Bauausschuss Landkreis Miltenberg besichtigt Landkreisprojekte

Der Landkreis Miltenberg hat in der Berufsschule Miltenberg die Räume für die Hochschule hergerichtet, die Hochschule stellt die Technik zur Verfügung. Welche gu-ten Bedingungen die Studierenden hier vorfinden, wurde dem Bauausschuss am Montag gezeigt.
 
Ein echter Blickfang ist das Kunstwerk im Pausenhof der Main-Limes-Realschule, das sich der Bauausschuss anschaute. Das natürlich einfallende Licht lässt die gelb-orange-roten Farbtöne sehr schön zur Geltung kommen.
 
Im Inneren des Hermann-Staudinger-Gymnasiums informierten Claudius Deboy und Kreisbaumeister Andreas Wosnik die Ausschussmitglieder über den Fortgang der Generalsanierung.
Fünf Stunden lang haben sich Landrat Jens Marco Scherf, Kreisbaumeister Andreas Wosnik sowie 13 Kreisrätinnen und Kreisräte am Montag Zeit genommen, Projekte des Landkreises anzuschauen.

Erste Station waren die vom Landkreis hergerichteten Räume an der Berufsschule Miltenberg für die Hochschule Aschaffenburg, die hier vom Wintersemester an den Studiengang „Betriebswirtschaft für kleinere und mittlere Unternehmen“ anbieten wird. Auf 400 Quadratmetern schuf der Kreis für rund eine Million Euro die baulichen Voraussetzungen, die Ausstattung wird von der Hochschule gestellt. Wenn die rund 30 Erststudierenden im Oktober beginnen, werden sie auch eine Ein-Gigabyte-Glasfaserleitung vorfinden. Bei der Sanierung der Räume seien Erfahrungen aus den Sanierungen am Johannes-Butzbach-Gymnasium (JBG) Miltenberg, am Hermann-Staudinger-Gymnasium (HSG) Erlenbach sowie der Realschule Obernburg genutzt worden. So habe man Wand- und Bodenbeläge sowie Fenster erhalten, neue Bodenbeläge mit sehr guten Eigenschaften verwendet sowie wirtschaftliche Deckensysteme mit sehr guten akustischen Eigenschaften und geringem Transportwegen eingebaut. LED-Leuchten, wasserlose Urinale, anwesenheitsgesteuerte Beleuchtung sowie die Trennung der Beheizung von der Belüftung in den Hörsälen führte Wosnik ebenfalls auf.

In der Realschule Miltenberg informierte Roman Kempf (Kreisbauamt) über den neu gestalteten kleinen Pausenhof. Nach Rückbau mehrerer Stufen ist der Hof barrierefrei begehbar, Pflanzbeete sorgen für Begrünung. Kempf zeigte zudem die neue beleuchtete und überdachte Fahrradabstellanlage. Im Gymnasium erklärten Wosnik und Rudi Bretzigheimer (Kreisbauamt) den laufenden zweiten Bauabschnitt, in dem unter anderem eine neue Eingangssituation geschaffen wird. Herzstück werde Bretzigheimer zufolge die neue Aula. Diese soll Austragungsort für Theater-, Vortrags-, Chor- und Musikveranstaltungen sein, weshalb die Schule einen erhöhten Anspruch an die Raumakustik stelle. Dabei müsse man unterschiedlichen Anforderungen an die Akustik gerecht werden, so Andreas Wosnik. Bei der Nutzung als Pausenhof gehe es in erster Linie um das Schlucken von Schall, für Veranstaltungen müsse der Schall optimiert werden. Deshalb sei unter anderem ein Akustikplaner im Einsatz. Einig war sich der Ausschuss, dass es eine akzeptable Lösung braucht, die der Kreis bezahlen kann, die aber auch den Anforderungen der Schule gerecht wird. Deshalb werde die Beschallung noch im Ausschuss diskutiert, so Landrat Jens Marco Scherf. Zu überlegen sei auch, ob man die elektrische Versorgung der Schule verbessern soll, so der Kreisbaumeister. Die alte Leitung stamme aus dem Jahr 1963, deshalb würde eine neue Leitung auch eine höhere Betriebssicherheit gewährleisten. Im Heizungskeller erläuterten der Kreisbaumeister und Thomas Friedl (Firma Frecotec) die Nahwärmeversorgung. Die Heizung laufe im Probebetrieb, vermeldete Friedl und zeigte die Anlage. Die ermittelten Kosten von 840.000 Euro würden etwas höher, da vor allem der Leitungsbau deutlich teurer beauftragt werden musste, bedauerte Wosnik.

Dass der Landkreis Geld für Kunst am Bau ausgibt, wurde in der Main-Limes-Realschule Obernburg deutlich. Dort hatten Realschule und Kunstnetz die Idee für ein gemeinsames Kunstprojekt entwickelt, das in der neuen Pausenhalle installiert werden sollte. So schufen die Schülerinnen und Schüler ein Patchwork-Projekt verschiedener Formate, die zusammengeführt wurden. Das benötigte Geld warben Kreisbauamt und Schule gemeinsam bei Sponsoren ein: Die OWA brachte die Materialien ein, auch die Raiffeisenbank half. Die fehlenden Mittel hätten Schule und Kreisbauamt beigetragen, so der Kreisbaumeister und kündigte ein weiteres Kunstprojekt für den Pausenhof an.

In Niedernberg schaute sich der Ausschuss, begleitet von Bürgermeister Jürgen Reinhard, den Umbau des Kreuzungsbereichs Römerstraße/Großwallstädter Straße an. Hier beteiligt sich der Landkreis am Straßenbau, da es sich um die Kreisstraße MIL 22 handelt. Insgesamt wurden laut Otto Kern (Kreisbauamt) 600.000 Euro verbaut, der Anteil des Landkreises beträgt rund 200.000 Euro. „Bisher hat alles gut geklappt“, lobten Kreisbaumeister und Bürgermeister unisono.

Auf der Großbaustelle des HSGs in Erlenbach ging Claudius Deboy (Kreisbauamt) auf das im Umbau befindliche Bauteil drei ein. Dieses muss für die Arbeiten mit einem Lastenaufzug erschlossen werden, da sonst keine Zugänge existieren. Das Heizkonzept unterscheide sich stark vom bisherigen: Künftig wird die Anlage abhängig vom tatsächlichen Wärmebedarf nur mit genau der Leistung arbeiten, die nötig ist. Die Fassade werde analog der Fassade im ersten Bauabschnitt gestaltet, darüber hinaus werde im Untergeschoss vor dem Zeichensaal ein 153 Quadratmeter großer, gepflasterter Werkhof gebaut. Sämtliche Hausgewerke seien begonnen worden, die Fenster würden bald montiert. Fertig gestellt sei laut Deboy die neue Trinkwasser-Ringleitung, die nicht nur für die hausinterne Wasserversorgung, sondern auch für die Sicherstellung der für die Löschhydranten erforderlichen Wassermenge und den notwendigen Druck sorgt. Bei den Entkernungsarbeiten im Inneren seien teilweise schlecht gemauerte Kalksteinwände und fehlende Dämmung der Fensterstürze entdeckt worden, erklärte der Kreisbaumeister. Im zweiten Bauabschnitt seien unter anderem 20 Klassen- und Seminarräume vorgesehen sowie zehn Fachklassen für Musik, Kunst, EDV und Physik. Durch die Neubeauftragung der Rohbauarbeiten gebe es zeitliche Verzögerungen von rund sieben Wochen. Diese könnten aber teilweise durch die seit April an der Baustelle tätige Abbruchfirma aufgefangen werden, die mit den im Rohbau-Leistungsverzeichnis enthaltenen Abbruchleistungen nachbeauftragt worden sei. Auch die Fassadenbaufirma habe neu beauftragt werden müssen. Die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts sei laut Deboy für die Sommerferien 2018 angedacht.

Beim Abschluss der Besichtigungsfahrt in Schneeberg schaute sich das Gremium mit Bürgermeister Erich Kuhn den Ausbau der Ortsdurchfahrt auf der Kreisstraße MIL 9 auf einer Länge von 211 Metern an. Grund für die Arbeiten war ein schlechter Fahrbahnbahnaufbau. Auch waren Gehwege kaum vorhanden, so dass gepflasterte Flächen auf Privatgrund von Passanten genutzt wurden. Laut Kreisbaumeister sei es notwendig gewesen, einen einseitigen 1,25 Meter breiten Gehweg und eine Fahrbahn mit einer Mindestbreite von 5,50 Meter zu schaffen, die Verkehrssicherheit sei auch durch eine Querung im Bereich der Ringstraße verbessert worden. Wasser- und Kanalleitungen seien ganz oder zu großen Teilen ausgetauscht worden. Für Blinde und stark Sehbehinderte seien die Gehwegabgänge und Fußgängerüberquerungen mit taktil wahrnehmbaren Aufmerksamkeitsfeldern auf den Gehwegen ausgestaltet worden. Die Arbeiten hätten 900.000 Euro gekostet, von denen der Landkreis 115.000 Euro zu tragen hat – 65.000 Euro weniger als geplant.

In der anschließenden Sitzung im Landratsamt stellten Landrat Jens Marco Scherf und Kreisbaumeister Andreas Wosnik die Erneuerung der Faulbachbrücke in Altenbuch (Kreisstraße MIL 35) vor. Die Sanierung sei dringend nötig, zitierte der Landrat aus dem Prüfbericht. Bei den Arbeiten werde die Fahrbahn der Brücke der Fahrbahnbreite der

Kreisstraße angeglichen und auf 6,50 Meter verbreitert. Während der Bauarbeiten werde die Brücke voll gesperrt, deshalb müsse man eine Umfahrung herstellen. Andreas Wosnik zufolge habe man einen Zuschussantrag bei der Regierung gestellt, der auch in Aussicht gestellt worden sei. Die Submission der Arbeiten habe eine Summe von 436.000 Euro ergeben – davon für den Brückenbau 233.000 Euro. Die Arbeiten seien insgesamt 26.000 Euro teurer als geplant, sagte Wosnik und führte dies auf die Brückenbauarbeiten zurück, die aufgrund der Hochkonjunktur sehr teuer seien.

Wosnik ging zudem auf die Sanierungen der Gymnasien in Miltenberg und Erlenbach ein. In Erlenbach sei mit Kostensteigerungen zu rechnen, kündigte Wosnik an. Diese würden sich allerdings im Rahmen des Baupreisindexes bewegen. Falls sich signifikante Kostensteigerungen durch Wünsche der Schule ergeben würden, werde der Ausschuss beteiligt, versprach Landrat Jens Marco Scherf. Am Gymnasium Miltenberg sei im Kostengewerk Heizung mit Kostensteigerungen zu rechnen, erklärte der Kreisbaumeister – allerdings lägen die mit 3,5 Prozent unter dem Baupreisindex.

Der Kreisbaumeister ging auch auf die Qualitätssicherung bei den Sanierungen der Gymnasien in Miltenberg und Erlenbach ein. Dort lehnt sich der Landkreis an das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) an, ohne sich aber zertifizieren zu lassen. Mit der Anlehnung an das Bewertungssystem betrachtet der Landkreis bei seinen Bauvorhaben den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden unter Berücksichtigung der ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Qualität sowie der technischen und prozessualen Aspekte. Ziel sei die Erreichung des Silber-Standards gewesen, blickte Wosnik zurück und zeigte anhand einer Aufstellung, dass der Landkreis in vielen Aspekten sogar eine Gold-Zertifizierung verdient hätte. „Silber hätten wir aber in jedem Fall sicher“, freute sich Wosnik. Auch Landrat Jens Marco Scherf stimmte Wosnik zu: „Wir sind auf dem richtigen Kurs.“

Aus der letzten nichtöffentlichen Sitzung gab Wosnik zwei Vergaben bekannt: Die Fassadenarbeiten am HSG Erlenbach wurden für 398.096 Euro vergeben, die Beschaffung von Computern für die Berufsschule Miltenberg für 112.514 Euro.
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