Musikalische Fitness im Glockenturm

Das Carillon im Park der Henriettenstiftung Hannover
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  • hochgeladen von Bernhard Setzer

„Förderkreis Glockenspiel Weilbach“ bildet Carillonneure aus

Das Carillon ist ein großes Musikinstrument, sein Gehäuse meist ein gemauerter Turm, die Töne erzeugen Glocken, die wie bei einer Orgel von einem Spieltisch zum Klingen gebracht werden. Der Spieler, auch Carillonneur genannt, benötigt allerdings für das Spiel eine spezielle Technik. Die Klöppel sind durch Zugdrähte und Kipphebel mit dem Manual- und Pedaltasten des sogenannten „Stockspieltisches“ verbunden. Das Manual besteht aus runden hölzernen Tastenstöcken, das Pedal aus klotzigen Tasten. Durch die mechanische Verbindung zwischen Klöppeln und Spieltisch wird ein ausdruckvolles dynamisches Spiel ermöglicht. Das Klangbild ist unverwechselbar. Denn ein Carillon hat keinerlei Dämpfer, deshalb erklingen alle Glocken je nach Größe und Stärke ihres Anschlags unterschiedlich kurz oder lang nach. Fast wie himmlische Klänge hören sich die Töne an, Kenner sprechen deshalb auch gerne von „Spährenklänge“.

Die meisten deutschen Glockenspiele haben ein automatisches Spielwerk, können aber auch von Hand gespielt werden. Die Technik, die Holzstöcke mit der Faust anzuschlagen und mit den Füßen die Pedale zu treten verlangt sowohl eine musikalische Veranlagung, als auch körperliches Geschick. Die Ausbildung zum Carillonneur ist „dem Förderkreis Glockenspiel Weilbach“ mit seinem Initiator Klaus Schwab ein besonderes Anliegen. Eine der Ausbildsungsmaßnahmen sind „Carillon-Workshops“, die seit 1997 finden in der Henriettenstiftung Hannover stattfinden.

In der Parkanlage dieser Stiftung steht seit 1960 ein Carillon. Es wurde zum hundertjährigen Jubiläum der Stiftung erbaut, besitzt 49 Bronzeglocken und ist mit einem Spieltischen und einem Übungsspieltisch ausgestattet. Zudem befindet sich im Mutterhaus der Stiftung noch ein Übungsspieltisch. Seit Jahren ist diese Einrichtung für Workshops bestens geeignet. Zielgruppe dieser Kurse sind Carillonneure, Orgel-und/oder Klavierspieler und Interessierte, die dieses seltene Instrument erlernen möchten.

Etwa seit einen halben Jahr spielt Clemens Setzer das Weilbacher Carillon. Der „Förderkreis Glockenspiel Weilbach“ hat ihm die Teilnahme am 17. Carillon-Workshop ermöglicht. Wilhelm Ritter aus Kassel, ein bedeutender Carillonneur in Deutschland, leitete diese Veranstaltung und gab damit sein reiches Wissen und Können an die Schüler weiter. Jeweils am Ende der Seminartage durften die Teilnehmer/innen nach eigener Auswahl Konzertstücke dem fachkundigen Publikum zum Vortrag bringen.Gerald Martindale, Carillonneur an der historischen Metropolitan United Church of Toronto bereicherte am ersten Seminartag mit einem Konzert die Veranstaltung.

Für alle Teilnehmer, aber auch für die Zuhörer, war diese „Spährenmusik“ ein besonderes Klangerlebnis und wird allen nachhaltig in Erinnerung bleiben. Carillonneure spielen mit „Fäusten und Füßen zum Lobpreis Gottes“.

Autor:

Bernhard Setzer aus Breitendiel

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