Höhere Preise wegen der Dürre?

   

Hitze und Trockenheit haben Deutschlands Bauern hart getroffen - das werden wahrscheinlich auch die Verbraucher spüren.

Es war ein Sommer der Extreme – so lang und so heiß wie keiner zuvor. Das Wetter soll sich zwar in dieser Woche endlich herbstlicher zeigen, doch nach wie vor herrscht Dürre. In einigen Regionen ist es so trocken wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Die Auswirkungen des Hitzesommers zeigen sich seit Monaten: ausgetrocknete Flüsse, Wald- und Wiesenbrände, umgekippte Seen, aufgeplatzte Straßen. Am stärksten wirkt sich die Dürre auf die Landwirtschaft aus. Bauern beklagen erhebliche Ernteausfälle, in manchen Regionen wurde nur ein Drittel der üblichen Ernte eingefahren. Als Folge daraus werden voraussichtlich die Preise einiger Grundnahrungsmittel steigen.

Kleine Kartoffeln und weniger Milch

Aufgrund der Trockenheit in den letzten Monaten gerieten die Kartoffelpflanzen unter Stress, konnten nicht weiter wachsen und die Knollen blieben klein. Kartoffeln in Übergröße, wie sie für die Herstellung von Pommes frites benötigt werden, sind auf den Äckern kaum oder gar nicht vorhanden. Die kartoffelverarbeitende Industrie warnt daher vor Qualitätsproblemen und drohenden Engpässen. Auch bei Milchprodukten sind Auswirkungen auf die Preisentwicklung nicht unwahrscheinlich. Wegen der langanhaltenden Hitze und des Futtermangels sind die Milchmengen bereits zurückgegangen. Schon im Hochsommer mussten viele Milchviehhalter auf ihre Wintervorräte zurückgreifen. Jetzt sind sie gezwungen, zusätzlich teures Futter zu kaufen. Bundesweit wurden Futterbörsen organisiert, doch auch dort werden Futtermittel immer knapper. Der Verbraucher muss daher mit steigenden Milchpreisen rechnen.

Äpfel mit gutem Aroma

Gibt es tatsächlich Engpässe beim Gemüse und Obst? Diese Frage beantwortet Maria-Luise Ludwig von Ludwig Obst & Gemüse aus Klingenberg-Röllfeld:
"Bei unseren Gemüseproduzenten sieht es so aus: Erzeuger, die ihre Felder bewässern konnten, haben weniger Ernteausfälle, aber dafür Mehrkosten und einen höheren Arbeitsaufwand. Erzeuger, die nicht oder nur teilweise bewässern konnten, haben tatsächlich weniger geerntet. Diese Ausfälle könnten sich im Frühjahr auf die Verfügbarkeit verschiedener Gemüsesorten, die jetzt geerntet werden, auswirken. Andererseits haben wir durch die längere Wärmephase auch eine verlängerte Erntezeit z. B. von Freilandsalat. Die Äpfel zeichnen sich dieses Jahr durch weniger Säure und gute Aromen aus. Allerdings gibt es mehr kleinere Früchte."

Ist das schon eine "Jahrhundertdürre?"

Dazu Gerd Sander, Leiter des Instituts für Erwerbs- und Freizeitgartenbau an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim:
Es ist ein bisher so nicht gekanntes Extremjahr, aber es gab auch in der Vergangenheit immer wieder sehr trockene Jahre, die auf nicht bewässerbaren Flächen zu Ertragseinbußen, zu Schäden bei mehrjährigen Kulturen und zu Grenzsituationen bei der Bewässerung geführt haben. Bei der Bewässerung ist in Extremjahren wie in diesem zum einen die Wasserverfügbarkeit und die Gewässerschonung ein wichtiges Thema. Gewässer, die aufgrund fehlender Nachlieferung bereits niedrige Wasserstände aufweisen, dürfen nicht zusätzlich belastet werden, und auch Absenkungen des Grundwassers sind zu vermeiden. Die Betriebe kommen aber oft auch arbeitswirtschaftlich und technisch an Grenzen. Von einer „Jahrhundertdürre“ möchte ich aber nicht sprechen, da dieser Begriff zwar die Dramatik herausstellt, aber gleichzeitig impliziert, dass so etwas nicht so häufig vorkommt. Wir sollten uns eher darauf einstellen, dass Jahre wie diese künftig häufiger vorkommen und ein Stück weit Normalität werden.

Welche Auswirkungen kann die Dürre aus Ihrer Sicht haben?
Bei Gemüsekulturen sind im nächsten Jahr zunächst keine
Auswirkungen zu erwarten, sofern es dann wieder ausreichend Niederschläge gibt. Schwieriger ist die Folgenabschätzung bei Gehölzen und Dauerkulturen. Aufgrund der extremen Stresssituation für die Pflanzen muss hier mit Ertragsdepressionen bis hin zu dauerhaften Schäden bei Gehölzen gerechnet werden. Bisher liegen hierzu aber noch zu wenig spezifische Beobachtungen vor. Bei Obst und Ziergehölzen werden in den nächsten Jahren die Arten, Sorten und Unterlagen, die mit Trockenheit besser zurechtkommen, klarer erkennbar werden. Hier klarere Ergebnisse zu erhalten wird auch eine wichtige Aufgabe der LWG sein. Mit dem Klimabaumprojekt arbeitet die LWG bereits seit längerem an der Thematik.

Wie sieht es beim Weinbau aus?

Georg Bätz, Leiter des Instituts für Weinbau und Oenologie der LWG zu den Folgen der Dürre:
Die Trockenschäden im Weinbaugebiet sind sehr ungleichermäßig verteilt. Weinberge mit älteren Reben haben die Trockenheit meist recht gut vertragen. Auch in Gebieten mit Bewässerungsmöglichkeit (ca. 1.500 ha der 6.200 ha. in Franken)war die Trockenheit kein allzu großes Problem Allerdings haben Junganlagen, aufgrund der geringeren Wurzelverteilung, an massiven Trockenstress (auch noch aktuell) gelitten, ebenso Anlagen ohne Bewässerungsmöglichkeiten. Mögliche Austriebsschäden, Wuchsstörungen oder Ernteverluste für die kommende Saison lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Mit Sicherheit ist davon auszugehen, dass die Reservestoffeinlagerung bei gestressten Reben teils stark reduziert ist.

Die Klimaerwärmung bringt negative Nebenwirkungen mit, im Sommer neue Krankheiten und Schädlinge, die bislang nur in den warmen Ländern verbreitet waren (Neue Pilzkrankheiten, neue Schädlinge, mehrere Generationen, zum Beispiel beim Traubenwickler) Bei den Reben profitieren Sorten die hitzetolerant sind, mit Sicherheit sämtliche rote Rebsorten. Gerade die Phenolreife wird von erhöhten Temperaturen innerhalb der Traubenreifephase gefördert. Die Physiologie von weißen Rebsorten wird durch Hitzewellen stark beeinflusst, vor allem die Traubenreife wird negativ verändert. Die Weinstilistik wird durch die Hitzeebenfalls verändert: Veränderung des Sortencharakters: höherer Alkoholgehalt, geringere Säurewerte, andere Aromen. Hier werden an der Landesanstalt schon umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, um diesen Problemen zu begegnen.

Ein langer Sommer geht zu Ende, der uns gezeigt hat, dass Trockenheit und Ernteausfälle auch in unserer hochtechnisierten Welt zu Engpässen führen können. Bei Redaktionsschluss meldete der Deutsche Wetterdienst "gebietsweise Regen". Hoffentlich!
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