Felix Höfner (14) trotzt seinem Handicap und erobert den Main
Kleinheubacher Kraftpaket will zu den Paralympics

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Wenn man Felix Höfner in seinem Zimmer vor der Playstation sitzen sieht, wirkt er wie ein ganz normaler 14-Jähriger. Auffällig sind eigentlich nur die gefühlt 100 Medaillen an seiner Wand. Erst wenn Felix aufsteht und läuft, fallen zwei Dinge auf: Der Kleinheubacher läuft nicht wie andere Jungen in seinem Alter, er braucht eine Gehhilfe für kurze Strecken und einen Rollstuhl für längere Wege. Und er hat Oberarme, auf die so mancher Bodybuilder stolz wäre. Felix fährt trotz seines Handicaps Kanu wie ein Weltmeister. Und genau das könnte er vielleicht einmal werden. Sein allergrößter Traum: Die Paralympics 2024 in Paris. Wir stellen das coole Kraftpaket heute vor.

2013 ins Kanu gestiegen
Manchmal sind es Zufälle, die einen zur neuen Leidenschaft führen. Bei Felix waren es die Ferienspiele im Sommer 2013, denn hier fuhr er das erste Mal in einem Kanu. Bei der WSG Kleinheubach wurde ihm beigebracht, wie man das Kanu sicher durch das Wasser lenkt. Kein einfaches Unterfangen, denn die Beine spielen im Kanusport eine wichtige Rolle. Das Energiebündel aus Kleinheubach lernte schnell, nahm schon im September an einer ersten Inklusionsregatta teil und gewann direkt 8 Medaillen. Was Felix zunächst nicht zu träumen wagte, wurde nach vielen weiteren Erfolgen ein festes Ziel. Er möchte nach Paris und auf dem gleichen Fluss, auf dem kurz zuvor die Olympischen Spiele stattfanden, mit anderen Paralympics-Athleten um Medaillen kämpfen.

Ausdauertraining am Handbike
„Spina bifida“ nennt sich die Erkrankung, die Felix seit seiner Geburt im Dezember 2004 hat – ein inkompletter Querschnitt. Die hält den schüchternen jungen Mann zwar auf, aber kann ihn nicht stoppen. Viermal die Woche geht es ins Wasser, zweimal steht Krafttraining auf dem Programm und fast jeden Tag wird am Handbike trainert, mit dem Felix auch an 10-Kilometer-Wettkämpfen teilnimmt. Während des Winters wird Kraft und Ausdauer am Handbike gemacht und er kann auch auf einem Hometrainer die Fahrt auf dem Main zumindest ansatzweise simulieren. Natürlich geht es im Training gegen gesunde Sportler. Für Felix kein Problem, sondern ein großartiger Ansporn. Nationaltrainer Arne Bandholz wurde auf das Talent aufmerksam und der Verband ändert nun wohl sogar wegen ihm seine Satzung, damit er schon mit 14 Jahren bei den wichtigen Wettkämpfen an den Start gehen darf. Antreten muss er übrigens auch gegen sehr erfahrene Männer, denn Altersklassen wie bei gesunden Kanuten gibt es nicht.

Felix‘ Erfolg hat seinen Preis
Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn je besser der 14-Jährige wird, desto mehr Aufwand und Kosten kommen auf die Familie zu. Trainingslager mit der Nationalmannschaft, Fahrtkosten auf den Regatten, Ausrüstung und Kleidung, Paddel und das Boot. Gesunde Sportler können im Zelt schlafen und ihr Boot alleine ins Wasser stellen, Felix ist hier auf Hilfe angewiesen, die die Familie als Betreuer leisten muss. Wo Olympioniken mit Medaillenaussichten zu Sportsoldaten werden, bleibt für Felix nur die Suche nach Sponsoren – denn auch das Material spielt im Wasser natürlich eine Rolle, wenn um Sekunden gekämpft wird. 200 Meter fahren die guten Jungs in 48 Sekunden, Felix ist nun schon bei 51 Sekunden und weiß, dass er noch viel Luft nach oben hat. Aktuell fährt der Para­sportler 100 Meter, 200 Meter, 500 Meter und 1000 Meter – ab diesem Jahr darf er auch die 5000 Meter fahren.

Gute Schulnoten müssen sein
Den Reiz, die Schule für das geliebte Hobby schleifen zu lassen, gibt es für den 14-Jährigen nicht. Die Noten müssen passen, denn je besser der Job später ist, desto besser kann er sein Hobby finanzieren. Deswegen hat im Zweifelsfall das Lernen Vorrang vor dem Training. Bisher bekommt die Familie Höfner beides gut unter den Hut. Im Sommer wird dann eben zwischen den Rennen Hausaufgaben gemacht und gebüffelt. Mit seinem Berufswunsch Physiotherapeut lässt sich dann später vielleicht auch die Zeit frei gestalten und mit Sportlern arbeiten.

Die Familie ist immer mit dabei
Auch für die Eltern von Felix ist das große Talent des Sohnes ein Kraftakt. Natürlich wird der Aufwand gerne in Kauf genommen, doch der Jahresurlaub geht für die Wettkämpfe drauf. Zehn bis zwölf lange Wochenende im Sommer gehen allein für die Regatten drauf, die auch mal weiter weg in München und Hof stattfinden. Ein Wohnwagen war am Ende unabdingbar, als feststand, dass der Sport im Fokus bleibt. Felix ist außerdem nicht allein, auch seiner kleinen Schwester Lea wollen die Eltern gerecht werden. Die paddelt auch schon fleißig und so lassen sich die Wochenende auf Wettkämpfen gut für die Familie unter den Hut bringen. Weniger wird der Stress allerdings nicht, wenn nun auch noch die Deutschen Meisterschaften dazukommen. Umso wichtiger, dass die Wassersportler keine Konkurrenten, sondern eine große Familie sind.

Erst mal zur Weltmeisterschaft ...
Bevor es nach 2024 Frankreich geht, hat der sympathische junge Mann ein anderes ambitioniertes Zwischenziel vor Augen. 2021 findet in Hongkong die Weltmeisterschaft statt. 2023 ist der Weltcup in Brasilien an der Reihe. Das sind wichtige Schritte für Felix, um sich für seinen großen Traum zu qualifizieren. Bis es soweit ist, steht für Familie Höfner und vor allem für Felix noch viel Arbeit an. Tausende Trainingsstunden, Euros und unzählige Wochenende für den großen Traum, den man dem sympathischen jungen Mann von Herzen gönnt.

Die Kosten:
Allein die Trainingslager von Felix verschlingen knapp 6.000 Euro pro Jahr. Als extrem aktiver Sportler ist der Verschleiß an seiner Ausrüstung ebenfalls hoch. Ein Para-Rennboot kostet um die 4.000 Euro, Weste und Neoprenhose je 70 Euro, ein Paddel fällt mit 200 Euro zu Buche. Die zehn Oberteile, die Felix im Jahr abnutzt summieren sich ebenfalls auf 400 Euro. Ohne die Unterstützung von regionalen Sponsoren wie der Firma WIKA und Reinhold Keller oder Aktionen der Lechner-Freunde, Deejays for Children oder der Aktion MainHerz und vielen Weiteren Gönnern wäre das Hobby für den Kleinheubacher kaum möglich und die Paralympics ein unerreichbarer Traum. Wer Felix helfen möchte, kann dies mit einem Werbeplatz am Kanu, dem Paddel, auf dem Trikot und vielen weiteren Plätzen machen. Auch kleine Geldspenden helfen. Kontakt zu Felix kann man auch zum Beispiel über seine Facebook-Seite „Felix Höfner“ aufnehmen.

Hier können Sie spenden
Spendenkonto Wassersportgemeinschaft Kleinheubach
Parakanute Felix Höfner
Sparkasse Miltenberg-Obernburg
DE15 7965 0000 0620 251 066
Raiffeisen-Volksbank Miltenberg
DE47 5086 3513 0002 8040 18

Felix ist ein richtiger Titel-Hamster. Fast 100 Medaillen zieren sein Zimmer.
Autor:

Thomas Poppe aus Miltenberg

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