Einsatz für den Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft

Durchgeführte Freistellungsarbeiten und Baumschnittmaßnahmen im Projektgebiet „Orchideenreiche Magerwiesen Miltenberg-Breitendiel“
Der Landschaftspflegeverband im Landkreis Miltenberg hat im vergangenen Jahr viel geleistet, aber auch in den kommenden Jahren geht ihm die Arbeit nicht aus. Bei der Mitgliederversammlung am Donnerstag, 17. Mai 2018 wurde deutlich, wie sich der Verband mit Hilfe mehrerer Landwirte für den Erhalt einer vielfältigen und artenreichen Natur- und Kulturlandschaft einsetzt.

„Wir sind sehr froh, dass wir auf diese Weise etwas für den Natur- und Artenschutz tun“, stellte Landrat Jens Marco Scherf die große Bedeutung des Verbands heraus, in dem alle Interessensgruppen aus Naturschutz, Landwirtschaft und Kommunalpolitik einen guten Austausch pflegen und gemeinsame Projekte umsetzen. Es ist in der Tat bemerkenswert, was der Verband im vergangenen Jahr geleistet hat. Stellvertretender Vorsitzender Steffen Scharrer ging in seinem Rückblick unter anderem auf die Arbeiten zum Erhalt der Terrassensteillagen in Erlenbach und Klingenberg ein, mit denen die dort charakteristische Tier- und Pflanzenwelt bewahrt werden soll. Der Erhalt der für den Untermain so bedeutenden Streuobstwiesen sei essenziell für die Kulturlandschaft, stellte Scharrer fest und wies darauf hin, dass der Verband im Lebensraum des Steinkauzes im vergangenen Jahr 86 Bäume gepflanzt habe. Die von Josef Weimer gehaltenen Obstbaumkurse, mit denen man beispielsweise eine Ausbildung zum zertifizierten Landschaftsobstbaumpfleger absolvieren kann, habe man auch für Bauhofmitarbeiter angeboten. Durch mehrere Exkursionen – beispielsweise zu den Orchideenwiesen – habe der Verband die Öffentlichkeit informiert.



Kerstin Maier, beim Landschaftspflegeverband angestellt, stellte die Obstbaumpflanzakti-on vor, die seit Jahren angeboten wird. Wenn Interessenten die Kriterien des Förderkata-logs erfüllen, können Baumpflanzungen bis zu 70 Prozent gefördert werden, sagte sie. Dann koste ein Baum zwischen elf und zwölf Euro, rechnete sie vor. Die Eigentümer, die einen Baum pflanzen möchten, müssten sich aber auch um die gepflanzten Bäume kümmern, stellte sie klar. Im Jahr 2018 wolle man bis zu 200 Pflanzungen fördern. Auch sie ging auf die Obstbaumschnittkurse ein, die sehr gut nachgefragt würden. In diesem Jahr habe man zudem einen Heckenschnittkurs für Bauhofmitarbeiter in Elsenfeld angeboten.

Dass der Verband mit den Ersatzgeldern aus der Windkraft bereits viel Gutes getan hat und in Zukunft noch tun wird, erläuterte Maier am Beispiel einiger Projekte wie „Orchideenreiche Magerwiesen in Miltenberg-Breitendiel“. In dem 26 Hektar großen Ge-biet hat der Verband mittlerweile auf fast 13 Hektar direkten Zugriff – entweder auf ange-kaufte oder gepachtete Flächen. Zusätzlich mit den Pachtflächen des Landwirtes, der die Projektflächen mit Rindern beweidet, werden sogar fast drei Viertel des Projektgebietes so bewirtschaftet, dass der Artenschutz gewährleistet ist. Sie zeigte unter anderem, wie schwierig es war, große Bereiche des Areals vom überwuchernden Brombeer- und Gehölzbewuchs zu befreien. Auch habe man viele völlig zugewachsene Streuobstbäume freigestellt. Ähnliches passiere beim Projekt „Artenreiche Kulturlandschaft um Mömlingen“, wo man in den Teilgebieten Holzberg, Keil, Kühzähl und Dicknetsrain Pflegemaßnahmen durchführen möchte. Der Verband habe zudem im Rahmen von Artenschutzmaßnahmen für den Biber überschwemmte Grundstücke im Faulbachtal erworben um Konflikte zwischen Mensch und Tier zu vermeiden. „Hier darf der Biber die Landschaft frei gestalten“, ergänzte Siegmar Hartlaub, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands.

In seinem Rückblick erwähnte er, dass man in den vergangenen Jahren über acht Hektar in den Weinbergen Erlenbach freigestellt habe. Wichtig sei es, die Winzer bei der Stange zu halten, damit sie die Weinberge bewirtschaften. In Erlenbach sei man auf einem guten Weg, was die herbizidfreie Bewirtschaftung angeht, freute er sich. Auch in Mömlingen sei man tätig gewesen, ebenso am Plattenberg in Kleinwallstadt. Dazu seien 18 Kleinstmaßnahmen gekommen – unter anderem Neophytenbekämpfung und Amphibienschutzmaßnahmen. Hartlaub legte eine lange Liste von Pflegemaßnahmen vor, die der Verband in diesem und nächsten Jahr ins Visier nimmt. Dazu zählen etwa Pflegemaßnahmen im Eutergrund bei Bullau, am Grohberg in Faulbach sowie in den Weinbergen Erlenbach und Klingenberg, dazu kommen Projekte im Rahmen des BayernNetzNatur im Südspessart, in den Kiesgruben Niedernberg, Großwallstadt und Erlenbach, an den Orchideenstandorten am Plattenberg, in Mömlingen sowie den alten Weinbergslagen in Weilbach, Miltenberg und Eichenbühl. In Großheubach sind Artenhilfsmaßnahmen geplant, auch das Artenhilfsprojekt Steinkauz solle weitergeführt werden.

Kassenwart Edwin Lieb berichtete über die Einnahmen und Ausgaben des Verbandes im Jahr 2017. „Wir sind gut aufgestellt, da viele Maßnahmen von staatlicher Seite gut gefördert werden“, fasste Lieb zusammen. Zudem bat er die Bürgermeister, auf ihren kommunalen Internetseiten auf die Internetseite des Landschaftspflegeverbands www.lpv-miltenberg.de zu verweisen. Rudi Schreck und Hermann Spinnler hatten die Kasse geprüft und dem Kassenwart ordnungsgemäße Kassenführung bestätigt, so dass die Entlastung erteilt wurde. Schreck und Spinnler sollen auch weiterhin die Kasse prüfen, so der einstimmige Beschluss der Mitglieder.

Mit großem Interesse nahmen die Mitglieder einen Kurzvortrag von Josef Weimer über Obstbaumpflanzung und fachgerechte Pflege zur Kenntnis. Der Fachmann zeigte, wie man junge Bäume pflanzt, sie richtig aufzieht und später korrekt schneidet. Zur Sprache kam auch die Tatsache, dass die Mistel ein großes Problem im Obstbau ist. Diese Pflanze kann ganze Bestände dauerhaft schädigen und dazu führen, dass Bäume absterben. Das Problem habe sich verschärft, da ein Großteil der Obstbäume nicht mehr richtig gepflegt wird, so Weimer. Falls Obstbäume auch im Winter komplett grün sind, müsse meistens der ganze Baum gefällt werden, sagte er. Je jünger der Baum ist, desto weniger müsse man bei Mistelbefall wegschneiden, so Weimer. „Wir müssen die Mistel viel stärker in den Blickpunkt nehmen“, plädierte der Baumfachmann.
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