Mit Engagement, Rücksicht und Unterstützung durch die Krise
Die Realschulfamilie in Corona-Zeiten: Ist das Kind denn schon in den Brunnen gefallen?

Wie funktioniert eigentlich Home-Schooling? Realschuleltern wurden zu SchülerInnen...
  • Wie funktioniert eigentlich Home-Schooling? Realschuleltern wurden zu SchülerInnen...
  • Foto: LEV-RS in Unterfranken
  • hochgeladen von Andrea Faggiano

Rund 40 Personen nahmen am diesjährigen unterfränkischen Bezirkselterntreffen des Bayerischen Landeselternverbandes der Realschulen (kurz: LEV-RS) am Samstag, den 14.11.2020 teil.
Das Thema: Die Realschulfamilie in Corona-Zeiten. Die Vergangenheit deuten, für die Zukunft lernen.

Eigentlich sollte das Treffen vor Ort an der Wilhelm-Sattler-Realschule in Schweinfurt stattfinden. Nach dem Ausruf des Lock-Down-Light und den damit einhergehenden Versammlungsbeschränkungen bzw. Veranstaltungsverboten wurde diese als Präsenzveranstaltung angedachte Versammlung kurzerhand als Videokonferenz umstrukturiert –mit einem angemessenen, kürzeren Programm.

Die Begrüßung durch die LEV-RS-Bezirksvertreterin Sonya Eickert beinhaltete die richtigen Worte in dieser schwierigen, anhaltenden Zeit: Es ist wichtig, dass die Realschulfamilien im Austausch bleiben.
Melanie Plevka, zweite LEV-RS-Landesvorsitzende, bekräftigte in ihrem Grußwort gar diesen Satz: Der Vorstand ist im ständigen Dialog – sowohl mit den Lehrerverbänden als auch mit den Direktorenvereinigungen und nicht zuletzt mit dem Kultusministerium. Die Erkenntnisse aber auch die Wünsche und Forderungen, welche womöglich in den Gesprächen nicht so beschlossen/behandelt werden wie erwünscht, werden anhand von Positionspapieren, Pressemitteilungen und Newsletters den Mitgliedsschulen bzw. der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Die Absichten in Zeiten von Home-Schooling

Dies geschieht stets mit der Prämisse, alle Beteiligten mögen zum Wohle der SchülerInnen, im Einklang mit den LehrerInnen und im Einvernehmen mit den Eltern das beste Ergebnis erreichen.
Im ersten Teil der Konferenz erfolgte ein durchaus interessanter Beitrag über die Möglichkeiten des Einsatzes der Digitalisierung im Home-Schooling. Eine interaktive Vorführung einiger Online-Tools regte die TeilnehmerInnen an, die verschiedenen Modelle aktiv auszuprobieren: Eltern wurden zu SchülerInnen! Und dies natürlich und leider aber auch mit den Schwierigkeiten, die damit verbunden sein können: die benötigten Geräte und die Internet-Geschwindigkeit als Stichworte beispielsweise...

Einige Umfragen zum aktuellen Wohlbefinden in Corona-Zeiten gaben ein allgemeines, fast gleiches Bild der Umstände wieder. Die Teilnehmenden gaben anonym größtenteils bekannt, dass sie mit Corona Überforderung und Stress verbinden – sie sehen aber auch Chancen in der anhaltenden Krise.

Der leitende Ministerialbeauftragte der Realschulen in Unterfranken, Karlheinz Lamprecht, stellte in seinem Beitrag rückblickend und gegenwärtig vor, womit die Schulen Tag für Tag konfrontiert werden: Mitteilungen seitens des Gesundheitsministeriums erfolgen sehr kurzfristig und meist ohne vorherige Rücksprache. Als Beispiel nannte er den aktualisierten Rahmenhygieneplan, der gerade gestern Abend zugesendet wurde und bereits am Montag vor Ort in den Schulen umzusetzen sei.
Dies bedeutet, Schulleitungen haben auch am Wochenende – zusätzlich zu ihrem bereits jetzt knappen oder bei weitem schon ausgeschöpften Zeitbudget – die Maßnahmen so einzustudieren, dass diese am kommenden Montag umgesetzt werden.
Es bleibt wenig Verständnis für diese Vorgehensweise, bei der nur noch schnell reagiert werden muss.
Der MB ist seit Februar damit beschäftigt, die Situation täglich zu analysieren. Die Schulleitungen müssen manchmal noch am gleichen Tag reagieren, die Eltern informieren, Elternbriefe verfassen, Unterrichtseinheiten umstrukturieren. Und nebenbei ihren eigentlichen Job erledigen...

Die Missstände

Karlheinz Lamprecht bemängelt in seiner Ansprache die schlechte Mitwirkungshandlung der Sachaufwandsträger: bei Thema Ausbau der digitalen Infrastruktur vertrösten diese ständig die Schulen oder schieben die mangelnden oder fehlenden Netzwerke auf die ausgelasteten Firmen, die nicht so schnell die Leistungen ausführen können wie erwartet.

Dabei ist ein gravierendes Problem – so die Intervention des Schulleiters Marcus Ramsteiner aus der Realschule Höchberg –dass die Ämter die personellen Ressourcen gar nicht so vorhanden haben, dass sie das damit verbundene Arbeitspensum überhaupt bewältigen könnten- und dies trotz Bewilligung der hierfür vorgesehenen Geldern.
Herr Ramsteiner – aber auch Frau Plevka, die im Übrigen selbst Kreisrätin in Mittelfranken ist, und nicht zuletzt der Ministerialbeauftragte – appellierte an die Eltern, sich an die politischen MandatsträgerInnen in ihrer Region zu wenden und ihnen lautstark ihre Forderungen vorzubringen. Die Ämter sind personell dabei besser auszustatten!

Ein weiteres Beispiel zur Verdeutlichung der Corona-Missstände: In den Schulen solle man in der aktuellen Situation ausreichend lüften, dabei lassen sich Fenster teilweise gar nicht öffnen.
Oder die eine Situation, wonach der Sachaufwandsträger zwar die Geräte anschafft, für die Programmierung soll aber die Lehrkraft in der jeweiligen Schule die Zuständigkeiten übernehmen. Und dies bei hierfür vier Anrechnungsstunden!

Auf die Schulbussituation machte der LEV-RS-Bezirksvertreter Andrea Faggiano aus Obernburg aufmerksam. Gerade gestern traf er sich mit VertreterInnen des Elternbeirates der Main-Limes-Realschule, die ihm vor Ort die Missstände zeigten und sich stellvertretend für viele Eltern unter anderem eine Entzerrung der Situation wünschen.

Und dann wären auch noch die abwesenden Lehrkräfte zu erwähnen. Herr Lamprecht teilte seinen Unmut darüber mit, das Gesundheitsministerium habe durch eine eigene Verordnung dafür gesorgt, dass schwangere Lehrerinnen zu ihrem Schutz freigestellt werden. Ohne für die entsprechende Kompensierung zu sorgen, die Schulen sitzen ganz alleine auf dem Problem!
Immerhin – so Lamprecht weiter – ist die Schule wie ein mittelständisches Unternehmen zu betrachten: Infolge der ständig neuen Entscheidungen müssen das Lehrpersonal umverteilt, eingeplant und die Einteilung von möglichen Vertretungen aktualisiert werden.

Ausblick: Ist das Realschulkind denn schon in den Brunnen gefallen?

Die Bezirksvertreterin Sonya Eickert aus Schweinfurt regte an, die Schulen vor Ort selbst sollten die Priorisierung der Aufgaben und die Erwägung der Entscheidungen vornehmen – und nicht zentralisiert wie bisher.

Bezüglich des Ausblicks machte der leitende Ministerialbeauftragte keinen Hehl daraus festzustellen, dass der Präsenzunterricht weiterhin höchste Prioritäten hat.
Der Wechselunterricht – informierte er weiter – sei durch die örtliche Schulleitung zu entscheiden. Die Voraussetzungen für die Abhaltung des Distanzunterrichtes sind in der BaySchO – der Bayerischen SchulOrdnung – verankert. Er sieht bei diesem allerdings das Problem mit der Benotung.

Insgesamt – so das abschließende Wort – soll die Realschulfamilie ein Vorbild sein, mit Lebensmut gefüllt und durch Optimismus geprägt.

Der Direktor der Schweinfurter Wilhelm-Sattler-Realschule, Herr Georg Harbauer, traf es in seinem Grußwort auf den Punkt: Verglichen mit anderen EU-Ländern dürfen wir mit Zufriedenheit an die Sache herangehen. Gar mit Demut. Und mit Engagement, Rücksichtnahme und gegenseitiger Unterstützung als Grundlagen für die Bewältigung der Krise!

Wir alle sind gefordert, der Bayerische Landeselternverband der Realschulen als Ausrichter der Veranstaltung weiß sehr wohl um seine Verantwortung- einmal mehr zeigte er es!

Autor:

Andrea Faggiano aus Obernburg am Main

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