MdL Thomas Zöller
Zu Besuch beim Projekt „Und Los – ElternchanceN“ in Leidersbach
- v.l.n.r.: Bürgermeister Michael Schüßler, Projektkoordinatorin Rebecca Lang, MdL Thomas Zöller
- Foto: Bürgerbüro MdL Zöller
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Ein einladendes Büro im Leidersbacher Rathaus, ein offener und ehrlicher Austausch mit Projektkoordinatorin Rebecca Lang und Bürgermeister Michael Schüßler – und vor allem die Erkenntnis, wie wichtig frühe Unterstützung für Familien heute ist: Mein Besuch beim Projekt „Und los! – ElternChanceN in Leidersbach“ hat mich nachhaltig beeindruckt.
Was hier in Leidersbach aufgebaut wurde, ist weit mehr als ein klassisches Beratungsangebot. Es ist ein niedrigschwelliges, eng vernetztes Präventionsprojekt, das Familien von der Schwangerschaft bis zum Eintritt in die Schule begleitet – und das völlig kostenfrei für die Familien. Genau das ist entscheidend: Hilfe anzunehmen darf keine Frage des Geldbeutels sein.
Aktuell werden in Leidersbach 76 Familien regelmäßig begleitet. Vier sozialpädagogische Fachkräfte kümmern sich dabei um ganz unterschiedliche Herausforderungen, die Familien im Alltag begegnen. Themen wie Erziehungsfragen, finanzielle Sorgen, persönliche Ängste, Bindungs- und Entwicklungsfragen, Überforderung im Alltag, gesundheitliche Belastungen, Probleme in der Partnerschaft oder auch Schul- und Organisationsthemen können offen angesprochen und gemeinsam bearbeitet werden. Ziel ist es, Eltern frühzeitig zu begleiten, ihnen Sicherheit zu geben und Familien insgesamt zu stärken, damit sich Kinder bestmöglich entwickeln können.
Besonders bemerkenswert ist dabei auch die bisherige Reichweite des Projekts: In den ersten drei Jahren konnten insgesamt bereits 189 verschiedene Familien mit 381 Kindern durch die unterschiedlichen Angebote begleitet und unterstützt werden.
Besonders beeindruckt hat mich die Vielfalt der Angebote. Schon für werdende Eltern gibt es mit „Babbeln in anderen Umständen“ regelmäßige Treffen rund um Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit mit dem Kind. Dazu kommen Krabbel- und Elterngruppen wie „Babbeln und Krabbeln“ oder „Babbeln und Brabbeln“, bei denen Eltern nicht nur miteinander ins Gespräch kommen, sondern auch konkrete fachliche Impulse erhalten. Mal ist eine Hebamme zu Gast, mal eine Schlafberaterin, ein Ernährungsexperte oder ein Ansprechpartner vom Jugendamt oder anderen Behörden. Genau diese Mischung aus Begegnung, Information und konkreter Unterstützung macht das Projekt so wertvoll.
Hinzu kommen ganz praktische Hilfen: Hausbesuche, Unterstützung bei Formularen und Anträgen, Begleitungen zu Behörden oder Ärzten, Hilfe für fremdsprachige Familien oder auch individuelle Coachings für Eltern und Kinder. Gleichzeitig werden Familien aktiv miteinander vernetzt – etwa bei Familienpicknicks, Vater-Kind-Angeboten, Spielplatzaktionen oder Freizeitangeboten. So entstehen Kontakte, Vertrauen und gegenseitige Unterstützung direkt vor Ort.
Für mich ist dabei ein Punkt besonders wichtig: Hier wird echte Präventionsarbeit geleistet. Viele Probleme können früh erkannt und abgefangen werden, bevor sie größer werden – sei es im Bereich Bildung, Gesundheit, Entwicklung oder sozialer Belastungen. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen seit Jahren, wie entscheidend die ersten Lebensjahre für die Entwicklung eines Kindes sind. Natürlich lässt sich heute noch nicht konkret beziffern, welche Folgekosten durch solche Projekte langfristig vermieden werden können. Aber es liegt auf der Hand, dass frühe Unterstützung Familien stabilisieren und spätere Hilfesysteme entlasten kann.
Bemerkenswert ist auch die starke Vernetzung des Projekts. In Leidersbach arbeiten Gemeinde, Kindertagesstätten, Schulen, Vereine und verschiedene Beratungsstellen des Landkreises eng zusammen. Rebecca Lang bringt ihre Erfahrungen darüber hinaus auch in andere Kommunen und Fachveranstaltungen ein und leistet wichtige Aufklärungsarbeit zum Thema Elternbegleitung und kommunale Prävention.
Hervorzuheben ist dabei, dass das ESF-Plus-Programm „ElternChanceN – mit Elternbegleitung Familien stärken“ bundesweit aktuell nur an 67 Modellstandorten umgesetzt wird – in ganz Bayern sogar lediglich sieben Mal. Dass Leidersbach zu diesen wenigen Standorten gehört, zeigt, welchen hohen Stellenwert die Gemeinde der frühen Unterstützung von Familien beimisst.
Finanziert wird „Und los! – ElternChanceN in Leidersbach“ durch Mittel des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Europäischen Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) sowie mit Unterstützung der Gemeinde Leidersbach. Für mich steht fest: Das ist eine Investition, die direkt bei den Familien ankommt und langfristig unserer gesamten Gesellschaft zugutekommt.
Mein herzlicher Dank gilt Rebecca Lang, Bürgermeister Michael Schüßler und allen Beteiligten, die dieses Projekt mit so viel Überzeugung und Engagement tragen. Leidersbach zeigt eindrucksvoll, wie moderne Familienbegleitung funktionieren kann: nah an den Familien, unkompliziert, verlässlich und mit echter Wirkung.
Autor:Bürgerbüro Thomas Zöller, MdL aus Landkreis Miltenberg |
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