REISETIPP: Auf der Spur regionaler Kultur - Beim traditionellen Köhlerfest in Teisendorf

Bevor das Feuer entzündet wird, wird der Kohlenmeiler am Festplatz aufwändig aufgeschichtet. Foto: roha Fotothek, Rosi Fürmann
 
Das Wahrzeichen des Berchtesgadener Lands ist der Watzmann. Foto: Marika Hildebrandt
Zweieinhalb Wochen dauert das Brennen der Kohle im eigens aufgeschichteten Meiler. Vom Anzünden bis zur Ernte lockt ein vielseitiges Festprogramm in den Rupertiwinkel.

Vom 25. Juli bis 12. August bietet sich im Berchtesgadener Land die Gelegenheit, das alte Handwerk des Kohlebrennens aus der Nähe zu verfolgen. Beim Köhlerfest in Neukirchen bei Teisendorf lassen sich alle Arbeitsschritte vom Aufschichten bis zur Ernte des brennbaren Rohstoffes miterleben und interessante Geschichten von damals und heute erfahren. Für die Köhler brechen mit dem Anzünden anstrengende zweieinhalb Wochen an. Sie müssen das Feuer und dessen Rauch Tag und Nacht bewachen und so für eine erfolgreiche Ernte sorgen. Besucher freuen sich derweil über ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm, das rund um den Meiler mit kulturellen, kulinarischen und handwerklichen Highlights glänzt. www.berchtesgaden.de/koehler

„Das Kohlebrennen hat im Rupertiwinkel eine lange Tradition“, sagt Alois Prechtl, 1. Vorstand des Köhlervereins Neukirchen, der das Köhlerfest seit 1990 ausrichtet. Einst diente die Holzkohle als effizienteste Energiequelle für die Hochöfen im Achthal und die Salzpfannen der Alten Saline in Bad Reichenhall. Bis um 1890 brannten die Feuer der Kohlenmeiler am Teisenberg täglich. Da riesige Mengen benötigt wurden, sicherte das Handwerk die Existenz vieler Familien und prägte über Jahrhunderte die Kultur des gesamten Berchtesgadener Lands.

Wo früher unzählige Meiler rauchten, wird heute einmal im Jahr feierlich Holzkohle erzeugt. „Mehr im Gedenken, als für den Gebrauch“, erklärt Prechtl. Und einfach ist das nicht. Um die zehn Stunden dauert alleine das Aufrichten des Holzstoßes aus Buchen und Fichtenscheiten. Anschließend wird der Haufen mit Reisig bedeckt, bevor das luftdichte Aufbringen des „Kohllöschs“, eines Gemischs aus den feinen Resten des letzten Brandes und lehmiger Erde, einen weiteren Tag beansprucht. Am 25. Juli um 17 Uhr erfolgt das Anzünden des Meilers.

Hat die amtierende „Köhlerliesl“ das Feuer schließlich entfacht, feiern Einheimische und Gäste gemeinsam den Auftakt des Köhlerfestes – begleitet von den Klängen der örtlichen Musikkapelle, gewürzt mit oberbayerischen Schmankerln. Anschließend fiebern alle mit großer Spannung dem 12. August entgegen. Dann zeigt sich, ob der Brand geglückt ist und ob sich die Mühen der Köhler gelohnt haben. Während die Handwerker 18 Tage rund um die Uhr neben dem Feuer wachen, vertreiben sich Besucher bei vielseitigen Veranstaltungen die Zeit.

Vom Kirschweinfest bis zur Meisterschaft im Hufeisenwerfen, vom Dampfnudelessen bis zum Blasmusikkonzert: „Wir sind stets bemüht, die Wartezeit für alle Beteiligten so unterhaltsam wie möglich zu gestalten“, so Alois Prechtl. Und während sich die einen über Geschichte und Geschichten aus längst vergangenen Zeiten informieren oder altes Handwerk erlernen, genießen die anderen einfach die Festlichkeiten und das einzigartige Panorama, das am Horizont von den markanten Berchtesgadener Bergspitzen gekrönt wird.

Weitere Informationen:
Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, Maximilianstraße 9, 83471 Berchtesgaden, Tel: +49 (0)8652 / 656 50 50, info@berchtesgaden.de, www.berchtesgaden.de
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