Inklusionsprojekt
Ausstellung "NIE WIEDER!" beim Bezirk Unterfranken
- hochgeladen von Sabine Prigandt-Kolb
Am Donnerstag, 15.1., verwandelte sich der große Sitzungssaal des Bezirks Unterfranken zu einer attraktiven Galerie, in der noch bis zum 20. Februar 21 Acrylbilder der Ausstellung „Nie wieder“ zu sehen sein werden. Der Text zum Video von TV Mainfranken, das bei der Eröffnung gedreht wurde, verrät, worum es dabei geht: „Den Opfern ein Gesicht und eine Stimme geben – und das Vergessen verhindern. Mit dem Inklusionsprojekt „Nie wieder!“ setzt sich die Lebenshilfe Miltenberg intensiv mit den sogenannten NS-“Euthanasie“-Verbrechen auseinander. Menschen mit und ohne Behinderungen haben gemeinsam auf eindrucksvolle Weise Lebensgeschichten aufgearbeitet – und das wurde Ende 2024 mit dem Bürgerpreis des Bayerischen Landtags ausgezeichnet.“
Nach vier gut besuchten Ausstellungen am Untermain - im Landratsamt Miltenberg, in der Zehntscheune Kleinwallstadt, in der ehemaligen Synagoge Großkrotzenburg und in Obernburg - haben die eindrucksvollen Bilder jetzt im Bezirksgebäude eine schöne Heimat auf Zeit gefunden, bevor sie als Wanderausstellung auf die große Reise gehen. Sie sollen die Erinnerung an eines der großen Menschheitsverbrechen wach halten und eine Lanze für Menschlichkeit brechen, wie auch Bezirkstagspräsident Stefan Funk bei der Eröffnung spürbar bewegt sagte. Im genannten Begleittext zum Video ist zu lesen, wie es zu dem Inklusionsprojekt kam und wie die Beteiligten vorgingen: „Im Fokus stehen die Erinnerung an die Opfer und die Frage, was diese Geschichte für unser heutiges Zusammenleben bedeutet. Auftakt des Projekts war ein gemeinsamer Besuch der Gedenkstätte Grafeneck – für viele Teilnehmende der erste bewusste Zugang zu diesem dunklen Kapitel der Geschichte. Aus der intensiven Beschäftigung entstand ein künstlerischer Teil: In Tandems aus Menschen mit Behinderung und ihren Eltern wurden 18 eindrucksvolle Portraits von Opfern geschaffen. Ergänzt wurden sie durch Texte eines Enrichmentkurses von „besonders begabten Schülerinnen und Schülern“ der Schülerakademie Bayerischer Untermain, die sich journalistisch und kreativ mit den Biografien auseinander-setzten. In der Ausstellung ist zu sehen, wie Inklusion jenseits von Theorie funktionieren kann. Trotz anfänglicher Berührungsängste wuchsen Jugendliche und Menschen mit Behinderung im Lauf der gemeinsamen Arbeit enger zusammen. Im dritten Projektteil setzten sich Menschen mit Behinderung in der Gruppe „Wir für Dich“ mit der Frage auseinander, was „Nie wieder“ für ihr eigenes Leben heute bedeutet. Themen wie Freiheit, Selbstbestimmung und Werte mündeten in einen selbstgedrehten Film.
Die gespannte Aufmerksamkeit im großen Sitzungssaal bewies, dass das Ende 2024 mit dem Bürgerpreis des Bayerischen Landtags ausgezeichnete Inklusionsprojekt und die Beiträge der gut einstündigen Eröffnung niemanden kalt lassen. Die Musikumrahmung durch die Musikgruppe Saitensprung, informative und auch persönliche Worte von Kai Oliver Reis, dem Vorstand der Lebenshilfe und Landkreis Miltenberg, von Heinz Linduschka, dem Leiter des Enrichmentkurses, vor allem aber authentische Worte der Beteiligten beeindruckten die Zuhörer spürbar: Zwei Schülerinnen des Kurses, Elisabeth Fischermann und Johanna Stenger, hielten in ausgefeilter sprachlicher Form die Erinnerung an Ewald Scheer und Lina Marie Schöbel wach, zwei der in den Tötungsanstalten Ermordeten, Thea Nodes und Sandra Brand sprachen authentisch darüber, wie das Porträt der Anna Elisabeth Krüger entstanden ist, bevor Mitglieder der Gruppe „Wir für dich“ berührend und nachvollziehbar ihre Erinnerungen an die gemeinsame Arbeit wach werden ließen: Lara Wirsing war anzumerken, wie tief sie die Beschäftigung mit der ermordeten Anna Lehnkering berührt hat, Susanne Schlosser erinnerte an den Besuch in Hadamar, Tobias Schneider an den in Grafeneck – eindrucksvolle Beispiele dafür, dass die Verbrechen in den Todeslagern nicht einfach „nur Geschichte“ sind, sondern zugleich mahnen: „Nie wieder!“
Das Video mit einem informativen Interview mit der Leiterin der offenen Hilfen der Lebenshilfe im Land-kreis Miltenberg, Sabine Prigandt-Kolb, ist online zu sehen unter https://www.tvmainfranken.de/mediathek/video/nie-wieder-ein-inklusionsprojekt-zum-thema-ns-euthanasie-verbrechen/
Autor:Sabine Prigandt-Kolb aus Elsenfeld |
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