Buchvorstellung: Nur mit Dir von Emilie Turgeon
Tiefgehender Roman über den Weg einer tauben Teenagerin zurück ins Leben

Was bedeutet es eigentlich, etwas so Grundlegendes wie das Gehör plötzlich zu verlieren? Um diese Frage kreist das Buch Nur mit Dir von Emilie Turgeon, die in Deutschland noch ziemlich unbekannt ist. Auch wenn der Klappentext viel Lovestory vermuten lässt, bin ich sehr froh, dass ich mich für dieses Buch entschieden habe, denn die Geschichte um die 16-jährige Roxanne reicht so viel tiefer.

Ein ohnehin schon introvertiertes Mädchen verliert buchstäblich von heute auf morgen ihren Hörsinn. Eine physische Erklärung gibt es nicht und so lernte ich in diesem Roman auch, was denn eine psychogene Taubheit ist. Faktisch bedeutet das, dass Roxannes Gehör grundsätzlich funktioniert, aber irgendetwas dazu führte, dass sich ihr Gehör von der Außenwelt abschottet. Klingt ausgedacht, ist aber gar nicht so selten.
Roxanne lebt nun schon einige Jahre so, allerdings würde sie selbst wohl kaum von „Leben“ sprechen, denn für sie ist kein Tag „normal“ und „lebenswert“ empfindet sie ihr Dasein auch nicht. Sie kämpft noch immer mit ihrer Taubheit und verzweifelt immer mehr.

Zum Glück gibt ihr die Autorin zwei liebevolle Brüder an die Hand, die sie nach Kräften unterstützen. Und auch der Rest der Familie gibt sich redlich Mühe. Durch Roxannes zurückhaltende Art erfahren wir sehr viel über ihr Innenleben, da sie doch häufig ihren Gedanken nachhängt und Dialoge eher rar sind. Es ist kaum vorzustellen wie sich Roxanne fühlen muss, nachdem kein Geräusch mehr zu ihr durchdringt. Hoffnung keimt auf, als sie Liam trifft, in dessen Gegenwart sie meint wieder hören zu können. Wie kann das sein? Langsam aber sicher, beginnt ein Notausgangslicht in Roxannes ganz eigenem Tunnel zu flackern…

Die Autorin zaubert hier eine wundervolle, traurige, romantische Geschichte aufs Papier, die erschreckend real und auch zum Ende überhaupt nicht konstruiert wirkt. Mit viel Fingerspitzengefühl gibt sie den Charakteren den entscheidenden Tiefgang und obwohl das Buch kein Thriller ist, wird es durch die zwischenmenschlichen Beziehungen und die immer wieder aufkeimende Hoffnung zu einem echten Pageturner.

Schon die Details zur psychogenen Taubheit sind sehr lesenswert. Mein einziger kleiner Kritikpunkt ist, dass mir das Leben in Taubheit – auch wenn es hier natürlich erst spät zu der Taubheit selbst kam – zu schlecht, ja fast schon sinnlos, dargestellt wurde. Ob nun physisch oder psychisch bedingt, Taubheit ist eine ernsthafte Behinderung, aber nicht wenigen Menschen gelingt es auch damit, ein glückliches Leben zu leben.

Das mindert meinen Gesamteindruck aber nicht im Geringsten und ich empfehle das Buch gerne weiter. Ich hoffe auf mehr Bücher der Autorin und möchte im Hinblick auf das Finale des Romans resümieren: Es ist nicht alles Gold, was glänzt!

Das Buch ist im dtv-Verlag erschienen und kostet 15,95 Euro (ISBN: 978-3-423-65033-5).

Autor:

Gustav Teschner aus Mönchberg

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