicher noch keinem Kind geschadet und erhöht die Sicherheit für alle.“ Und Susanne Staub fügt hinzu: „Sollte es doch einmal zu Problemen beim Transport kommen, dann gibt es auf unserer Homepage ein Busbeschwerdeformular, sodass man sich direkt melden kann.“

Gemeinsam für die Sicherheit der Kinder

Im vertrauensvollen Umgang miteinander kann es gelingen, die Sicherheit unserer Kinder auf ihrem Weg zur Schule zu erhöhen und auf Dauer zu gewährleisten.

Fünf Empfehlungen für richtiges Verhalten im Bus- und Zugverkehr:

- Rücksicht und ordentliches Benehmen an den Haltestellen und in den Verkehrsmitteln
- Fahrkarten stets mitführen und unaufgefordert vorzeigen
- Aufstellen an den Haltestellen und Einsteigen ohne zu drängeln
- Sitzplätze im Bus oder Zug zügig einnehmen, kein „frei halten“
- Schultaschen für den Transport im Bus oder Zug vor dem Einsteigen abnehmen und anschließend am Boden lagern. Dies verringert Verletzungsgefahren!

Lesen Sie auch folgenden Beitrag unter www.meine-news.de

Einige Stimmen zum Thema:

Luana und Wolfgang Wörner, Kirchzell:
Luana Wörner: „Ich freue mich schon auf meine neue Schule, die in Amorbach ist. Wir wohnen in Kirchzell und so bin ich bisher zur Schule gelaufen. Jetzt werde ich mit dem Bus fahren, so wie meine ältere Schwester auch. Wie man sich beim Busfahren richtig verhält, haben wir schon in der Grundschule mit unserer Klassenlehrerin Frau Seebauer besprochen. So haben wir zum Beispiel gelernt, dass man nicht drängelt, sich nicht so nah an den Straßenrand stellt und vor allem, dass man andere Kinder nicht schubst. Ich denke, das Gelernte wird mir helfen, mich beim Busfahren zurechtzufinden. Ich bin schon ein wenig aufgeregt, wie das dann alles abläuft.“
Wolfgang Wörner: „Für uns als Eltern stellt sich das Fahren mit dem Bus zur Schule grundsätzlich unproblematisch dar. Luana´s ältere Schwester benutzt die gleiche Busverbindung zum Schulzentrum nach Amorbach, sodass wir sicher sind, dass auch Luana damit zurechtkommen wird. Wir vertrauen ihr. Wir haben mit ihr die Bushaltestelle in Amorbach angeschaut, die Bushaltestelle in Kirchzell kennt sie bereits. Bei dieser Gelegenheit haben wir mit ihr das Verhalten im Bus und beim Warten besprochen. Da ich beruflich in Miltenberg bin, wird es ab und zu auch vorkommen, dass ich meine Töchter morgens zur Schule mitnehme. Dann lasse ich sie an einer sicheren Stelle in einiger Entfernung zur Schule aussteigen, sodass sie noch ein paar Meter laufen müssen. Ich halte nichts davon, Kinder bis direkt vor das Schulhaustor zu fahren. Die Busverbindungen von und nach Kirchzell halte ich für ausreichend. Am Nachmittag kommt es schon einmal zu Wartezeiten, das müssen die Kinder in Kauf nehmen. Aber es hält sich Gottlob! in Grenzen.“

Ralf Arnold, Rektor Parzival-Mittelschule, Amorbach: „Wir bei uns im Lehrerkollegium der Parzival-Mittelschule thematisieren die Verhaltensregeln an der Bushaltestelle, die ja direkt vor unserer Schule liegt, immer wieder im Unterricht. Dazu haben wir auch eine Busordnung, die allen Schülerinnen und Schülern in schriftlicher Form ausgehändigt wird. Die Polizei bildet jährlich neue Schülerlotsen aus. Wir haben als Ergänzung Busaufsichten eingeteilt. Dies sind in der Regel unser Absolvent eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) an der Schule und eine Reinigungskraft. Von Seiten der Eltern wünschen wir uns, dass sie sich umsichtig verhalten. Unser Appell richtet sich vor allem daran, die Kinder nicht direkt bis vor die Schule zu fahren.“

Maren und Manuela Kaufmann, Mömlingen:
Maren Kaufmann: „Wir wohnen in Mömlingen. Daher konnte ich bisher zur Schule laufen. Jetzt komme ich in die fünfte Klasse und wechsle auf eine weiterführende Schule in Erlenbach. Dadurch werde ich jetzt fahren und zwar mit einem Bus direkt von Mömlingen bis nach Erlenbach. In der Schule haben wir darüber schon viel gelernt. Mit einem Busfahrer und seinem Bus haben wir ein Verkehrstraining durchgeführt und dabei auch den toten Winkel kennengelernt. Wir durften uns dazu nacheinander auf den Fahrersitz setzen. So konnte ich dann im Rückspiegel meine Klassenkameraden nicht mehr sehen, denn sie standen im toten Winkel. Ich weiß jetzt viel besser, worauf ich beim Busfahren achten muss.“
Manuela Kaufmann: „Das Busfahren zur Schule wird im neuen Schuljahr eine neue Erfahrung für Maren und auch für uns Eltern sein. Wir haben gemeinsam mit Maren den neuen Schulweg geübt. Dazu sind wir in den Ferien mal mit dem Bus nach Erlenbach gefahren. Natürlich war die Situation eine andere, denn der Bus war nicht so voll wie zur Schulzeit. Da wir aber in Mömlingen eine der ersten Einstiegsstellen sind, denke ich, dass zumindest der Bus noch nicht so voll ist, wenn Maren einsteigt. Mit dem Verkehrstraining der Hans-Memling-Grundschule ist Maren auch gut vorbereitet. Mir als Mutter bleibt natürlich die Angst, aber ich kann mich auf meine Tochter verlassen. Maren kriegt das hin!“

Tim Tú Schnabel, Schülersprecher a. D. Julius-Echter-Gymnasium Elsenfeld, Großwallstadt: „Ich selbst bin auch Fahrschüler und kann daher die Schilderungen meiner Mitschüler/-innen gut nachvollziehen. Ich kenne einen Busunternehmer und seine Fahrer sehr gut und weiß sowohl aus deren Schilderungen als auch aus persönlichen Erfahrungen, wie mühsam der Umgang mit uns Schüler/-innen manchmal sein kann. Nicht selten helfe ich beim Einsteigen auch mal mit. Es sollte uns Schülern klar sein, dass kleine Verhaltensänderungen, wie das selbstständige Absetzen der Tasche oder das Abnehmen der Kopfhörer zur Verbesserung der unnötig komplizierten Bussituation beitragen können. So liegt die Enge meist an den Schülerinnen und Schülern, die einen eigenen Platz für die Tasche brauchen oder neben ihrer Freundin stehen bleiben wollen. Dass die unter Zeitdruck stehenden Busfahrer auch mal etwas „lauter“ werden, ist in meinen Augen verständlich und teils auch nötig, wenn man die Respektlosigkeiten mancher unserer Schüler/-innen sieht.“

Autor:

Andrea Kaller-Fichtmüller aus Miltenberg

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