„Uns wird die Heimat genommen!“ - Verein „Wir im Spessart“ ist gegen einen Nationalpark

Am Samstag, 4. März brannten in mehr als 20 Spessartgemeinden Mahnfeuer als Zeichen gegen den Nationalpark. Initiator war der Verein "Wir im Spessart e.V.".
 
Sägewerk Vaeth in Elsenfeld. Hier wird nur Eichenholz verarbeitet.

Es brennt im Spessart. Und das nicht nur im übertragenen Sinn. In über 20 Spessartgemeinden loderten am Samstag Mahnfeuer gegen einen Nationalpark. Seit der bayerische Ministerrat sich im Juli 2016 für einen 3. Nationalpark in Bayern aussprach und der Spessart als potenzieller Standort gilt, positionieren sich Gegner und Befürworter. Beide Gruppen sehen den Hochspessart mit seiner Tier- und Pflanzenwelt, den Eichen- und Buchenwäldern als einzigartig, als schützens- und erhaltenswert an. Indes an der Art und Weise, wie dieser Schutz gelingen kann, scheiden sich die Geister.

Der Verein „Wir im Spessart“ ist gegen den Nationalpark. Die Mitglieder Hubert Astraschewsky, Wolfgang Karl und Otto Fäth – alles Spessarter – erklären in einem Gespräch mit dem News Verlag, warum das so ist. „Uns geht es nicht darum, die Menschen in zwei Lager zu teilen. Wir möchten die Menschen informieren, die noch unentschlossen sind oder gar nicht wissen, welche Konsequenzen die Ausweisung eines Nationalparks auf die Region haben kann.“ Revierförster Hubert Astraschewsky aus Hobbach sieht absolut keine Notwendigkeit für einen Nationalpark. „Die Menschen hier im Spessart sind mit dem Wald verwachsen. Generationen von Forstleuten, von Waldarbeitern, von Familien, Frauen, Männern und auch Kindern haben den Spessartwald zu dem gemacht, was er heute ist. Das kann man doch nicht so einfach wegwischen! Warum will man das ändern und den Leuten hier ein Stück Heimat nehmen?“

Die Natur sich selbst überlassen?

Würde sich die biologische Vielfalt durch den sogenannten Prozessschutz in der Kernzone des Nationalparks verändern? „Eindeutig ja“ sagt Förster Astraschewsky: „Die Eichenpopulation im Hochspessart ist ganz klar in Gefahr, wenn der Wald sich selbst überlassen wird.“ Die Eiche sei ein Lichtbaum, dessen natürliche Verjüngung im Buchenwald durch zu viel Schatten gehemmt werde. „Daher muss man die Buchen zurücknehmen.“ Der Einwand, dass durch den Klimawandel langfristig die Buche im Nachteil gegenüber der Eiche sei und sich dadurch ein natürliches Gleichgewicht ergebe, könne man nicht für alle Böden und Lagen verallgemeinern. Auch die Argumente der Naturschützer, man müsse im Spessart Kahlschläge durch die Holzindustrie verhindern oder für mehr Altholz sorgen, kann er nicht nachvollziehen. „Wir haben hier einen einzigartigen Eichenwald, der in Deutschland seinesgleichen sucht mit einer ausgeprägten Biodiversität. Dieser Wald ist in einem Top-Zustand, gerade weil hier seit Generationen nachhaltige Waldwirtschaft betrieben wird. Warum will man das ändern?“ Eine weitere Gefahr sind für ihn auch die Schädlinge, allen voran der Borkenkäfer. „Wird hier nicht regulierend eingegriffen, haben wir am Ende Kahlflächen durch Käferbefall wie im Nationalpark Bayerischer Wald.“

Sind die Sorgen berechtigt?

Zuständig für die Ausweisung eines Nationalparkes ist das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz unter Leitung von Staatsministerin Ulrike Scharf. Auf der Internetseite des Ministeriums werden die Bedenken gegen einen Nationalpark aufgegriffen und ausgeräumt, so auch die Frage nach der freien Zugänglichkeit des Waldes oder der Holznutzung.

Wolfgang Karl ist Klein-Privatwaldbesitzer und Rechtler aus Altenbuch und befürchtet, dass, anders als auf der Internetseite dargestellt, mit dem Nationalpark Spessart das Aus für die Holzrechtler kommt. „Erfahrungen aus anderen Nationalparks, etwa dem Bayerischen Wald, zeigen, dass sich sehr wohl Änderungen und Einschränkungen ergeben, wenn es an die Detailplanung geht. Das belegen neben den Aussagen von Fachleuten auch Studien bzw. Zahlen des statistischen Landesamtes.“ Auch sei wenig über die Kosten eines Nationalparks bekannt. „Wir sprechen hier grob geschätzt von 100 Mio. Euro für die Einrichtung und 10 Mio. Euro für den Unterhalt, alles Steuergelder.“

Stichwort Wildtier-Management

Otto Fäth, Öko-Landwirt aus Mespelbrunn, sieht seine wirtschaftliche Existenz durch einen Nationalpark bedroht. „Ich habe jetzt schon große Probleme mit Schwarzwild, das regelmäßig meine Wiesen auf der Suche nach Engerlingen umgräbt. Um die Weiden wieder so herzurichten, dass sie den Öko-Richtlinien entsprechen, muss ich pro Hektar rund 1.000 Euro investieren. Das ist wirtschaftlich nicht lange tragbar.“ Er befürchtet, dass die Anrainer-Landwirte mit weitaus größeren Wildschäden rechnen müssen, wenn das Wildtier-Management des Nationalparks greift und nicht mehr gejagt werden darf.
Wolfgang Karl ergänzt: „Wir haben im letzten Jahr alleine im Forstbetrieb Rothenbuch 700 Wildsauen erjagt. Bei der guten Mast durch Bucheckern und Eicheln im Spessart vermehren sich die Wildschweine sehr stark“
Er kritisiert das Wildtier-Management, wie es in Nationalparks üblich ist. „Im Nationalpark Bayerischer Wald wird Rot- und Schwarzwild angefüttert und dann in den Futtergängen oder speziellen Laufgängen erschossen. Die Tiere haben Panik, wenn sich plötzlich das Gatter schließt, die Sauen trampeln zum Teil ihre Frischlinge tot. Das Fleisch der toten Tiere wird nicht verwertet, sondern entsorgt. Für mich ist das tierschutzrechtlich bedenklich.“

Sorgen macht sich auch Sägewerksbesitzer Rudolf Vaeth aus Elsenfeld. Das Sägewerk Vaeth, die Kreuzmühle, ist seit vier Generationen im Familienbesitz. Man verarbeitet ausschließlich Eichenholz und liefert nach ganz Europa und Asien.
„Die Nachfrage nach Eichenholz ist unglaublich groß, dagegen steht eine zunehmende Verknappung des Rohstoffes Eiche. Unser Haupteinkaufsgebiet liegt im Umkreis von rund 180 km um unser Werk herum in Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Durch zahlreiche Flächenstilllegungen im Gebiet fast aller Lieferforstämter sind die noch verfügbaren Eichenfestmeter schon von rund 9.000 auf 6.000 zurückgegangen. Ein Nationalpark würde zu 100 % Rothenbuch, unseren einzigen Lieferanten von Spessart-Eiche, betreffen. Eine Umstellung auf andere Lieferanten oder Holzarten gibt der Markt nicht her. Das heißt, wir hätten nicht mehr genug Eichenholz, um das Sägewerk weiterzuführen müssten schließen und unsere Mitarbeiter entlassen.“

Wolfgang Karl: „Es gibt Menschen, die engagieren sich für den Nationalpark, die sind gar nicht von hier. Viele hinterfragen auch nicht, wo denn z. B. das ganze Holz herkommen soll, das wir in Deutschland verbrauchen, wenn immer mehr Flächen aus Gründen des Naturschutzes stillgelegt werden. Auch im Spessart sind das bereits 1300 ha.“ Wie es weitergeht? Ihm und seinen Mitstreitern ist wichtig, dass die Entscheidung mit den Menschen vor Ort getroffen wird. Dafür wollen sie kämpfen.

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