„Viele Sternschnuppen im August künden von Regen und Wind“. 
- MILTENBERG HAT VIELE GESICHTER - 10.08.2017 - Zweite Fortsetzung

Miltenberger Marktplatz in der Abenddämmerung zur "Blauen Stunde".
 
"Wassermusik" von Händel oder von oben
Miltenberg: Brückenstraße 1 |

Verregneter Sommertag in und um Miltenberg - 10.08.2017 – Da helfen nur die Erinnerungen  an schönere Tage im August

Achter Monat hat viele Namen

Von einem römischen Herrscher hat er den Namen: der August wie sein Vorgänger - der Juli. Aus dem ursprünglich sechsten Monat des altrömischen Jahres (Sextilis) wurde nach der Kalenderreform des Julius Cäsar der achte.

Die Umbenennung erfolgte im Jahr 7 vor Christus zu Ehren des Kaisers Octavian, der den Beinamen Augustus trug. Diesem Herrscher soll in diesem Monat angeblich Glück widerfahren sein.

Möglich ist aber auch, dass Augustus hinter dem berühmten Julius Cäsar nicht zurückstehen wollte und deshalb einen ihm gewidmeten Monat durchsetzte.

„Ernting“ oder „Erntemonat“ lautet die altdeutsche Bezeichnung für den August, der Bezug zur herkömmlichen Zeit der Getreideernte nimmt. Früher sollen die Bauern und Landleute nicht nur auf passendes Wetter gewartet haben, sondern auf den Zeitpunkt, wenn Kornblumen und Rittersporn in voller Blüte standen.

„Ährenmonat“ und „Sichelmonat“ sind verwandte, leicht aus dem Zusammenhang mit der Ernte erklärbare, weitere Namen für den August. Derzeit harren viele Ähren in der feuchten Witterung aus und die Landwirte bangen um ihre Ernte.

Die Sichel als typisches Werkzeug der einstigen Schnitter verweist auf frühere Zeiten, wo die langen Getreide-Stängel mit messerscharfen, im wieder zu wetzenden Klingen behutsam abgeschnitten wurden.

Der Name „Wallfahrtsmonat“ erinnert an die frommen Pilger, die es sich im Hochsommer nicht nehmen ließen über Stock und Stein, Berg und Tal, ein frommes Ziel - beispielsweise eine marianische Wallfahrtskirche Mitte August -anzusteuern.

Das Wetter lädt während des „Frauendreißigers“ in der Zeit zwischen dem 15. August und dem 15. September, in der nach dem Volksglauben ein dreifacher Segen über der Natur ruht, für kurze und weite Fußmärsche – wie früher Wallfahrten meist ausschließlich unternommen wurden, geradezu ein.

„Kochmonat“ und "Hitzemonat" sind weitere Namen in alten Kalendern für den achten Monat. Bekanntlich zählt der August zählt zum Hochsommer. In die Augusttage fallen die Hundstage, oft eine Zeit mit den höchsten Jahrestemperaturen, die aber derzeit noch auf sich warten lassen.

Viele Wetterregeln der Bauern sprechen davon, aber auch, dass vor allem ab Monatsmitte und gegen Ende hin bereits wieder frühherbstliche Witterung herrschen kann. Langsam werden die Nächte kühler, Tau fällt und die hellen Abende sind bereits merklich kürzer: der Sommer beginnt sich allmählich zu neigen.

Bauernregeln im August:

„Ist der August am Anfang heiß, wird der Winter lang und weiß.“ 


• „Was der August nicht kocht, lässt der September ungebraten“. 


• „Viele Sternschnuppen im August künden von Regen und Wind“. 



• „August ohne Feuer macht das Brot teuer.“ 


• „Ein trockener August ist des Bauern Lust.“ 


• „Fängt der August mit Hitze an, bleibt auch lang die Schlittenbahn“. 


• Wenn der Kuckuck im August noch schreit, so gibt’s im Winter teure Zeit.“ 


• „Der August ist des Winters Anfang.“ 


• „August soll sein ein Augentrost, macht zeitig fertig Wein und und Obst“.



Bedeutende Feste und tiefsinnige Heiligengedenktage
gibt es im August

Ältere Leute auf dem Land zählen noch weitere Losttage auf, die mit aufschlussreichen Bauernregeln und besonderem Brauchtum verknüpft sind. 


Als erster Herbstbruder , der den Anbau herbstlicher Früchte einleitet, gilt der heilige Laurentius am 10. August.

Die Weihebüschel-Weihe und der Beginn des „Frauendreißigers“ ist am katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt am 15. August.

Der beliebte Viehpatron und Schutzpatron der Pest, der heilige Rochus, feiert am 16. August seinen Namenstag.

Vielerorts als Herbstbeginn und Markttag gilt der 24. August, der Bartholomäustag.

Der fränkische Schriftsteller Friedrich Schnack (1892 – 1973) war ganz angetan vom achten Monat und seiner besonderen Stimmung:

„Im August ist es in Mainfranken ganz besonders schön.

Eine gute Weile verharrte ich auf dem Marktplatz von Frickenhausen am Main und es war mir, als sei ich in das Blatt eines köstlichen Kupferstiches geraten.

Rechts stand das Rathaus, gegen das die schweflige Augustsonne den Schatten des dünnen Sonnenuhrstabes warf.

Fast blendend weiß brannte die Sonne aufs Pflaster, aus dem die Mariensäule wie eine schöne Blume herauswächst.

Wie eine Blume einem sich ausströmenden Welt- und Himmelsgefühl entwachsen: wie das Haus davor mit der zauberischen Wand der schönen, breit hingelegten Tor-Türe und der Steintreppe.

Wieviel Flüchtigkeit liegt doch im Leben und welche Dauer in der Kunst!

In der aus der Landschaft streichenden Luft war der Geruch von Brot wahrzunehmen – die fränkischen Kornfelder neigten sich der Sense zu.

In den Reblagen Kapellenberg, Fischer, Höflingsberg, Babenberger und Mainleite schwollen die Beeren, verwandelten sich zu Süße und Feuer.

Es war eine geheimnisvolle, körperlich spürbare Fröhlichkeit im ganzen Ort. Die Fröhlichkeit schlenderte durch das Ochsenfurter Tor, schlenderte durch das Marktbreiter Tor, durch das Obere Tor und durch das Wassertor am Main. Es war, wie mir schien, die Fröhlichkeit der Zecher, aus vielen Jahren einer langen Vergangenheit.“

Fotos und Text: Roland Schönmüller
Weitere Bilder und Informationen folgen!
1
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.