Back to the roots: Klischeeurlaub in Italien

Urlaub an der italienischen Adria - Nennen Sie es: laangweilig, retro oder tourihaft. Ich nenne es Kult! Mein Mann fährt seit den 70ern an die Adriaküste nach Riccione und Misano Adriatico - erst mit den Eltern, dann schleppte er mich mit und wir reisen nun auch schon seit Jahren mit den Kids, also bereits in 3. Generation hin. Nicht jedes Jahr, aber immer wieder. Selbst mitgereiste Freunde (einmal waren wir 26 Leute!) hat das Riccione/Misano-Fieber gepackt. Bei diesen Urlauben geht es nicht um dass Tollste, Beste und Teuerste. Wenn wir zu Massimiliano alias Maxi nach Misano ins Hotel Tivoli reisen geht es um Familie, Freunde, Gastfreundschaft und gutes Essen... eben das La Dolce Vita...

Der Urlaub fängt für mich dann an, wenn wir über den Brennero durch Südtirol sind und ich die ersten Zypressen sehe. Wenn ein italienischer Sender eingeschaltet wird, aus dem mehr parlare als Musik kommt - Da geht das Herz auf. Das schöne an Retro-Urlauben ist ja: man kennt sich aus. Weiß wo es die beste Pizza gibt. Wo die nächste Apotheke ist. Wenn man die Kids sucht, du nur in der nächsten Spielhölle nachsehen mußt. Und man freut sich an der Strandbar und der Nachbarliege mal wieder auf alte Bekannte aus Jugendtagen zu treffen (auch wenn man zweimal hinsehen muss um sie zu erkennen), die den Generationswechsel ebenfalls gekonnt weitergeführt haben. Der Candidi- und CocoBelloMann zieht auch immer noch seine Runden. Es ist eben Kult!

Der moderne Trend ist im Hotel Tivoli spurlos vorübergegangen: Kein gebürstetes Metall oder indirekte dekorative Leuchtdioden, keine stylischen Glaselemente oder ultramoderne Loungearea, kein biologisch hergestellter O-Saft zum Frühstück, dafür die doch liebgewonnene kitschige Gemütlichkeit, ein typisch übersichtlich-italienisches Frühstück mit Frühstückssäften in dekorativem rot oder orange bei denen die Geschmacksrichtung nicht unbedingt definierbar ist. Vor kurzem gab es aber eine rein ästhetisch optische Farbveränderung im Speisesaal. Dieser erstrahlt jetzt in einem ungemein taintschmeichelndem Pinkrosé, vor dessen Rückwand so mancher Gast nach dem Sonnenbad farbtechnisch nicht sofort hervorsticht. Die Zimmer und Bäder wurden auch renoviert, öhm tja... größentechnisch ist das Bad immer noch sehr übersichtlich, aber wen stört`s. Dafür sorgt die Bahngleise in der Nähe für Abwechslung. An was ich mich im Süden aber nie gewöhnen werde sind die Zudecken. Unter den Überdecken verbirgt sich ein kompliziertes Laken-Lagen-Konstrukt, das mit Sicherheit aus der Römerzeit übernommen wurde. Die dünnen Baumwolllaken, die man vor der Nutzung erst einmal am Fußende herausziehen muß, - möchte man nicht wie in einem Kokon schlafen oder sich die gewohnte Beinfreiheit erst später, im Bett liegend, "hart erarbeiten" muss. Gottseidank wurde wenigsten die kratzige, dunkelbraune muffelige Wolldecke als Überdecke verabschiedet - die liegt jetzt nur noch als Ergänzung in neu und hellbraun im Schrank. Dafür gibt es jetzt harte Matratzen. Hier wird die italienische Tradition noch live gelebt. Es werden in diesem Jahr sogar einige Relikte aus dem vergangenen Jahrhundert für 50 Jahre Urlaub im Hotel geehrt.

Seit einigen Jahren hat Maxi, die Rolle des Hotelchefs von seinem Vater Tino übernommen und ist ganz stolz, uns heuer den 8-monatigen Juniorchef Riccardo vorzustellen. Senior Tino sitzt aber immer noch jeden Tag mit seinem Vino vorm Hotel und begrüßt zusammen mit dem 91jährigen Schweizer Gast Bruno, der alljährlich für 3 Monate seinen Urlaub im Hotel verbringt, die Gäste. Und lässt man sich nicht gern jeden Tag ein paar Mal von einem netten älteren Herrn mit "Bellllaaa Sylvia" begrüßen. Im Tivoli hat nicht nur der frühere Polizeichef schon heftig gefeiert, auch der Ferrariclub hielt seine Treffen hier ab, bestimmt wegen der guten Küche.

Es besteht eine Strand-Kooperation mit Bagni Salvatore von Zone 1, die über das Hotel buchbar ist. Außerdem gibt es jeden Donnerstag nachmittag ein kleines Picknic am Strand. Und jeder Strandabschnitt ist ein Kinderparadies: Trampolin, Kicker, Soccerfeld, Volleyballfeld, Kleinkinderspielplatz, Billard etc. Ist das Kind zufrieden freut sich der Rest. Gottseidank sind unsere aus diesem Alter raus *stirnabwisch* - bei uns ist die Disco jetzt interessanter. Da ist auch einiges geboten - fragen Sie einfach Maxi. Und wenn Sie die Hölle auf Erden kennenlernen möchten, dann machen Sie Urlaub in Italien, wenn die Italiener Ferien haben... der Teutonengrill läßt grüßen.

Unternehmungen

Ist man mit dem Auto unterwegs lohnt sich immer ein Ausflug ins Hinterland der Emilia Romagna: Ob etwa nach San Marino, Mondaino und Saludecio mit einem tollen Blick ins Tal und an die Küste oder auch auf der Panoramastrasse nach Urbino. Hab mir auch mal eine Familienauszeit genommen und bin allein durch die Gegend gegondelt, habe gefühlt jedes Gäss´chen und altes leerstehendes Haus von außen inspiziert (rein hab ich mich dann doch nicht getraut, wäre mir ein Ziegel auf die Birne gefallen, ich wäre mit Sicherheit bis zum Nimmerleinstag nicht mehr gefunden worden). Zur Mittagszeit geniess ich in Saludecio, auf der Terrasse des Ristorante Panoramico bei einem Antipastiteller den Panoramablick und die Auszeit.

Eigentlich, wäre dieser Bericht wenn ich es mir so überlege auf jeden italienischen Badeort 1:1 übertragbar. Denn die meisten haben ein Hotel Tivoli, einen Maxi, einen Bagni Salvatore, die Strandbuden, die Fußgängerzonen, die 4-rädrigen Räder und besonders das italienische Dolce Vita. Nur die Sonnenschirmfarbe ändert sich mit jedem Strandabschnitt. Aber... unser Maxi ist natürlich der Beste...

Ich fasse das Ganze mal so zusammen: Wer im Tivoli übernachtet, der weiss das italienische Urlaubs-Klischee der 70er Jahre und vor allem die Küche der italienischen Mama zu schätzen. Es ist eben einfach wie heimkommen.

Besuchen Sie auch gern meinen ReiseBlog hin & weg, dort ist es noch etwas ausführlicher beschrieben und Sie finden auch die verschiedenen Links und weitere Fotos...

Autor:

Sylvia Kester aus Elsenfeld

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