Naherholungsgebiet für alle pures Vergnügen?
"Unser" Haidhof - ein perfektes Idyll, wenn nicht....
- hochgeladen von Stefanie Baronin von Sachsen
Wertheim - Der Haidhof ist ein wunderbarer Ort, auf der Höhe gelegen, wie ein geschenktes Stückchen Natur direkt vor der Haustüre. Schöner kann man es eigentlich kaum haben. Ja, das gilt allerdings nicht für jeden und manches Ungemach wird immer mehr leicht ersichtlich. Denn Schilder sind ein stummer Zeuge. Und manches Mal reicht dieser leise Fingerzeig einfach nicht mehr aus.
Und das zu gutem Recht!
Was also ist passiert oder welcher Tropfen bringt das Faß vielleicht zum Überlaufen?
Der Haidhof ist ein Ort, den man nicht sucht - und doch genießen darf, denn er ist da - in aller Selbstverständlichkeit. Und deswegen dürfen wir alle auch daran partizipieren, völlig frei und maßlos - aber ist das wirklich so?
Der Reihe nach - der Haidhof oberhalb von Wertheim ist ein riesen-grosses Areal mit weitem offenen Blick betrachtet - schier unendliche Weiten. Wer ihn erreicht, spürt sofort: Hier oben öffnet sich nicht nur die Landschaft, sondern auch etwas im Inneren. Fast grenzenlos reicht der Blick, hinweg über Wiesen, Felder, endlose Waldstücke - stundenlang kann man hier oben spazieren gehen. Alleine, zu zweit - wir Zweibeiner miteinander oder auch auch mit unseren geliebten Vierbeinern. Und hier ist schon der erste zarte Hinweis, auf das was kommt.
Da die Höhe auf unserem Haidhof beachtlich ist und ein steiler Fußmarsch über den Eicheler Höhenweg manch einen schon schnaufen lässt, weit bevor der eigentliche Spaziergang beginnt, ist der einfachste Weg eben nicht per pedes, sondern natürlich bequemerweise mit dem Auto.
Kurzerhand schnell mal geparkt, auf den für uns Freizeitliebenden eigens dafür errichteten Parkplätzen, welche in aller Selbstverständlichkeit und in aller Pracht und Herrlichkeit für uns erschaffen und bereit gestellt werden. Doch oha, so einfach ist es doch nicht!
Hier oben, wo die unendlichen Spazierwege, Felder und Wälder, sich bis zum Horizont ausweiten und fast nahtlos mit dem Himmel verschmelzen ist nicht immer purer Friede, nur manchmal!
in jedem Fall ist es ein herrliches Panorama, das Ruhe schenkt und zugleich staunen lässt. Auch über manche Zeitgenossen, die sich nicht wie Gäste benehmen, noch dazu, dass sie sich selbst eingeladen haben.
Der Haidhof ist kein lautes Ausflugsziel, kein inszenierter Aussichtspunkt. Seine Schönheit liegt in der Natürlichkeit und in der vermeintlichen Selbstverständlichkeit.
Hier, wo andere kilometerweit anreisen würden, um Urlaub zu machen darf man, und zwar jedermann, sich eines bewusst sein - hier oben wird auch gearbeitet.
Ein kurzer Blick zurück: Historisch ist dieser Ort tief verwurzelt in der Kulturlandschaft rund um Wertheim. Über Jahrhunderte hinweg war der Haidhof eingebunden in die Versorgung und Nutzung durch klösterliche Strukturen. Diese Verbindung zum Kloster prägt bis heute den Charakter des Areals: Wer um die Geschichte weiß, spürt vielleicht eine gewisse Ordnung, eine spürbare Erdung, das Gefühl, dass hier über Generationen hinweg, mit Respekt gewirtschaftet wurde. Kein Zufall, dass dieser Platz eine so besondere Atmosphäre ausstrahlt - als habe die Zeit gelernt, hier langsamer zu gehen.
Heute zeigt sich der Haidhof als harmonisches Zusammenspiel von Natur, Geschichte und dem Gesicht eines top-gepflegten Land- und Forstwirtschaftsbetriebes. Und ja, all das - es befindet sich in Privatbesitz!
Es ist also nicht nur ein Ort für Spaziergänger und Wanderer, für Menschen mit und ohne Hund, für Kreuz-und Quer-Parker, Zu-Parker und für kurze Auszeiten und lange Gedanken.
Aber ist es ein Platz, der nichts fordert, aber viel schenkt?
Ja, wir alle schätzen diesen Ort. Während in Kreuzwertheim, Bayern für Hundebesitzer eigentlich Leinenzwang besteht, bietet das Areal des Haidhofs, Baden-Württemberg zusätzliche Attraktionen für Kapriolen. Wie schön ist das! Dann mal Leinen los. So soll es ja auch sein. Und der Besitzer des Haidhof - bewusst und großzügig - gewährt Freiraum. Als Verwalter könnte er ihn einschränken und Leinenpflicht aussprechen. Er tut es nicht. Aus Vertrauen. Und aus dem Wunsch heraus, dass Mensch und Tier diesen sauberen Ort gemeinsam möglichst frei genießen können.
Und bei aller Selbstverständlichkeit dieses schönen Fleckchens Erde lohnt ein bewusster Moment der Dankbarkeit. Denn was wir hier erleben dürfen, ist keineswegs selbstverständlich. Freundlichkeit, Höflichkeit eines Besuchers und der Respekt vor dem Besitztum eines anderen sollte selbstverständlich sein. Es geht um Anständigkeit, ganz einfach.
Der Haidhof befindet sich nun mal in privatem Eigentum - und doch steht er jedem offen. Die aufgestellten Holzbänke mit feingeschotteter Fläche an den schönsten Stellen im Haidhof werden in aller Selbstverständlichkeit genutzt, ob der Bequemlichkeit, dem netten Plausch mit der Freundin oder der fast mystischen Schönheit der Landschaft bei untergehender Sonne mit entsprechendem Licht.
Dass Naturliebhaber, Spaziergänger, Wanderer, Gassigeher, freilaufende Hunde und hardcore Parker diesen Ort uneingeschränkt und frei nutzen dürfen, ist ein Entgegenkommen.
Der Verwalter Jürgen Lehmann und seine Familie halten das Areal mit größer Sorgfalt in Schuss und das sieht man. Überall! Gepflegte Wege, saubere Flächen, liebevoll angelegte Alleen mit jungen Bäumen, eine Landschaft und Wälder, in denen gearbeitet wird - mit Herz, Verstand und täglichem Einsatz. Und mit großem Erfolg - auch viele Baumarten konnten natürlich wieder kommen und gezählt werden - in denen vor Wildverbiss geschützten eingezäunten Arealen.
Die Wirtschaftswege sind dazu da, um hier zu wirtschaften - parkende Autos behindern all zu oft die Zufahrten für die großen landwirtschaftlichen Geräte und Nutzfahrzeuge. Hier wird Tag und Nacht gearbeitet, von Wildablagerungen im Wald mal ganz abgesehen. Nun gut - eine Auto-Schranke in einem der vielen Waldstücke wurde angebracht.
Auch neue Schilder gibt es, "nicht unter den Astbruch-Bäumen zu parken" - diese werden geflissentlich kontinuierlich ignoriert. Wer haftet, wenn hier etwas passiert? Abstands-Findlinge, große Steine entlang der vormaligen selbst ertrotzten Parkzone wurden ausgebracht.
Gar Diskussionen von uneinsichtigen erläuterungsresistenten "Besuchern" hierüber brechen vom Zaun - wohlgemerkt: das hier ist alles Privatbesitz. Wer würde in seinem eigenen Garten oder Grundstück ein solches Verhalten dulden?
Und genaugenommen sind die Parkplätze - beidseits - am Ende des Höhenweges keine Parkplätze; sie wurden von den Haidhof-Besuchern dem Areal abgerungen, in aller Selbstverständlichkeit - dies alles immer noch auf Privatbesitz - alles fein, jedoch ohne einen Anspruch. Es ist jedoch geduldet.
Alltag mit einem Augenzwinkern
Niemand sagt etwas, wenn manch gewiefter schlauer flinker Vierbeiner an den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden des Haidhofs, den Napf der liebenswerten kleinen Hofhündin mal eben schnell leerfuttert. Da lässt sich darüber noch schmunzeln.
Weniger leicht ist es jedoch, wenn die Spuren vieler Hunde überall dort liegen bleiben, wo gemäht, gepflegt und gearbeitet wird. Jeder, der einmal mit einem Freischneider gearbeitet hat weiß Bescheid. Fremde Hinterlassenschaften haben hier also nichts verloren. Was für den Einzelnen nur eine Kleinigkeit sein mag, summiert sich auf dieser großen Fläche auf dem gesamten Areal schnell - und wird zur Belastung für Mensch, Natur und Landwirtschaft.
Vielleicht ist genau hier der richtige Moment für eine freundliche Erinnerung: Dieser Ort lebt davon, dass Freiheit und Rücksicht Hand in Hand gehen. Dass wir genießen dürfen, weil andere Verantwortung tragen. Wer den Haidhof betritt, darf das mit dem Bewusstsein tun, stundenlang Gast zu sein - willkommen, aber eben nicht anspruchslos.
Ein wenig Achtsamkeit, ein respektvoller Umgang miteinander: All das hilft, diesen besonderen Ort so zu bewahren, wie wir ihn lieben. Damit der Blick frei bleibt. Für alle. Auch wenn er in Privatbesitz ist.
Autor:Stefanie Baronin von Sachsen aus Wertheim |
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