Geheimtipp Landesgartenschau Würzburg - noch bis zum 7. Oktober 2018

Die Veranstalter hoffen nun auf einen besucherstarken Spätsommer.
 
Faszinierend sind die Brunnen, Ruhezonen und anmutig-neuzeitlich wirkt die Trinitatiskapelle, wo man abschalten und zur inneren Einkehr gelangen kann.
 
Die Gartenmöbel und Ruhebänke laden zum Verweilen ein, über den grünen Rasenflächen kann man auf Decken, Polstern und Hängematten vor sich hindösen. Kinder und Eltern freuen sich über die unzähligen Spiel-Angebote und kreativen Spiele. “Einfach schön, fast wie Paradies!“ - meint eine junge Mutter.
Würzburg: Am Hubland Süd | Geheimtipp LGS Würzburg

Endspurt: Die Landesgartenschau in Würzburg dauert noch bis zum 7. Oktober 2018


Würzburg. Es ist ein sonniger September-Sonntagnachmittag. In der fränkischen Main-Metropole pulsiert das urbane Leben: kurzweilige Veranstaltungen in der Innenstadt ziehen die Besucher zu Fuß oder per Rad magnetisch an - es ist Stadtfest.

Tausende besuchen Freiluft-Konzerte, Akrobatik- und Zauberer-Shows. Das breite Kultur-Angebot kommt an bei jung und alt, bei Einheimischen und Touristen.

Szenenwechsel Stadtteil Hubland: Einige Kilometer weiter auf dem Gelände der Landesgartenschau verteilen sich die Besucher auf einem weiträumigen Terrain. Hier gibt es kein Gedränge und keinen Stau.

Dennoch ist das Interesse derzeit recht groß an den vielfältigen floralen und gartenarchitektonischen Exponaten und Installationen.

„Mir haben Bekannte mehrmals abgeraten, zur Würzburger LGS zu kommen!“, berichtet am vergangenen Sonntag eine Besucherin vom Bayerischen Untermain.

Alles sei zu gigantisch und unübersichtlich. Zu große Laufstrecken müssten bewältigt werden. Der Eintritt mit 18 Euro pro Erwachsenen und die Parkgebühr in Höhe von fünf Euro seien ganz einfach zu teuer für Otto Normalverbraucher. Etliche Pflanzen seien vertrocknet und die Synthese von Gartenschau und urbaner Umgebung wirke eher futuristisch und ungewohnt - zählt eine sechzigjährige Miltenbergerin auf.

Das ist- im Rückblick gesehen- schon richtig. Doch nun haben wir Herbst, die LGS-Tage sind
gezählt. Bei vielen Interessenten kommt ein besonderes Gefühl, ja eine Art Torschlusspanik auf- man sollte die Gartenschau doch einmal aufsuchen und sich aufraffen, meint der eine oder andere Floristik-Fan.

So geht es nicht wenigen Besuchern, beispielsweise am 16. September 2018. Und eine Fazit vorweg: sie werden nicht enttäuscht.

Die frisch gegossenen Herbstblumen leuchten jetzt in der angenehmen Septembersonne, es riecht nach erst kürzlich geernteten Obst- und Gemüsesorten und es darf probiert werden: frisch gekelterter Apfelsaft, süße Pflaumen-Marmelade, Gebackenes und vieles andere mehr.

Die bunten und rustikalen Gartenmöbel und Ruhebänke laden zum Verweilen ein.

Über den grünen Rasenflächen kann man auf Decken, Polstern und Hängematten vor sich hinschlummern. Kinder und Eltern freuen sich über die unzähligen Freizeit-Angebote und kreativen Spiele. “Es ist hier einfach schön, fast wie Paradies !“ - schmunzelt eine junge Mutter aus der Nähe von Walldürm, die mit Mann und zwei Kleinkindern hier und heute unterwegs ist.

Einige Senioren sind mit Rollstuhl, Rollator oder Gehhilfe unterwegs: es gibt so gut wie keine Hundernisse. Barrierefreiheit gehört zum dominierenden LGS-Konzept in Würzburg. Neuzeitliche Pflaster-Flächen laden zum mobilen Rundumschlag ein.

Faszinierend sind auch die Ruhezonen und Wellness-Oasen. Anmutig-neuzeitlich wirkt die Trinitatiskapelle, wo man ebenfalls abschalten und zur inneren Einkehr gelangen kann.

Fazit: Ein (Nachmittags-) Ausflug zum LGS-Gelände ist erlebnisreich, wirkt nachhaltig und lädt zu einem erneuten Besuch ein. Vielleicht klappt’s noch einmal bis zum 7. Oktober!


Hintergrund:


Die Bayerische Landesgartenschau in Würzburg hatte - rückblickend gesehen - viel vor. Fast eine Million Menschen sollten über das weitläufige Gelände flanieren - so war die Idee.

Das hat vor allem - so die Ansicht der meisten Besucher - wegen der Sommerhitze nicht geklappt. Die Veranstalter hoffen nun auf einen besucherstarken Spätsommer.

All das hatten sich die Macher der bayerischen Landesgartenschau (LGS) in Würzburg anders vorgestellt:

Statt der erhofften 900 000 Besucher dürften es wohl mindestens 200 000 weniger werden.

"Unser Ziel sind um die 700 000 Besucher", betont LGS-Geschäftsführer Klaus Heuberger in Würzburg. Das heiße Wetter habe allen Gartenschauen Süddeutschland die Ziele bei den Besucherzahlen verhagelt.

Doch die Würzburger Landesgartenschau hatte nicht nur mit der tropisch anmutenden Hitzewelle zu kämpfen.

Kritisiert wurde auch, dass das LGS-Gelände zu weitläufig sei und es mit zu wenigen Blumen und Sträuchern bepflanzt gewesen sei.

Darauf hatten die Initiatoren zwar mit einer Parkbahn und mehr Bepflanzungen reagiert. Gleichzeitig aber warben sie für Verständnis:

"Wir haben und hatten den Auftrag, einen Bürgerpark zu bauen und dieses Gelände in einen Generationenpark umzuwandeln und das haben wir auch eins zu eins umgesetzt", erläutert Heuberger dazu.

Es sei allerdings vielen Besuchern nicht leicht gefallen, sich auf einen solchen Park einzustellen. Der LGS-Geschäftsführer gab zudem zu bedenken, dass sich die Landesgartenschauen im Laufe der Zeit auch verändern.

Eine LGS sei längst nicht mehr nur eine Blümchen-Olympiade. Gerade in Bayern seien die Schauen stets mit einer in die Zukunft blickenden Stadtentwicklung verbunden. Diesem Thema müssten sich die Städte im Freistaat stellen, sonst bekämen sie weder den Zusage noch die Fördermittel.

Die Landesgartenschau in Würzburg kostet insgesamt etwa 32 Millionen Euro.

Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CSU) lobte kürzlich die Schau als «großen Gewinn» für die Stadt.

Das sogenannte Hubland sei auf 39 Hektar zu einem modernen und lebendigen Stadtteil entwickelt worden, auf dem 5 000 Menschen leben können. "Das wäre ohne die Landesgartenschau nicht in der Geschwindigkeit und in der Qualität möglich gewesen."

Beim Blick auf die geringeren Besucherzahlen wünscht sich Würzburgs OB: «Wichtig ist jetzt, Power in den Schluss-Spurt zu legen und da erwarte ich auch noch eine Menge.» Die Landesgartenschau in Würzburg dauert noch bis zum 7. Oktober.



Zahlen zur Landesgartenschau 2018

Daten und Fakten



Durchführungszeitraum: 12. April – 7. Oktober 2018

Bewerbung: 30. November 2009

Zuschlag: 9. Februar 2010

Gründung GmbH: 12. September 2013

Spatenstich: 1. Juli 2015

Baustellenfest: 16. April 2016, 22. Oktober 2017

Gesellschafter: Stadt Würzburg, Bayerische Landesgartenschau GmbH



Ausstellungsgelände:

Park am Hubland: 21 ha
Ausstellungsgelände: 28 ha
Länge ca. 1,7 km
Breite ca. 100 - 500 m
Beltwalk Länge ca. 3 km

Finanzen:

Wiesenpark: 10,7 Mio. € (davon fördern das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und die Europäische Union ca. 5,8 Mio. €)

Terrassengärten: 3,5 Mio. € (davon werden über das Programm „Stadtumbau West“ ca. 2 Mio. € gefördert)

Quartiersplätze: 1,4 Mio. € (davon werden über das Programm „Stadtumbau West“ ca. 870.000,- € gefördert)

Belvedere: 1,8 Mio. € (davon sind über die Europäische Union ca. 800.000,- € Fördergelder zu erwarten)

Predevelopment: 0,7 Mio. €

Investitionshaushalt gesamt: 18,1 Mio. €

Durchführungshaushalt: 13 Mio. €

Gefördert durch:

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz: „Förderung von Wanderwegen und deren Beschilderung, von Unterkunftshäusern und Gartenschauen“

Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr: „Stadtumbau West“

Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: "Förderung der Produktivität und Qualität im Gartenbau"

Europäische Union: „Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)“

Text und Fotos: Roland Schönmüller

rsc

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