Chor-Open-Air im Schwarzacher Birkenhof
Alle Farben des musikalischen Regenbogens zum Leuchten gebracht
- Foto: Klaus Brauch-Dylla
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(Autor: Klaus Brauch-Dylla) So viel Zuspruch fand das Open Air des MGV Schwarzach im stimmungsvollen Birkenhof noch nie, wie an diesem lauen Sommer-Samstag des 5. Juli. Gut 300 Gesangsliebhaber*innen hatten sich aufgemacht, um sich vom Gastchor Sing a Song und vom gastgebenden Männergesangverein musikalisch unterhalten zu lassen - sie bereuten ihr Kommen nicht. Dazu trug auch die Holger Weitz Band aus Sinsheim bei, die den Abend schon 5 Minuten vor Acht mit der Frage "Why did you to do it?” eröffnete. Das Quartett mit Gitarre, Schlagzeug, Bass und Keyboard und die 75 Akteure von Sing a Song auf der Bühne wurden von Eric Grunwald energisch in Szene gesetzt, nachdem Moderatorin im Brigitte Förster im Giebelfenster des Birkenhofs die Gäste in ihrem "Klanggarten” begrüßt hatte. Der Obrigheimer Rock und Pop - Chor startete mit dem “Summer of 69” und bekannte mit den Pointer Sisters “I’m so excited”, bevor sie das "Kompliment” mit nachdenklichen Worten dem in der Vorwoche verstorbenen Obrigheimer Bürgermeister Achim Walter widmeten.
Dass Musik nicht nur akustisch eine Verbindung herstellen kann, machte der Chor bei Grönemeyers "Musik nur, wenn sie laut ist “ deutlich und sichtbar. “Für die Menschen, die nicht wissen, dass der Schnee lautlos auf die Erde fällt” wurde der Refrain zugleich gebärdet, eindrücklich das tonlose a capella Gebärden am Ende des Songs.
Sicheres Rock-Terrain bildeten nachfolgend “Save tonight“ (Eagle Eye Cherry) und Starships “We built this City (on Rock'n'Roll)”.
Dass “Sing a Song” sich auch gesellschaftspolitisch positioniert, wurde beim darauffolgenden Stück sicht- und hörbar. Zahlreiche Regenbogenfahnen und ein Transparent von “Queerspace NOK” bildeten den optischen Rahmen für Kerstin Ott’s “Regenbogenfarben“, mit dem der Chor der "LBGTQ"-Community seine Unterstützung ausdrückt und sich zu Vielfalt und Toleranz bekennt.
Weiter ging es mit “Summer nights” nach “Westerland”, bei “Feiern im Regen” der Toten Hosen blieb es glücklicherweise trocken, bevor der mit weiblicher Zwei-Drittel Mehrheit gemischte Chor sein Set mit “Shut up and dance!” beschloss.
Nach der Pause wurde es deutlich übersichtlicher auf der Bühne, der vokalen Wucht der großen Gastchors “Paroli” zu bieten war nun die anspruchsvolle Aufgabe der Gastgeber. Brigitte Förster kündigte den MGV Schwarzach unter Chorleiter Jochen Thurn an. 18 Sänger war der lokale Chor am Samstag stark und folgte Thurn und seinem Piano gleich völlig losgelöst mit “Major Tom” von Peter Schilling. Dem ließen die Herren ein “Rendezvous” folgen, eine chormusikalische Liebesgeschichte, in der das A-Capella-Quartett “Maybebop” selbstironisch ein Desaster beschreibt. Dass ihnen Shantys und Seemannslieder besonders liegen, zeigten die Schwarzacher Sänger dann mit dem Stück “Santiano”, dem sie später auch noch den “Wellerman” folgen ließen. Der "Junimond” im Chorformat war für Ton Steine Scherben- und Rio Reiser-Puristen eher gewöhnungsbedürftig, dass wir in einer "Mad World” (Tears for fears) leben, sicher Konsens. Danach wurde musikalisch "Auf das Leben” angestoßen, auch "auf die Frauen und das Bier und den lieben Gott”. Dass Rammstein keine “Engel" sein wollen ist hinlänglich bekannt, in der "Maybebop"-Version, die der Schwarzacher Männerchor auf die Bühne brachte, ist die toxische Männlichkeit jedoch harmonisch kaschiert. Ein Kontrast danach mit "Männer mag man eben”, in dem sich die Herren der Schöpfung mit selbstironischen Übertreibungen und Augenzwinkern auf die Schulter klopfen.
Sehr gekonnt kamen die kölschen “Bläck Fööss” zu Ehren, ihr Song “Katrin” war eine der Glanznummern des Abends, bei dem auch Vereinsvorsitzender Alexander Lingsch als Solist einen beeindruckenden Auftritt hatte. Abschließend wurde das "Wasser vom Schwarzbach” gerühmt, eine Lokalhymne, die die Zuhörerinnen und Zuhörer mitriss.
Ohne Zugaben ließen Brigitte Förster und das Publikum die Akteure nicht von der Bühne. Für "Whiskey in the jar” kamen die Sänger von Sing a Song als wirksame Verstärkung auf die Bühne und der Männerchor hatte sich mehr als verdoppelt.
Nenas “Irgendwie Irgendwo Irgendwann” und “Ohne dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)” von der Münchner Freiheit waren dann die letzten gesungenen Stücke der fast 100 Musikerinnen des Abends. Nachdem Alexander Lingsch dem Gastchor, Brigitte Förster und besonders Erik Grunwald gedankt hatte, nutzte dieser die Gelegenheit für “Nachwuchs” im Chorgesang zu werben und lud zu den Proben der Chöre, die montags um 18:30 Uhr in Obrigheim und um 20 Uhr in Schwarzach stattfinden, ein. Die letzten Klänge des Abends kamen dann von der Holger Weitz Band, die mit einem mühelos improvisierten “Rausschmeißer-Blues” Kenner an ihre Wurzeln als Blues-Trio ”Shaggy Shagg” vor über 40 Jahren erinnerten.
Ein genussreicher musikalischer Regen- und Bilderbogen fand seinen gelungenen Abschluss.
Autor:Michael Hitzelberger aus Aglasterhausen |
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