Jahrgang 1940 Miltenberg: 3 - Tagesfahrt nach Augsburg und Ammersee - Gebiet

Die Augsburger Puppenkiste und „Der gestiefelte Kater“
Jahrgang 1940 Miltenberg: Drei-Tagesfahrt Mitte September nach Augsburg und in das Ammersee-Gebiet
Miltenberg: Unsere Jahrgangsgemeinschaft ist in den vergangenen Jahren zu einer tollen „Familie“ gewachsen. Es machte uns viel Freude in Harmonie und freundschaftlichem Miteinander unterwegs zu sein. Am frühen Morgen verließen wir unsere Heimatstadt und sangen wie immer zwei Strophen vom Frankenlied. Der erste Halt war in Tbb. zu einem reichhaltigen Frühstücksbuffet, wo auch die ersten Gespräche den Tagebeginn bereicherten. Froh gelaunt war die Stimmung im Bus und wir erreichten Augsburg, unser erstes Ziel, zur frühen Mittagszeit. Jetzt war Gelegenheit für erste Eindrücke von einer Stadt mit großer Vergangenheit. Um 14.00 Uhr begann die Vorstellung der Augsburger Puppenkiste mit dem gestiefelten Kater. Die Puppenkiste gilt auch als „Schwäbisches Kulturgut von Weltrang“. Mit der Aufführung erlebten wir ein Stück, das auch heute für Geschwisterlichkeit und Mitmenschlichkeit in der Gesellschaft wirbt. Für uns „Alten“ war es bereichernd, die vielen Kinder in ihrer emotionalen Begeisterung zu erleben.
Begeistert vom Erlebten ging unsere Fahrt weiter zum Familienhotel in Kaufering.
Der zweite Tag begann mit einer Schiffsrundfahrt auf dem Ammersee. Ein schönes Bild war es, wie der See am frühen Morgen noch im Nebel lag. Die Sonne wurde stärker und wärmer und schenkte uns für die Seefahrt und den ganzen Tag einen blauen Himmel und schöne Bilder. Nach der Seefahrt fuhren wir zum Kloster Andechs, Bayerns „heiligem Berg“. Wir hatten ausreichend Zeit für einen Gang in die Kirche und zum Gasthof mit seinem berühmten Bier und anderen bayrischen Schmankerln. Von Andechs führte uns die Fahrt durch die wunderschöne Voralpenlandschaft zu einem weiteren Höhepunkt des Tages.
Wir besichtigten das ehemalige Kloster Wessobrunn, unweit von Diessen am Ammersee. Bei einer Führung erfuhren wir, dass das jetzige Kloster ab 1680 gebaut wurde und als die Heimat der „Wessobrunner Schule“ gilt. Mehr als 600 Künstlern des südbayrischen Barocks, z. B. Dominikus Zimmermann, der Erbauer der Wieskirche, schwärmten von Wessobrunn aus und bauten in ganz Europa fast 3000 Kirchen, Klöster und Schlösser oder schmückten sie mit „Wessobrunner Stuck und Malerei“ aus. Wir sahen Stuck- und Malerarbeiten in sehr langen Gängen und Zimmern an Decken und Wänden. Heute würde man sagen: Die Arbeiten der Künstler und Handwerker von damals sind absolutes Weltniveau.
Bereichert und tief beeindruckt von den Leistungen vergangener Generationen verließen wir das Kloster.
Der dritte Tag war ganz für Augsburg mit einem Besuch der „Fuggerei“, einem Stadtrundgang und viel Freizeit reserviert.
Augsburg – das bedeutet: Es waren die Römer da und als gerade eben 1492 Amerika entdeckt wurde, begann die große Zeit der Stadt. „Konzernchefs“, wie Jakob Fugger, „der Reiche“, holten Architektur, Kunst und Ideen aus Italien über die Alpen nach Augsburg, die um ca. 1600 wohl die größte Stadt Deutschlands war.
Eine Führung durch die Fuggerei, gestiftet von Jakob Fugger „dem Reichen“, zeigte uns die heute älteste Sozialsiedlung der Welt. Die Siedlung hat heute 140 Wohnung in 67 Häusern. Auch heute noch können bedürftige Augsburger Bürger für eine Jahres(kalt)miete von
0,88 €, sowie täglich drei Gebete für den Stifter und die Familie wohnen.
Beim Stadtrundgang gingen wir im Lechviertel durch stille und verwinkelte Gassen und Straßen. Wir hörten Geschichten von Bewohnern aus der Vergangenheit, wie z.B. Berthold Brecht und Rudolf Diesel, sowie von einfachen Bürgern und der heutigen Wirklichkeit der Stadt. Auch haben uns die Anstrengungen der Stadtverantwortlichen in den vergangenen Jahrhunderten zur Versorgung der Einwohner mit Trinkwasser, was der Gesundheit und der Hygiene der Bewohner zu Gute kam, stark beeindruckt. Schon 1414!!! entstanden das erste Wasserwerk und der erste Wasserturm mit Wasserleitungen zu den Stadtbrunnen.
Gemeinsam endete der Rundgang am Rathaus, dem Wahrzeichen der Stadt. Der Besuch des „Goldenen Saals“ im Rathaus mit seiner reich geschnitzten und vergoldeten (2,5 kg Blattgold) Facettendecke ist ein weiteres atemberaubendes Zeugnis der Arbeit von Künstlern, Handwerkern und Architekten vergangener Zeiten.
Nach den vielen schönen Erlebnissen und den geselligen Abenden in der Gemeinschaft sind wir nach alter Tradition noch mal zum Abschluss in einem alten, fränkischen Familien-Gasthof eingekehrt, um dann reich beschenkt von drei schönen Tagen dankbar und gut gelaunt in der Heimat anzukommen.


Text von: Werner Kehl
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