Kleiner Deckel – große Wirkung! – Nachhaltig helfen mit der bundesweiten Aktion „Deckel gegen Polio“ – viele Menschen im Landkreis machen schon mit

Auch bei uns im News Verlag Miltenberg werden fleißig Deckel gesammelt. Den Anstoß dazu gaben Werbeberaterin Eva Kern und der Leiter des Kompetenzzentrums Michael Reising. (Foto: News Creativ)
 
Auch an der Realschule Elsenfeld werden fleißig Deckel gesammelt. Ziel der Aktion „500 Deckel gegen Polio“ ist, Kinderlähmung endgültig auszurotten. Die Aktion soll zu einem Selbstläufer werden und Menschen mobilisieren, selbst aktiv zu werden. (Foto: Realschule Elsenfeld)
 
Bei Getränke Kuhn in Elsenfeld-Rück können die gesammelten Deckel abgegeben werden. Dort ist eine offizielle Sammelstelle der Aktion „500 Deckel gegen Polio“. (Foto: privat)

Der Slogan „Schluckimpfung ist süß – Kinderlähmung ist grausam“ einer Gesundheitskampagne aus den 70ern hat sich vielen von uns ins Gedächtnis gebrannt. Zwar war Polio in Deutschland in den letzten Jahren nicht mehr existent, das Thema ist aber wieder aktuell, wenn auch in einer anderen Form: Deckel sammeln für einen guten Zweck.

Ob Kunststoffdeckel von Ein- und Mehrwegflaschen, Shampoo-Flaschen, Zahnpastatuben, Getränkekartons oder auch die Verpackungen von Überraschungseiern – Sammeln ist angesagt. An der Aktion „Deckel gegen Polio“ beteiligen sich schon zahlreiche Getränkemärkte oder Schulen, aber auch Privatleute wie Richard Roth aus Weilbach – der bereits allein über 30.000 Deckel gesammelt hat. Seit einigen Wochen ist auch der News Verlag mit dabei.
Das Projekt „Deckel gegen Polio“ wurde 2014 von den Rotariern Lutz Olbrich, Sandra Bührke-Olbrich, Constanze Abendroth, Heike Kissel und Dennis Kissel – der sein Wissen als Chef der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) mit einbringt – ins Leben gerufen und der gemeinnützige Verein Deckel e.V. gegründet. Die Idee war, bundesweit Deckel von Kunststoffflaschen sammeln zu lassen, um aus dem Erlös Impfungen gegen Kinderlähmung zu bezahlen. Mit dieser Aktion sollen Leben gerettet werden. Durch den Rückgang der Impfungen in Europa kann eine Rückkehr von Polio nicht ausgeschlossen werden.
Gesammelt werden Kunststoffdeckel von Getränkekartons, Ein- und Mehrweg­flaschen bis maximal 4 cm Durchmesser = 500 Deckel für eine Impfung.

500 Deckel werden benötigt, um eine Impfung zu finanzieren.

Bundesweit kooperieren kommunale Entsorger und zahlreiche andere Sammelstellen mit den regionalen Rotary- und Rotaract-Clubs. – wie im Landkreis Miltenberg der Rotaract-Club Churfranken unter Leitung von Präsident Daniel Neuberger. Sie unterstützen, koordiniert durch den Verein „Deckel drauf e. V.“, die Rotary-Initiative „End Polio Now“, damit kein Kind mehr an Kinderlähmung erkrankt. Wer sich nicht anstecken kann, verhindert, dass sich ein Erreger ausbreitet und die trifft, die ungeimpft sind. Rotary International hat sich zum Ziel gesetzt, Polio-Viren bis Ende 2020 auszurotten. Und die Bill & Melinda Gates-Stiftung spendet Rotary International für jeden gesammelten Euro weitere zwei Euro, so dass sich die Sammelinitiative nicht nur doppelt, sondern sogar dreifach lohnt.
Bis heute wurden bundesweit 180 Mio. Deckel gesammelt. Dank der zahlreichen fleißigen Sammler konnten so zirka 360.000 Impfungen finanziert werden. Auch der hiesige Rotaract-Club möchte die Bevölkerung sensibilisieren und plant Aktionen an Pfand­automaten im gesamten Landkreis.

Daniel Neuberger, Präsident von Rotaract Churfranken:
„Die Aktion gibt es bereits seit 2014 und wurde aufgrund der privaten Initiative „Deckel drauf e. V.“ ins Leben gerufen. Seit Juli letzten Jahres sind auch wir, der Rotaract-Club Churfranken, bemüht, um das Projekt im Landkreis Miltenberg publik zu machen. Seit ich mich mit dem ,500 Deckel gegen Polio‘-Projekt beschäftige, kommen ständig Leute auf mich zu, um ­Deckel abzugeben oder selbst zu sammeln. Mein Ziel ist es, Menschen zu mobilisieren und sensibilisieren, um es zu einem Selbstläufer in unserem Landkreis werden zu lassen. Derzeit bin ich noch in Gesprächen über weiterführende Konditionen wie etwa: eine zentrale Sammelstelle, Transport zum Verwerter etc. Auch sind wir als Club bereit, Menschen bei Aktionen zu unterstützen und ich besuche diese gerne, um das Projekt vorzustellen.
Ich möchte mich auch bei unserem Patenclub, dem Rotary-Club Miltenberg, dem Rotary-Club Obernburg, dem Rotary-Club Alzenau sowie allen anderen Rotary-Clubs am Bayerischen Untermain für ihre Unterstützung bedanken.“

Was passiert mit den Deckeln?

Von der Sammelstelle geht es zur nächsten Lagerstelle. Von einem Lager gehen die Deckel dann zu einem Verwerter. Dort werden sie zu Granulat geschreddert/zerkleinert und danach als ReGranulat mit frischem Granulat vermischt. Aus dieser Mischung werden dann andere Produkte wie beispielsweise Rohre, Gartenbänke oder neue Kunststoffdeckel hergestellt. Würde man sie nicht extra sammeln, würde dieser hochwertige und wertvolle Rohstoff wieder verbrannt werden. Deckel bestehen aus hochwertigerem Material. Grundsätzlich können Sie die Deckel aus Kunststoff von Getränkeflaschen, Getränkekartons (Milch, Saft usw.), Quetschgetränken und auch das gelbe Überraschungsei ohne weitere Prüfung sammeln. Die maximale Deckelgröße sollte nicht mehr als 4 cm haben. Hintergrund für diese Begrenzung ist, dass die Maschinen für die Granulierung ein passendes Mahlwerk benötigen und bei erhöhten Größenunterschieden das Material nicht mehr verarbeitet werden kann. Bitte achten Sie außerdem vor allem darauf, dass keine Metalldeckel, Kronkorken oder andere Fremdstoffe in die Sammlung gelangen.
Eine zeitliche Begrenzung der Sammlung ist nicht vorgesehen und die Pfandautomaten und Getränkehändler nehmen das Leergut auch ohne Deckel an. Wie Sie sich beteiligen können, wie Sie Sammelstelle werden und weitere Informationen finden Sie unter www.deckel-gegen-polio.de oder auf Anfrage beim Rotaract-Club Churfranken an churfranken-­deckel@rotarct.de

Hier wird fleißig gesammelt:

Gabi Kuhn von Getränke Kuhn in Rück: „Wir wurden von Kunden angesprochen, ob man bei uns auch Plastikdeckel abgeben könne. Ich habe mich dann über die Aktion im Internet informiert und mich mit Herrn Neuberger vom Rotaract- Club Churfranken in Verbindung gesetzt. Wir beteiligen uns jetzt seit etwa 2 Jahren daran und es sind schon ­circa 3 Kubik, was in der Zeit an Plastikdeckeln zusammengekommen ist. Zu uns bringen neben Privatleuten auch Schulen und Gaststätten ihr gesammeltes Material. Es ist für eine gute Sache, es ist mit keinem großen Aufwand verbunden und wenn man die Möglichkeit hat sollte man sie auch nutzen.“

Richard Roth aus Weilbach, Hauptstr. 60: „Ich habe privat schon länger Deckel gesammelt und bin durch einen Zeitungsartikel vor einigen Jahren darauf aufmerksam gemacht worden, dass man diese bei Lohr abgeben könne. Im letzten Jahr setzte ich mich dann mit Herrn Neuberger von den Rotaractern in Verbindung und seit Juli 2017 sammeln wir jetzt offiziell hier im Landkreis und versuchen, die Aktion bekannt zu machen. Ich habe verschiedene Sammelstellen, wie Getränke Leuner in Amorbach oder Haas in Rippberg, zu denen ich fahre, und gemeinsam mit meiner Frau schraube ich wöchentlich etwa 3 bis 4 Stunden selbst die Deckel des Leerguts ab. Pfarrer Prokisch in Kirchzell hat in der Gemeinde auch einen Aufruf gestartet. Und bei mir im Hof steht ebenfalls ein Sammeleimer. Derzeit habe ich wieder eine Ladung von etwa 25000 Deckeln zusammen, die ich noch zur Sammelstelle bei Getränke Kuhn in Elsenfeld fahren muss.“
Ganz nach dem Prinzip „Kleiner Dreh – große Wirkung“ werden mittlerweile bundesweit Deckel aus HDPE für eine gute Sache gesammelt. Dieser Abfall bzw. Wertstoff aus hochwertigem Kunststoff dient als sehr gutes Recyclingbeispiel im Sinne einer nachhaltigen Ressourcenwirtschaft. Jede/r kann mitmachen und einen Beitrag zur Umwelt leisten und gleichzeitig etwas Gutes tun.

Jana Hollich, Lehrerin an der Realschule Elsenfeld: „Da die Aktion mittlerweile schon recht publik ist, haben wir von mehreren Seiten davon erfahren. Ich habe in meinem persönlichen Umfeld davon gehört und habe daraufhin angefangen, privat Deckel zu sammeln. Zugegebenermaßen ist mir zu dem Zeitpunkt aber noch nicht in den Sinn gekommen, diese Aktion auch in unserer Schule zu machen. Erst als eine Kollegin diese Aktion im Rahmen ihres Religionsunterrichts begonnen hat und fast zeitgleich die SMV des Julius-Echter-Gymnasiums auf uns zukam und uns gefragt hat, ob wir die ,Deckel-drauf-Aktion‘ in Kooperation mit ihnen machen wollen, kam das Ganze richtig in Gang. Und da die Planung der Aktion etwas Zeit in Anspruch genommen hat (Elternbrief, Information der Lehrkräfte und Schülerschaft, Frage nach der Ausführung) sammeln wir effektiv erst seit dem zweiten Schulhalbjahr, also seit dem 26. Februar.
Erfahrungsgemäß dauert es immer erst eine gewisse Zeit, bis sich so eine Aktion verbreitet. Aber bisher sind wir mit den Erfolgen ganz zufrieden, denn es beteiligen sich nicht nur Schüler, sondern auch Kollegen.“
sk
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