Nahrungsquellen für Insekten schaffen

Die bunten Mischungen der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LGW) Veitshöchheim – hier der „Veitshöchheimer Farbenmix“ – sind nicht nur eine Augen-, sondern auch eine Nahrungsweide für Insekten aller Art. (Foto: Angelika Eppel-Hotz (LWG))
Wie kann man innerhalb von Gemeinden bunte Ecken schaffen, die auch attraktiv für Insekten sind? Antworten auf diese Frage gab am Mittwoch im Landratsamt die Biologin Angelika Eppel-Hotz, die vor vollen Reihen auf Initiative des Kreisfachberaters für Gartenbau und Landschaftspflege, Roman Kempf, referierte. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bauhöfen im Landkreis nahmen viele Ideen mit nach Hause.

In Städten und Gemeinden gibt es häufig Flächen, die begrünt werden müssen. Was läge da näher, als nicht nur farbenfrohe Pflanzen einzusäen, sondern auch artenreiche Gewächse, die Insekten anziehen. Landrat Jens Marco Scherf wies zu Beginn der Weiterbildung auf das Insektensterben hin. Er sah hier Handlungsbedarf – auch in Kommunen sowie bei Straßenbauämtern. Dabei dürfe man nicht nur die Biene sehen, sondern auch die vielen anderen Insekten, die die Natur bereichern. „Jeder Garten, jede Grünfläche, jedes Straßenbegleitgrün bietet Möglichkeiten, solche Flächen in artenreiche Blühflächen umzuwandeln“, so Scherf überzeugt.

Dass dies tatsächlich möglich ist, belegte die Biologin Angelika Eppel-Hotz, die an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim arbeitet. Sie lenkte den Blick auf zahlreiche von der Gartenanstalt entwickelte Mischungen. So könne man etwa für vorübergehend zu begrünende Flächen über die Ansaat einjähriger Pflanzen nachdenken, sagte sie und stellte mehrere dieser erprobten Mischungen vor, die seit dem Jahr 2011 in Veitshöchheim entwickelt wurden. Sie eignen sich für Flächen, die nur ein Jahr lang zur Verfügung stehen.

Mit wenig Aufwand könne man damit nicht nur dem Auge etwas Gutes tun, sondern auch den Insekten.

Den Schwerpunkt ihrer Ausführungen legte Eppel-Hotz auf die mehrjährigen Mischungen. Diese bestehen zu 60 Prozent aus einjährigen und zu 40 Prozent aus mehrjährigen Gewächsen. Während im ersten Jahr die Einjährigen blühen, können sich die Mehrjährigen langsam entwickeln und ab dem zweiten Jahr für Farbtupfer sorgen. Ab dem dritten Jahr rücken die dauerhaften Arten in den Mittelpunkt. Verwendet wurden von den Veitshöchheimern bewährte heimische Wiesenarten sowie optisch wirkungsvolle Kulturarten – allerdings ohne Gräser. Je nach Auswahl der verwendeten Pflanzen reicht die Blütenperiode von Mai bis zum ersten Frost. Um die Blühzeit zu verlängern, ist laut der Biologin auch die Kombination mit Zwiebelgewächsen oder Gehölzen möglich.

Die Mischungen, die plakative Namen wie „Veitshöchheimer Farbenmix“ oder „Veitshöchheimer Blaulicht“ tragen, sind mit verschiedenen Eigenschaften ausgestattet – etwa mit Farbtönen wie rosa, blau-gelb oder gelb-rot. Darüber hinaus gibt es Eppel-Hotz zufolge auch Duftmischungen („Veitshöchheimer Duftwolke“) oder Mischungen mit niedrigen Pflanzen („Veitshöchheimer Zwerge“). Wenn man solche Pflanzungen umsetzt, biete man Honigbienen, Wollbienen, Erdhummeln, Steinhummeln, Schwebfliegen, Bläulingen und Vögeln wie dem Stieglitz gute Nahrungsquellen, erklärte sie.

Die Fachfrau gab den Zuhörerinnen und Zuhörern zudem Tipps, wie sie die in Frage kommenden Flächen vorbereiten, wann sie wie viel säen und wie sie die Flächen bewirt-schaften sollen – etwa wie und wann gemäht werden muss. Platz für das Ausbringen der Mischungen sei überall, zeigte sie: Als Straßenbegleitgrün, zur Böschungssicherung, in Regenwasserversickerungsmulden, auf Rest- und Vorhalteflächen oder dann, wenn Ra-senflächen oder landwirtschaftliche Flächen umgewandelt werden sollen. Am Ende ihres Vortrags machte sie die Zuhörerinnen und Zuhörer auf das Netzwerk „Farbe für Stadt & Land“ aufmerksam, in dem Interessenten ihre Erfahrungen austauschen und sich gemeinsam der Begrünung widmen. Den Gemeinden riet sie darüber hinaus, die Bevölkerung zu informieren, wenn sie in ihren Orten Pflanzungen vornehmen. Gartenfachberater Roman Kempf rief die Kommunen dazu auf, auf kleinen Flächen ruhig einmal solche Pflanzungen auszuprobieren.

Im zweiten Teil der Weiterbildung ging es um das Fäll- und Schnittverbot für Bäume und Sträucher gemäß des Bundesnaturschutzgesetzes für Gemeinden und Straßenbauämter in Bezug auf die Verkehrssicherheit und den Artenschutz.

Darüber gaben Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Auskunft. Der richtige Umgang mit diesem Thema ist wichtig, denn auch Bäume und Sträucher erfüllen wichtige Aufgaben.

Sie tragen vor allem im urbanen Raum wesentlich zu einer höheren Lebensqualität bei. Doch sie sind auch Lebensraum für viele, teils in ihrem Bestand bedrohte Tierarten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.