Zeit ist offenbar noch nicht reif für Carsharing auf dem Land

Die Heizungsanlage im Landratsamt - hier die Gaskessel im Keller des Hauptgebäudes - hat rechnerisch das Ende ihrer Lebenszeit erreicht. Der Bauausschuss sagte nun Ja zur Planerstellung für eine neue Heizungsanlage.
Das Modell Carsharing ist im Landkreis Miltenberg vorerst vom Tisch. Unter den von po-tenziellen Anbietern vorgelegten Bedingungen ist keine Gemeinde bereit, mitzumachen. Das wurde in der Sitzung des Bauausschusses am Dienstag bekannt.

Vor einigen Monaten hatte das noch anders ausgesehen, als die Anbieter lediglich die Bereitstellung eines kostenlosen Parkplatzes gefordert hatten. Mittlerweile wollen die Anbieter von den Kommunen zusätzlich eine finanzielle Beteiligung. Ende Juli habe laut Kreisbaumeister Andreas Wosnik im Landratsamt ein Gespräch mit den Kommunen stattgefunden mit dem Ergebnis, dass sich keine Gemeinde am Carsharing beteiligen möchte. Man will keine finanzielle Beteiligung eingehen, auch eine Finanzierung des Fahrzeugs durch Werbung wurde abgelehnt. Dieses Sponsoring-Geld würde an anderer Stelle fehlen, so die Argumentation. „Enttäuschend“ sei das, konstatierte Landrat Jens Marco Scherf, aber offenbar sei die Zeit noch nicht reif für Carsharing auf dem Land. Mehrere Kreisrätinnen und Kreisräte stimmten Scherfs Einschätzung zu. Sobald Carsharing in größeren Städten wie Aschaffenburg den Durchbruch hat, würde dies sicher auch auf die ländlichen Regionen übergreifen, so die Meinung im Gremium.

Nach längerer Diskussion sprach sich der Bauausschuss mehrheitlich dafür aus, die Verwaltung mit der Planung zur Erneuerung der Wärmeerzeugungsanlage im Landratsamt – Hauptgebäude und Nebengebäude – zu beauftragen. Die Heizungen in beiden Gebäuden datieren aus den Jahren 1990 und 1993 und stellen die Versorgung durch Niedertemperatur-Gaskessel sicher. Da diese Anlagen statistisch das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben, möchte die Verwaltung Pläne in der Schublade liegen haben, um einen eventuellen Austausch schnell zu ermöglichen. Die Planer haben laut Kreisbaumeister Wosnik mehrere Varianten untersucht und dabei auch die Energieverbräuche der letzten Jahre zugrunde gelegt.
Der Einsatz strombetriebener Wärmepumpen habe man aufgrund der benötigten hohen Vorlauftemperaturen in den Heizkreisen ausgeschlossen. Auch sei Solarthermie keine Alternative, da der Warmwasserbedarf im Landratsamt im Sommer nur sehr gering sei. Eine Anbindung an das Nahwärmenetz der Fripa habe man nicht weiter untersucht, da im Fall von Wartungsarbeiten eine alternative Wärmeversorgung weiter benötigt wird. Auch seien Probleme beim Bau einer Verbindungsleitung von fast einem Kilometer Länge inklusive Bahnquerung zu erwarten. Von einer Gas-Wärmepumpe habe das Ingenieurbüro abgeraten, da eine Aufstellung auf dem Dach aufgrund der hohen Schallemissionen und des Gewichtes nicht sinnvoll sei. So seien mehrere Varianten herausgekommen, die Gas-Brennwertkaskaden mit und ohne Blockheizkraftwerk – für jedes Gebäude oder im Wärmeverbund – oder eine Pelletheizung mit Versorgung beider Gebäude vorsehen. Aus wirtschaftlicher Sicht, so der Kreisbaumeister, empfehlen sich Gasbrennwertkessel, auch wenn die Kohlendioxid-Emissionen rechnerisch etwas höher lägen als bei der jetzigen Heizung. Deutlich geringere Emissionswerte würde die Pelletheizung hervorbringen, die allerdings teurer wäre. So müsste eine Containerlösung mit Pufferspeicher und Pelletlager realisiert werden, ebenso müsste man einen geeigneten Platz für die Aufstellung des Containers finden – nicht einfach angesichts mangelnder Flächen. Auch die Anlieferung der Pellets mit Lastwagen müsste betrachtet werden. Für die Gaskesselvariante rechnet Wosnik über 15 Jahre mit Kosten von 110.000 Euro, die Pelletheizung dürfte im gleichen Zeitraum 120.000 Euro kosten. Nach Austausch der Argumente entschied sich der Ausschuss für die Planung einer Gas-Brennwertkaskade mit 300 Kilowatt Leistung und eines Gasblockheizkraftwerks (20 Kilowatt elektrische Leistung, 40 Kilowatt thermische Leistung) im Hauptgebäude sowie einer Gas-Brennwertkaskade mit 110 Kilowatt Leistung im Nordflügel.

Mit dem Nahwärmenetz der Fripa konnten im Schulzentrum Miltenberg bereits rund 313 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, rechnete der Kreisbaumeister vor. Seit Inbetriebnahme seien 1,25 Millionen Kilowattstunden Leistung erbracht worden – entspre-chend dem durchschnittlichen Wärmeverbrauch von bis zu 60 Einfamilienhäusern pro Jahr. Da die von der Fripa prognostizierte Wärmeleistung von rund 700 Kilowatt nicht zur Verfügung stand – sie lag zwischen 300 und 600 Kilowatt –, habe die aus zwei Gaskesseln bestehende Heizanlage öfter zugeschaltet werden müssen. Mittlerweile seien Luftleitbleche im Wärmetauscher gekürzt worden, so dass die Leistung vermutlich wieder steigen wird. Das Nahwärmenetz habe in der letzten Heizperiode aber einwandfrei funktioniert, stellte Wosnik fest.

Einstimmig empfahl der Ausschuss dem Kreistag, er möge der Vereinbarung zwischen Landkreis und Gemeinde Niedernberg über einen Kostenbeitrag des Landkreises für die Teilerneuerung des Straßenoberbaus in der Kreisstraße MIL 22 (Ortsdurchfahrt Niedernberg) und von Straßenentwässerungseinrichtungen zustimmen. Es handelt sich um eine Summe von rund 450.000 Euro.

Die Klassenraumcontainer, die bislang an der Obernburger Realschule standen, sollen laut Beschluss des Ausschusses vom Juli 2018 Gemeinden zur Verfügung gestellt wer-den. Mit Elsenfeld habe man vereinbart, dass der Markt Ab- und Antransport der Container übernimmt, sofern diese länger als zwei Jahre genutzt werden; die Abladung übernimmt der Landkreis. Bei weniger als zwei Jahren übernimmt der Landkreis auch den Antransport. Die Container seien mittlerweile an der Mozartschule aufgestellt worden. Die Gemeinde Sulzbach überlege noch, ob sie die Container nutzen will.

Aus nichtöffentlicher Sitzung wurden zwei Vergaben im Rahmen der Generalsanierung des Johannes-Butzbach-Gymnasiums bekannt: Die Tafelanlagen wurden für 143.801 Euro vergeben, die Medientechnik in der Pausenhalle für 51.896 Euro.
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