Handy-Dieb durch Budapest verfolgt
Julia Müller aus Schloßau lieferte sich in Budapest Verfolgungsjagd mit Handydieb
- Foto: Julia Müller
- hochgeladen von Thomas Müller
Wer kennt das nicht: Fremdes Land, fremde Stadt, fremdes Sprache und eine andere Mentalität der Menschen. All dies erlebten auch fünf befreundete Studentinnen bei einem Kurzurlaub am letzten Augustwochenende in der ungarischen Hauptstadt. Die gute Stimmung wurde jedoch durch einen Diebstahl getrübt. Die Suche nach dem gestohlenen Handy entwickelte sich für vier der fünf Freundinnen zu einer filmreifen, spektakulären Odyssee durch Budapest. Mittendrin unsere Leserin Julia Müller aus Schloßau, die den Diebstahl gemeinsam mit drei der fünf Urlauberinnen und der ungarischen Polizei, am Ende doch noch zu einem glücklichen Ende brachte.
Es war die letzte Augustwoche, als sich die 24 jährige Julia Müller aus Schloßau, mit vier gleichaltrigen Studien-Freundinnen zunächst in Wien einfand. Von hier aus ging es mit dem Zug weiter nach Budapest, dem eigentlichen Ziel der Mädels. Wie geplant trafen die fünf an jenem Freitag mit dem Zug, am ungarischen Hauptstadtbahnhof ein. Am gleichen Abend ging es zum Feiern in ein Lokal. Julia und eine weitere Freundin verabschiedeten sich frühzeitig auf ihr Zimmer. Die anderen drei, feierten weiter.
Luisa, eine der drei Zurückgebliebenen ging zu später Stunde ins Freie, um ihr Handy zu checken. Als sie nicht mehr zurückkam, machten sich die beiden anderen Mädels auf, um sie zu suchen. Sie fanden Luisa, schlafend auf dem Bordstein sitzend. Nachdem sie wieder wach war, stellte sie fest, dass ihr neues iPhone 17 Pro weg war. Schnell wurde den drei klar, dass es gestohlen wurde. Völlig aufgelöst riefen sie die Polizei, die mit den Mädels auch gleich nach dem Handy suchte, erwartungsgemäß ohne Erfolg. So gingen auch die drei zurück auf ihr Zimmer. Am nächsten Morgen war dort die Stimmung am Boden. Julia Müller hatte schnell die Idee, das gestohlene Handy über die Apple-Watch der Bestohlenen zu orten. Anfangs schlug dies noch fehl, dann stellte Julia der Smart-Watch einen Hot-Spot bereit und so wurde die Ortung des gestohlenen Handys ermöglicht. Dieses wurde in der Tat nur wenige hundert Meter neben dem Hotel der fünf Urlauberinnen aufgespürt. Vier von ihnen machten sie sich gleich am Samstagmorgen auf den Weg zum georteten Punkt, einem Hochhaus. Alleine konnten sie vor- und in dem Wohnblock jedoch nichts ausrichten, denn sie wussten weder das Stockwerk noch wie der Dieb aussah. Zudem war nicht klar, was die vier in dem Wohnblock erwarten würde. Die Mädels suchten also daraufhin, via Google-Maps, die nächste Polizeistation der ungarischen Hauptstadt. Diese war zum Glück nur eine Minute entfernt. Dort hingelaufen, schilderten sie dem Beamten mittels Google-Übersetzer und ihrem Schulenglisch den Diebstahl und zeigten das Haus, wo sich das Handy gerade befand. Die Polizei fuhr daraufhin mit Julia im Polizeiauto zum Wohnblock wo sich der Dieb zuvor noch befand. Die Beamten gingen zuerst in den Innenhof des Wohnblocks. Von dort verschafften sich alle, Zugang zum Treppenhaus und den einzelnen Stockwerken. Sie klingelten mit der Apple-Watch immer wieder das gestohlene Handy an. Leider hörten sie dieses nirgends klingeln. Erst jetzt bemerkten die Beamten, dass ihre Polizeidienststelle, obwohl nur eine Minute entfernt vom Wohnblock, für diesen Diebstahl gar nicht zuständig war. Es ist nämlich die jeweils nächstgelegene Polizeidienststelle zum Tatort, für einen Fall zuständig. Jetzt wieherte also der ungarische Amtsschimmel. Die Mädels mussten daraufhin tatsächlich mit dem Taxi zur weiter entfernten, zuständigen Polizeidienststelle fahren und dort ihre Geschichte erneut zu Papier bringen. Zur vollständigen Datenerfassung fuhren sie mit dem Taxi auch noch die genaue Adresse des Tatorts an, um diese zu notieren. Danach waren die notwendigen Daten vollständig und der Fall „Luisa West“ war nach der Datenerfassung aktenkundig. Die Polizisten machten nach einer Prüfung der bisherigen Sachlage klar, dass ohne Durchsuchungsbeschluss ihre Möglichkeiten an dieser Stelle zu Ende seien. Etwas frustriert stellten die Mädels fest, dass sie sich nun wieder alleine auf die Suche nach dem iPhone machen müssten. Erneut geortet, hatte das gestohlene Handy nun einen neuen Standort. Es war jetzt nicht mehr in dem Hochhaus. Für Details zum neuen Standort bediente sich Julia nun bei Google-Street-View. Dort entdeckte sie einen Telefonladen. Den vier Mädels wurde klar, dass der Dieb das Handy nun zu Geld machen wollte. Wieder machten sie sich auf eigene Faust auf den Weg, neues Ziel - der geortete Handyladen. Dieser war etwa 15 Minuten zu Fuß entfernt. Dort angekommen befragten sie gleich den Ladeninhaber. Dieser stellte klar, dass er das Handy nicht angekauft hätte, denn es sei gesperrt. Er vermutete nämlich bereits bei der Begutachtung des Gerätes, dass es sich um Diebesgut handelte. Der Ladenbesitzer erklärte weiter, dass er generell keine iPhones ankauft, weil es mit diesen Geräten immer zu Problemen kommt. Die vier Freundinnen fragten nach dem Outfit des Täters. Der Ladeninhaber beschrieb ihn, zeigte allerdings auch, ein wenig schmunzelnd, auf die Überwachungskamera im Hintergrund. Die vier Freundinnen schauten sich die Sequenz des Überwachungsvideos an, auf welcher der Dieb das Handy verkaufen wollte. Darauf erkannte man den Täter sehr deutlich. Die aussagekräftigsten Filmsequenzen wurden daraufhin abgefilmt. Jetzt hatten die vier Verfolgerinnen auch das Gesicht und das Outfit des Täters. In einem kurzen Filmausschnitt entdeckte Julia zudem, dass er mit einem E-Scooter davonfuhr. Nun war den Vieren auch klar, warum er so schnell unterwegs war. Der Handyverkäufer erklärte den vier Studien-Freundinnen, dass der Handydieb nun von Handyladen zu Handyladen fahren würde, bis er das iPhone irgendwann verkauft hätte. Die Freundinnen nahmen erneut die Fährte auf. Da sich der Standort jetzt immer wieder aktualisierte, mussten die Freundinnen feststellen, dass der Dieb mit seinem E-Scooter bedeutend schneller unterwegs war, als sie selbst. Zwischendurch wurde der Akku von Julias Handy leer und musste in einer Gaststätte für ein paar Prozent aufgeladen werden. Nach erneuter Ortung des gestohlenen iPhones entdeckten sie auch wieder einen Polizisten, welcher in einem Park gerade eine Festnahme durchführte. Sie baten diesen um Hilfe, der Polizist verwies sie darauf die 112 anzurufen, er sei ja schließlich gerade mit einer Festnahme beschäftigt. Also riefen die Freundinnen bei der 112 an. Am anderen Ende wussten die Beamten schnell Bescheid, um was es ging, denn der Handydiebstahl war ja schließlich aktenkundig. Die Beamten schickten daraufhin abermals ein Polizeiauto zum Standort der Freundinnen, um ihnen bei der weiteren Verfolgungsjagd zu helfen. Diese fragten aus dem Auto heraus „Luisa-West?“, denn der Fall wurde inzwischen auch an alle Streifen der Stadt weitergeleitet. Auf diese Weise war die Budapester Polizei schnell über die vier Verfolgerinnen im Bilde. Jetzt trennten sich die vier Mädels. Nur Luisa und eine Weitere (Team Luisa) durften im ungarischen Polizeiauto hinten mitfahren. Parallel dazu entschieden Julia und die Vierte im Bunde (Team Julia) die Handyläden der näheren Umgebung zu informieren, dass sie ein gestohlenes, orangefarbenes iPhone suchen würden und dass die Polizei bereits informiert sei. Im Anschluss beschloss Team Julia, zum Wohnhaus des Diebes zu laufen, also dorthin wo am frühen Morgen die Odyssee um das Handy begann. Früher oder später müsse der Dieb ja schließlich nach Hause kommen, dachte Julia. Die Apple-Watch mit sämtlichen Standorten des iPhones hatte Team Luisa im Polizeiauto dabei. Diese fuhren den immer wieder neu georteten Standorten des Handys hinterher, konnten die jeweils letzte Ortung allerdings nicht zum Abschluss bringen, bzw. fanden den Täter dort jeweils nicht. Nach und nach schlossen auch die Handyladen und machten Feierabend.
Als Team Julia gegen 18 Uhr am Wohnhaus des Diebes ankam trauten die beiden Mädels ihren Augen nicht, denn zeitgleich kam der Täter mit einem Komplizen auf dem E-Scooter angefahren. Der Dieb bemerkte die beiden zwar, doch diese bogen schnell um die Ecke um keinen Augenkontakt zu haben. Julia schickte ihren Standort ins Polizeiauto und rief dort an, um das Auftauchen des Täters zu melden. Team Julia observierte bis zum Eintreffen der Polizei, die Beiden auf dem E-Scooter. Kurz danach traf die Polizei mit Blaulicht und Martinshorn auch schon am Wohnblock des Diebes ein, sie waren ihm also bereits dicht auf den Fersen. Der Täter auf dem E-Scooter und sein Komplize merkten beim Eintreffen der Beamten, dass es hier um sie ging. Der Komplize sprang vom E-Scooter und rannte los, der Täter auf dem E-Scooter gab Gas. Team Julia stellte schließlich den zu Fuß flüchtenden Komplizen, der daraufhin vor den Beiden seine Taschen ausleerte, um zu zeigen, dass er das Handy nicht bei sich hatte. Dann sprang er in eine Straßenbahn und war weg. Die Polizei nahm sofort die Verfolgung des E-Scooters auf. Team Julia rannte nach erfolgloser Kontrolle des „Beifahrers“ dem E-Scooter und dem Polizeiauto hinterher. Wie in einem Krimi kam es nun zu einer spektakulären Verfolgungsjagd auf der Straße vor dem Wohnblock und dem angrenzenden Gehweg. Die Passanten sprangen aufgrund der Verfolgungsjagd zur Seite und bildeten eine Gasse für das Polizeiauto. Der Flüchtende kam schließlich an einer Engstelle nicht weiter, warf den Roller hin und wollte sich zu Fuß aus dem Staub machen. Auf den Zuruf eines Polizisten, blieb er schließlich stehen und konnte überwältigt werden. Dann klickten die Handschellen. Jetzt war auch Team Julia beim bereits verhafteten Täter und so waren alle vier Mädels bei der Polizei und dem Festgenommenen. Dieser musste in Gegenwart der Beamten die Tasche leeren und siehe da, in einem durchsichtigen Zip-Beutel war ein orangenfarbenes iPhone 17 Pro. Das gestohlene Handy konnte schließlich von der Polizei an Luisa übergeben werden. Luisa musste mittels PIN-Eingabe den Beamten noch beweisen, dass sie die Eigentümerin des Smartphones ist. Als es entsperrt war, war der Diebstahl endgültig aufgeklärt. Der Täter wurde von den Polizisten wie im Film abgeführt und in das Polizeiauto verfrachtet. Die Polizisten zeigten den vier Mädels dann noch die Filmsequenz, wie das Handy am Abend zuvor am Tatort gestohlen wurde, denn durch die Bereitstellung der Adresse des Lokals, wurden die Überwachungskameras der Umgebung von der Polizei geprüft. Auf dem Film war allerdings ein ganz anderer Täter zu sehen. Ebenso war zu erkennen, wie durchtrieben dieser beim Diebstahl vorging. Anscheinend hatten die vier Mädels es also mit einer professionellen Bande aufgenommen. Einer der Polizisten lobte die vier Touristinnen und ganz besonders Julia Müller für die Unterstützung bei der Aufklärung des Diebstahls. Schließlich opferten sie ja auch einen ganzen Urlaubstag um das Handy von Luisa wiederzubekommen. Ohne das Engagement, die Hartnäckigkeit und das couragierte Auftreten von Julia hätten die anderen Mädels die Verfolgung nicht bis zum Ende durchgezogen und bereits am Morgen, vor dem Wohnblock des Diebes, aufgegeben. Der Diebstahl wäre somit nicht aufgeklärt worden und Luisa wäre nicht einmal mehr nach Hause gekommen, denn sowohl Bankdaten wie auch die Bahnfahrkarte und viele weitere persönliche Dinge des Alltags waren auf dem Handy abgelegt. Mit einem Augenzwinkern merkte der Polizist noch an, dass Julia zur Polizei gehen sollte. Bei der Verfolgungsjagd lernten die vier Studentinnen Budapest von einer ganz anderen Seite kennen als für Touristen üblich. Die Fünfte der Freundinnen blieb übrigens den ganzen Tag auf dem Zimmer zurück und erfuhr erst am Abend, welches Abenteuer sie verpasst hatte. Den anderen vier Freundinnen wird der 29.08.2026 und die Hauptstadt von Ungarn mit Sicherheit für immer im Gedächtnis bleiben und wer kann schon von sich behaupten, dass er Dank moderner Technik und akribischer Detektivarbeit die Polizei der ungarischen Hauptstadt einen Tag lang auf Trab gehalten und hierbei ein Mitglied aus einer Diebesbande ausgeliefert hat .
Die Bilder zeigen die fünf Freundinnen nach der Ankunft in der ungarischen Hauptstadt vor dem Budapester Parlament. Luisa ist auf dem Bild links und Julia die 2. von links. Das zweite Bild entstand an der Donau. Zu diesem Zeitpunkt war die Welt für Luisa noch in Ordnung. Wenige Stunden später begann diese unglaubliche Geschichte.
Gez. Thomas Müller
Autor:Thomas Müller aus Schloßau |
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