Finale hinter der Mauer
Vorbereitungsturnier und Sportbegegnung in der JVA Adelsheim
- hochgeladen von Klaus Brauch-Dylla
Torarm, aber eindrucksvoll
Adelsheim, Aglasterhausen, Wagenschwend.bd. Ein Vorbereitungsturnier hinter Gefängnismauern hatten die A-Jugend der JSG Kleiner Odenwald und die A-Klasse Mannschaft des SV Wagenschwend noch nicht gespielt, waren aber der Idee von JVA Sportleiter Heiko Link mit Begeisterung gefolgt. Dessen Insassen - Team lag mit seinem Altersschnitt leicht über den A-Junioren und kurz unter der sehr jungen und vergangenen Dienstag mit A-Jugendspielern ergänzten Mannschaft vom Winterhauch. “Der JVA - Platz bietet hervorragende Trainingsbedingungen, da können wir bei uns in der Wintervorbereitung oben im Odenwald nur von träumen”, wussten Klaus Brauch-Dylla und Michael Steck, das Trainer-Duo beim SV Wagenschwend war der Einladung gerne gefolgt. Und die mit den Spielen verbundene Sportbegegnung habe für die jungen Sportler einen realen Mehrwert, war sich A-Jugend-Coach Heiko Schattauer mit den Trainerkollegen einig. “Meine Kinder haben auch schon Volleyball in der JVA gespielt, das weitet den Blick”.
Zum Sport
Sportlich war der Abend für die engagiert aufspielenden jungen Kicker vom Kleinen Odenwald auf jeden Fall ein Erfolg, durch ein 1:0 gegen die JVA-Truppe und ein 0:0 gegen die SVW-Senioren konnten sie um 21 Uhr als Turniersieger die Heimreise antreten. Für die Wagenschwender rächte sich, dass sie gegen die Gefangenen - Mannschaft reihenweise Großchancen versiebt hatten, zwar durch ein Eigentor noch zum Führungstreffer kamen, aber in der letzten Spielminute ein JVA Kicker einen 25 Meter - Strahl unhaltbar in den Winkel setzte, quasi der einzige Torschuss, aber ein Traumtor.Beeindruckend war auch die Fairness unter den jungen Kickern. Heiko Link, der als erfahrener Schiedsrichter alle drei 30-Minuten-Partien souverän leitete, musste nur zweimal zu Gelb greifen: als sich im Spiel der beiden Gast-Teams zwei Spieler verbal in die Haare gerieten.
"Das sind Gefühle, die wo man schwer beschreiben kann“ (J. Klinsmann)
Also alles ganz normal? Bei den Resümees der Gäste fühlte man sich fast an Jürgen Klinsmanns berühmtes Zitat erinnert. Klinsmann selbst war in den 80ern mehrfach in der JVA zu Gast. Jugend - Coach Schatthauer zog folgendes Fazit: “Ich fand es seltsam und spannend zugleich. Ist so eine surreale Welt, die Jungs sind da drin, weil sie erhebliche Straftaten begangen haben - und trotzdem irgendwie total umgänglich sind.” Ins selbe Horn stieß SVW-Akteur Benedikt Hemberger: "Ich war beeindruckt, wie gut die Jungs aus der JVA als Team zusammengespielt haben. Und wenn wir nicht hinter der Knastmauer gespielt hätten, hätte man gar nicht gemerkt, dass die Jungs einsitzen. Draußen hätten die auch einfach als normale A-Jugend durchgehen können.” Beim Wagenschwender Tim Weinmann hatte die Sportbegegnung, gemeinsam nach dem Spiel etwas zu trinken und zu essen, Eindruck hinterlassen: "Gestern Abend fand ich es sehr interessant, mal einen Einblick hinter die Mauern zu bekommen und nach den Gesprächen mit den Jungs auch zu wissen, was sie den ganzen Tag dort machen. Und es waren faire Spiele zwischen allen Mannschaften - und natürlich ein überragender Kunstrasenplatz.” Der Mittelstürmer der JSG fasste den Abend zusammen: “Es war eine ungewohnte Umgebung, aber trotzdem ein tolles Erlebnis, das man wahrscheinlich nur einmal im Leben macht.” Da könnte er sich täuschen, denn Schattauer hat mit Heiko Link schon eine Wiederholung vorbesprochen. Link und seinem Sport-Team-Kollegen Markus Nied galt der Dank aller Gäste, erfordert so ein Event doch weit mehr Engagement als “Business as usual”.
Autor:Klaus Brauch-Dylla aus Limbach |
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