2.Kleine Auszeit der Bücherei Kleinheubach
"Dallmayrkaffee"
- hochgeladen von Evang. Kirchengemeinde Kleinheubach
„Dallmayrkaffee, belgische Pralinen mit Herz“
„Schön, dass es noch so etwas Gutes gibt – Dallmayr Prodomo- vollendet, veredelter Spitzenkaffee“, mit dieser musikalischen Werbung auf dem Handy leitete Alexandra Herz ihre erste Lesung in der Evangelischen Öffentlichen Bücherei ein. Alexandra Herz hatte gekonnt, passende Passagen ausgesucht, um das Publikum zu fesseln. Die zahlreichen Besucher fanden nicht alle in der Bücherei Platz, der Flur bot Ausweichmöglichkeiten, auch Stehplätze waren gefragt.
Als Hobbybäckerein hat die Autorin Lisa Graf u.a. eine Schwäche für Trüffelpralinen. Mit ihrer grandiosen Familiensaga „Dallmayr“ – „Der Traum vom schönen Leben“, entführt sie ihre Leserinnen und Leser ins München der Jahrhundertwende und verzaubert mit einer wunderbaren Familiengeschichte rund um den Feinkostladen Dallmayr.
Anton und Therese Randlkofer führten 1897 in München den beliebten Feinkostladen Dallmayr in der Dienerstraße. Während die Gutsituierten erlesene Pralinen und exquisiten Kaffee probierten, träumen vor den prachtvoll dekorierten Schaufenstern die einfachen Bürger vom schönen Leben. Ein jeder möchte Kunde im Dallmayr sein. Doch dem glanzvollen Aufstieg des Familienunternehmens droht ein jähes Ende, als Patriarch Anton unerwartet verstirbt. Mutig und entschlossen setzt sich seine Ehefrau Therese an die Spitze des Unternehmens. Nicht ahnend, dass ihr Schwager Max das Dallmayr-Erbe unrechtmäßig an sich reißen will- und dass ihm dafür jedes Mittel recht ist.
Interessiert und aufmerksam verfolgte das Publikum den Ausführungen der Vorleserin:
„Der Duft von Kaffeebohnen und Kakao lag in der Luft“, als der Lehrling Ludwig zur Chefin gerufen wurde. Irgendetwas hatte er angestellt, doch es fiel ihm einfach nicht ein, was es gewesen sein könnte. Aber das half ihm jetzt auch nicht mehr. Er wollte das Donnerwetter nur möglichst schnell hinter sich bringen. Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Er sah seine Chefin an und ihr Blick bestätigte seine Vermutung. Die feine belgische Schokolade! Er hatte diese kleine Stück aufgehoben und es sich, ohne auch nur einmal nachzudenken, in den Mund geschoben. Noch nie in seinem Leben hatte er so etwas Feines gegessen. Dieser Geschmack nach Kakao und gebrannten Nüssen. „Und“, fragte seine Chefin. „Ich höre?“ „Ich kann nichts dafür“, Ludwigs Mund war trocken wie Löschpapier. „Meine Hand….mein Mund“. …. Er kam sich vor wie ein Narr. „Es tut mir so leid, es wird nicht wieder vorkommen.“
„Und was noch?“ meinte Frau Randlkofer. Ludwig machte ein Gesicht wie ein Karpfen, was meinte sie denn? „Ich will wissen, wie sie geschmeckt hat, die sündhaft teure belgische Schokolade“.
Ludwig schluckte geräuschvoll: „Besser als alles, was ich gegessen habe. Sie hat so“ …. „Ja?“ fragte Therese. „ Sie hat nach Urwald geschmeckt, also, so wie ich mir halt den Urwald vorstelle. Heiß und feucht und dampfend und so süß wie eine riesenhafte Blüte, von der die Schmetterlinge und die kleinen Vögel, die aussehen wie schwirrende Edelsteine, mit ihren langen Rüsseln den Nektar saugen, und …. es war, als ob eine Wundertüte auf meiner Zunge zerplatzt wäre!“ „Ich hab das alles wirklich spüren können.“
„Vielleicht bist du ja doch am richtigen Platz“, meinte Therese und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Nur Ludwig, wenn dich eine Kundin nach dem Geschmack der belgischen Schokolade fragt, dann übertreib nicht gleich so, gell?“ „Lass es mit der Kakaoblüte und den Schmetterlingen gut sein. Vom dampfenden Wald und den kreischenden Tieren erzählst du lieber nichts, verstanden?“
Passend zur Lesung wurde natürlich Dallmayr-Kaffee ausgeschenkt, in der Pause überraschten die Büchereimitarbeiterinnen alle mit leckerer, belgischer Schokolade. Da es sich um „Meeresfrüchteschokolade“ handelte, meinte eine Besucherin lächelnd: „ Jetzt hören wir vielleicht Meeresrauschen, aber riechen keinen Urwald!“ Von der Vorleserin gab es als kleines Geschenk zum Abschluss – eine selbst hergestellte Gesichtsmaske aus Dallmayr-Kaffee und Olivenöl.
Mit einen kleinen Präsent und viel Applaus für ihre erste gelungene Lesung wurde Alexandra Herz verabschiedet.
Ilse Schüßler, Bücherei Kleinheubach
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