Buchempfehlung: Die Letzten ihrer Art von Maja Lunde
Hervorragend recherchiertes Episodenbuch von der Autorin der Stunde!

Endlich ist Teil 3 des Klimaquartetts von Maja Lunde auf dem Markt. Nach den ersten beiden Bänden war die Vorfreude riesig und so viel sei vorab gesagt, auch die Vorfreude auf den letzten Band ist groß!

Worum geht's?
In altbekannter Manier werden drei verschiedene Handlungsstränge (Vergangeheit, Gegenwart und Zukunft) aufgebaut. Da ist der russische Zoologe, der sich in den Kopf gesetzt hat erstmalig die letzte Wildpferd-Art nach Europa zu bringen und dafür eine strapaziöse Reise auf sich nimmt. Dann gibt es die engagierte Tierärztin, die eben diese Przewalski-Pferde wieder auswildern möchte, bevor die Art vollends verschwindet und schließlich ist es an einer Mutter und ihrer Tochter, die in einer düsteren Zukunft alles dafür tun, um die Art am Leben zu halten. Ein schwieriges Unterfangen, wenn das eigene Überleben alles andere als sicher ist!

Wie war's?
Maja Lunde beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue mit ihrer Fähigkeit nicht nur zwischen den Zeiten zu springen, sondern gleichzeitig auch die Sprache daran anzupassen. Ich fühlte mich im Sankt Petersburg des 19. Jahrhunderts genauso vor Ort wie in der Mongolei oder auf dem Bauernhof in Norwegen. Die Thematik "Pferd" mag vielleicht nicht jeden auf Anhieb ansprechen, aber damit legt Maja Lunde exemplarisch den Finger in eine der größten gesellschaftlichen Wunden der Neuzeit - den Klimawandel. Das Buch stimmt nachdenklich, traurig und in mir regt sich nach der Lektüre Protest. Protest gegen die zunehmende Zerstörung unserer schönen Welt. Diese Gefühle vermittelt Maja Lunde sehr geschickt zwischen den Zeilen und ohne dabei in vorwurfsvolle 0815-Argumente zu verfallen.
Das Buch selbst verfügt über einen soliden Spannungsbogen, der sich für das Finale meiner Meinung nach noch etwas hätte straffen können. Ähnlich wie schon bei Die Geschichte des Wassers ist das Finale nicht von der Qualität wie bei Die Geschichte der Bienen, wo das Finale wirklich einschlägt und gesellschaftliche Wirkung zeigt. Das Ende in Karins Geschichte hat mir dabei am besten gefallen. Insgesamt gefallen mir die Charaktere sehr gut. Allerdings ist hier die Tatsache, dass mit Gefühlen oft hinterm Berg gehalten wird, manchmal anstrengend zu lesen. Sowohl bei Karin als auch bei Eva wünscht man sich ständig eine Aussprache. Nur "Mischa" schafft es zumindest zeitweise zu seinen Gefühlen zu stehen!
Was Maja Lunde kann wie kaum jemand Zweites ist die Recherche und dabei nicht den Blick fürs Wesentliche zu verlieren. Man lernt einiges an Informationen dazu ohne dass das Buch dabei vor sich hindümpelt. Ebenso fand ich die Verbindung zu Die Geschichte des Wassers sehr schön, mal sehen, ob der vierte Band sich auch eingliedert.

Wieder mal eine gelungene Fortsetzung mit spannenden Fragestellungen und einem Hauch von Brokeback Mountain! Die gesellschaftliche Diskussion zum Klimawandel und dem Schutz unserer Umwelt braucht genau solche Bücher! Weiter so!

Das Buch ist im btb Verlag erschienen (ISBN: 978-3-442-75790-9) und kostet 22 Euro.

Autor:

Gustav Teschner aus Mönchberg

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