Alltag auf einem Milchviehbetrieb
Führung auf dem Maintalhof
- Die jungen Kälber werden im Außenbereich in sogenannten Iglus gehalten.
- Foto: Frauke Beck
- hochgeladen von Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Karlstadt
Der Maintalhof in Erlach ist durch sein Bauernhofcafé für viele Radler und Spaziergänger ein beliebtes Ausflugsziel. Einen Blick hinter die Kulissen des Milchviehbetriebes ermöglichte letzte Woche eine Führung, die vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Karlstadt in Kooperation mit der VHS Lohr veranstaltet wurde. Seniorchef Anton Fleckenstein führte die Besuchsgruppe über den Hof und gab Einblick in die tägliche Arbeit. Etwa 40 Kühe mit Nachzucht stehen auf dem Hof, die überwiegend mit Futter aus eigenem Anbau versorgt werden. Von den 90 Hektar, die der Hof bewirtschaftet, sind etwa 40 Hektar Grünland und der Rest Ackerland.
„Das Futter muss passen“, so der Landwirt, „das ist entscheidend für die Gesundheit der Tiere und die Qualität der Milch.“ Erste Station waren die Kälbchen, die nicht im Stall, sondern im Außenbereich mit einem Iglu als Rückzugsort gehalten werden. Die frische Luft sei sehr wichtig für die Gesundheit der Jungtiere, betonte Fleckenstein.
In den ersten drei Monaten ernähren sich die Kälber nur von Milch. Dies ist auch nicht anders möglich, da anfangs von den vier Mägen der Tiere nur der Labmagen ausgebildet ist. Heu und Gras können daher noch nicht verdaut werden und werden nur spielerisch geknabbert. Die älteren Kälber werden dann gemeinsam in einer Kleingruppe gehalten. „Benötigt die Kuh bei der Geburt Unterstützung“, wollte eine Teilnehmerin wissen. In 90% der Fälle kalbt die Kuh alleine“, so der Landwirt. Früher hätten die Besitzer oft in guter Absicht in den Geburtsablauf eingegriffen und dabei auch Verletzungen bei dem Muttertier oder Kalb verursacht, berichtete Fleckenstein. Heute würde man bereits bei der Besamung der Kuh darauf achten, dass das väterliche Erbgut zum Muttertier passe. So würde für schmale Kühe kein Bulle ausgewählt, der große Kälber erwarten lässt. So könnte man von vornherein schwierige Geburten vermeiden. Weibliche Tiere bleiben auf dem Hof, die männliche Nachzucht wird verkauft. Doch es gibt auch Ausnahmen. So stand zur Verwunderung der Besucher ein erwachsenes männliches Tier auf der Weide zwischen den hochträchtigen Kühen.
Henry hatte als Kälbchen das Herz eines Gastes erobert, die daraufhin die Unterhaltskosten des Tieres übernommen hat, um sein Weiterleben auf dem Hof zu ermöglichen. Das kastrierte Tier sei lammfromm, könne spazieren geführt werden und wäre anfangs regelmäßig von seiner Förderin besucht worden, erzählte Anton Fleckenstein. Zum Abschluss des Hofrundgangs wurden das Herzstück des Betriebs – der Stall der Milchkühe - besucht, wo gerade gemolken wurden. Wenn alles nach Plan läuft, sollen die Tiere zum Jahresende in einen neuen Laufstall umziehen. Hier werden die Tiere sich dann auch in einen überdachten Außenbereich aufhalten können. Noch ist von dem Stall nur die Baugrube zu sehen. „Doch ich bin optimistisch“, so Fleckenstein, „dass wir den Tieren in diesem Jahr ein besonderes Weihnachtsgeschenk machen können.“
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