Kultur / fränkischer Adel / Heimat
"Mamarazza" photographiert nun im Himmel. Na alsdann---
Die bekannteste Gesellschaftsphotographin Europas hat die Kamera aus der Hand gelegt
Fürstin Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn starb im Alter von 105 Jahren.
Die „Grande Dame“ der Salzburger Festspiele, Fürstin Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, geborene Mayr-Melnhof, die über ihre Mutter, Gräfin Meran, aus einer morganatischen Seitenlinie des Hause Habsburg stammte, ist kürzlich im gesegneten Alter von 105 Jahren in München verstorben. Sie hatte Verbindungen in unsere Region, nach Franken, war sie doch die Schwiegermutter von Fürstin Gabriela, geb. Gräfin Schönborn-Wiesentheid. Über ihre Schwester, Gräfin Eltz († 103), der Großmutter von Karl-Theodor zu Guttenberg, dessen Urgroßmutter Sophie eine geborene Prinzessin zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg war, reichten die verwandtschaftlichen Beziehungen bis an den Untermain.
„Manni“, wie sie im Freundeskreis genannt wurde, war eine absolute Größe im gesellschaftlichen Leben Salzburgs. Ihre „kleinen, ländlichen Mittagessen“ zur Salzburger Festspielzeit in ihrem Jagdhaus in Fuschl, sind und bleiben legendär ! Sie führte an ihrem Tisch bis zu 80 unterschiedlichste Zeitgenossen zusammen, seien es Prinz Louis Ferdinand von Preußen, Prinz Aga Khan, Margaret Thatcher, Sean Connery, ihre engen Freunde Lilli Palmer und Gunter Sachs, und, und, und… . Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Sicherlich war auch ihre Schwiegertochter, die Schauspielerin Sunnyi Melles, samt diverser Kollegen, des öfteren zu Gast. Das Ungewöhnliche an diesen Einladungen war, trotz hochkarätiger Gästelisten, die Einfachheit der gereichten Mahlzeiten. Oftmals wurden diese von Damen aus dem Ort zubereitet, allerdings wurden auch Enkel und nicht selten Gäste mit eingespannt.
Das Jagdhauses befindet sich etwas abseits gelegen, mitten im Wald und wird derzeit, laut Aussage einer direkten Nachbarin, von der Enkelgeneration der Fürstin umgestaltet.
Als erfolgreiche Photographin, war sie eine international anerkannte Fachfrau, was ihr nicht zuletzt den Beinamen „Mamarazza“, laut eigener Aussage offensichtlich kreiert durch Prinzessin Caroline von Hannover, einbrachte. Fürstin Marianne war lange bevor es „Influencer“, „Content Creator“, oder wie auch immer sich diese Protagonisten heutzutage nennen mögen gab, eine absolut schlaue „Netzwerkerin“! Obwohl Society Dame par excellence mit edlem Stammbaum (sie war Nachfahrin von Kaiserin Maria-Theresia), blieb sie volksnah und bodenständig.
Unvergessen im Salzkammergut, sind auch ihre Fahrkünste im doch schon sehr hohen Alter. Anekdoten hierzu wären abendfüllend und zaubern jedem, der sie kennenlernen durfte, ein Lächeln ins Gesicht… . In einem Interview vor vielen Jahren erklärte sie einmal, daß sie ihre Haare oftmals selbst mit der Nagelschere schneide. „Und wenn das dann aussieht, als hätte eine Maus hineingebissen, dann muß die Friseurin, Frau Bayerl aus St. Gilgen, das wieder schön machen“.
Sie war auch, berechtigterweise, eine Verfechterin des Namens ihres Hauses und hat sich stets positioniert, gegen „diese adoptierten Herrschaften“, die sich mit dem erkauften Namen der Dynastie zu schmücken versuchen, aber weder das Recht, noch die Klasse dazu haben! Generell kritisch sollte man sein bei Zeitgenossen, die sich „von Wittgenstein“ nennen. Das Haus selbst führt das Adelsprädikat „zu Wittgenstein“.
Fürstin Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, wurde nach einem Trauergottesdienst in der Abteikirche zu Sayn, im engsten Familien- und Freundeskreis in der Krypta der Schloßkapelle beigesetzt.
Klaus Franke
Kommentar
Autor:Klaus Franke aus Wertheim |
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