Obst- und Gartenbauverein Kirchzell
Kirchzell das Bohnendorf, eine lange Geschichte!

1995 – 2025, 30 Jahre
Obst und Gartenbauverein
Kirchzell

Kirchzell das Bohnendorf, eine lange Geschichte!
„Wenn man über vierzig Jahre alt ist, kann man von Früher erzählen“ so sagt der Heimatdichter GvK immer wieder.
Heute ist das ganz einfach, man geht einer geregelten Arbeit nach, hat ein geregeltes Einkommen und versorgt sich. Früher jedoch, wenn man nicht selbst für Nahrungsmittel sorgte, wäre man ganz einfach verhungert PUNKT.
Heute erntet man ganz einfach am Hochbeet..., am Hochbeet vom Aldi, beim Hochbeet vom Lidl, beim Rewe, beim Penny, Netto, Kaufland usw.
Früher jedoch hatte jeder „ä Gärtle“ um sich zu versorgen, „jedes kleene Fättsle“ wurde bewirtschaftet.
Efach alles selwa ohgebaut, was ma net selwa gmacht hot, hot ma a net katt PUNKT.
Manchi Leud häwwe a ä Säule kalte, odda ä Gäs.
Wenn ma selwa kenn Gaarde katt hot, dann hot ma von de Gmeen ä Löisle gepachd.

Man musste immer schwer arbeiten, Fleisch und Wurst waren Luxus. In Kirchzell war es jedoch besonders schwer, karge sandige Böden ergaben nur spärlichste Ernten. Viele für andere Gegenden normale Pflanzen gelangen gar nicht oder gaben nur ganz schlechte Erträge. Man half sich noch durch Waldwirtschaft, Tiere wurden zur Mast in die Wälder getrieben. Nicht jeder jedoch hatte das Recht dazu. Zudem gab es im 17. und 18. Jahrhundert auch noch Klimabedingte Missernten.
Wenn`s emol emort ä Hochzich, ä Deef odda ä annner Feschd gewwe hot, war des ebbs Besonders, ma hot sich bei de annern Leud mol richdich saad gesse.
Die klugen Kirchzeller fanden immer einen Weg. Bald merkte man, dass die Bohnen der beste Weg zur besseren Versorgung der schwer arbeitenden Kinderreichen Bevölkerung sind. Kunstdünger gab es noch nicht „wo kein Mistus da ist auch kein Christus“. Bohnen nehmen wie alle „Leguminosen“ Stickstoff, der wichtigste Pflanzennährstoff, aus der Luft auf und lagern diesen in Wurzelknötchen im Boden ein.
Die „beste Bodenverbesserung ever“.
Bohnen, wurden das wichtigste Nahrungsmittel, auf den schlechten Böden ertragreich, ideal zum haltbar machen, getrocknet als Kerne, „Sauri Bohne im Schdenna“ die hot jeda katt. Oft die einzige Eiweißquelle für die hart arbeitenden Menschen, Ballaststoffreich dadurch ein langanhaltender Sattmacher. Und wenn dann Bohnen übrig waren, wurden sie im Hausierverkauf in der näheren Umgebung versucht zu verkaufen. „Schluddebouhne“ war der anpreisende Ruf der Kerrichzella Frauen in den umliegenden Dörfern.
Jeder leistete seinen Beitrag in den Familien, verbotene Kinderarbeit kannte keiner. So wurden bei schlechtem Wetter im Winter in der einzig beheizten Küche, mitten in den auf „Höckerli“ im Kreis sitzenden Kindern „än Saack druckerdi Bouhne ausgleehrt“ unn alli Kinn häwwe dann Bouhne ausgekernt. Wenn se rechd fleißig unn schnell ferddi warn, wurden sie natürlich auch belohnt. Sie durften dann zur Belohnung auch noch enn zwedde un enn dridde odda enn verdde Saack auskerne, eefach bis alles ferddi war. An den folgen Tagen wurden die „Bouhnekernli“ dann sortiert, für die Aussaat im Folgejahr. Schlechte Beschädigte wurden, bevor sie verdarben zuerst bei der Nahrungszubereitung verarbeitet.
Und dann gab es eine Schüssel fo die Weiße, ä Schüssel fo di Blohe, eni fo do die Braune unn no eni fo die Scheckerli.
Zum Anbau wurden vorgekeimte Bohnen nach den Eisheiligen „glechd“.
Hoschd scho die Bouhne nausgmaachd? Setz i im April, kumm i wann i will, setz i se im Mai, kumm i glei. Späte Maifröste haben oft viel Schaden angerichtet und dann wurde „nochglechd“, selli hatten dann aber oft eine spätere und schlechtere Ernte zur Folge. Im späten Herbst wurden dann die teils noch grünen Bouhnekern auch für einen Eintopf genutzt.

Zum Anbau wurden diverse Dinge und Geräte benötigt. Das wichtigste waren wohl „Guddi Bouhneschtegge“. Man hat bei dem Gemeindeförster Ortwin angefragt, er hatte dann die Erlaubnis erteilt in einem ca. 20 Jahre alten genannten Gemeindlichen Fichtenkulturstück „dörri Unnastänner“ schlagen zu dürfen. Selli wurden sofort im Anschluss „gweissd“, die Rinde geschält und unne ohgschbitzt. In jedem Garten gab es ä Bouhneschtegge- Lagergestell.
Bouhneschtegge Reihe schteggge, eine eigene Wissenschaft, einfach einzeln, oder in Kreuzreihen. Diese Konstruktion wurde oben mit einem Querlager gesichert und bot idealen Schutz vor zerstörenden Maigewitterstürmen, „nochd is alles dogleeche“. Am Anfang und Ende wurde noch eine schräge Windstütze eingebunden. Bei steinigen Böden wurde mit einem Eisen vorgeschlagen.
Besonders rationell jedoch ist das Arbeiten mit der Bouneschteggesestzmaschine, (ausgestellt am Marktfest).
Bohnen wurden in allen Formen in die Nahrung integriert, Frischi als Gmüß, gschnibbfeldi als Gmüß odda Zelad, gleierdi senn als Sauri Bouhne in de Schdenna kumme.

Kerrichzell ohne Bouhne…, hätte vielleicht keiner überlebt, alle wären verhungert, würde es vielleicht gar nicht mehr geben.
Bohnen moderner denn je. In heutiger Zeit, bei veganer Ernährung sind Bohnen die preiswertesten Alternativen Eiweißreichen Nahrungsmittel um vor Mangel zu schützen.

Der Obst- und Gartenbauverein Kirchzell wird am Fest zu 325 Jahre Marktrecht Kirchzell das Bohnendorf Kirchzell ausführlichst präsentieren. Neben leckeren Bohnenbrotaufstriche gibt es, Rezeptlisten und reichlich Informationen zum Superfood Bohnen.

Schmunzeln muss auch sein…,
Kirchzeller haben den Whirlpool erfunden, Freitag`s Bouhnesuppe, unn samstags in die Badwanne, do hots geblubbert.

Kerrichzella könne zaubern, die könne mache, dass die Luft riecht.

Karl Lauterbach mahnte zu Coronazeiten die „Kirchzeller Regelung“ an, 1,5 Meter Abstand,
„riecht der Nachbar deinen Furz, dann ist der Abstand wohl zu kurz“

Im Sommer bei offenem Fenster schlafen kann oft lästig werden, nicht bei uns.
„Bouhnegmüß zum Abendbrot mächd nachts alli Mugge un a Schnouge tot“.

Fritzle: i geh nimmi in die Schul, mir wärn armi Leud, un die utse mi imma weil`s bei uns alli Daach blous Bouhnesuppe geit.
Hot de Babba gsaad, sell muschd a net vorote, moriche sechschd efach Forelle Blau, wenn ehna fröchd.
Annern Daach in de Schul, unn Fritzle widda Bouhnesuppe gewwe? Nee Forelle Blau!
Unn wieviel hoschen gesse?
Vier Schöpflöffel voll….

OGV Kirchzell, aktiv, kreativ, na klar ich bin dabei!!!
Aktuelle Infos gibt es jederzeit auf https://ogv-kirchzell.jimdofree.com

Autor:

Gerhard Schäfer aus Kirchzell

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