“Demokratie braucht Engagement”!
300 Menschen lassen im strömenden Regen den „Klang der Demokratie“ hören
- hochgeladen von Klaus Brauch-Dylla
Neckar-Odenwald-Kreis, Mosbach. (bd) 300 Menschen ließen trotz strömenden Regens am Samstag auf dem Mosbacher Chateau-Thierry-Platz den „Klang der Demokratie“ hören. Zu der Kundgebung hatten Herz statt Hetze NOK und das Bündnis für Demokratie und Menschenrechte NOK eingeladen, um vor der Landtagswahl ein lautstarkes Zeichen für Freiheit und Vielfalt zu setzen.
Nach der Begrüßung durch Versammlungsleiter Christof Roos (Mosbach) erklang zunächst das Lied „Die Gedanken sind frei“, ein Traditionslied im Ringen um Demokratie. Dirigiert von Christian Roos und eingestimmt und begleitet von Gerhard Schäfer (Wagenschwend) auf der Trompete.
Im Anschluss sprach Pfarrerin i.R. Birgit Lallathin (Elztal). Sie nahm Bezug auf das Gedicht “Sachliche Romanze” des von den Nazis verfolgten Erich Kästner. Dabei verglich sie die 80-jährige Geschichte unserer Demokratie mit einer langjährigen Liebesbeziehung, die ständiges Engagement und Pflege statt Gleichgültigkeit brauche. Sie warnte davor, die Demokratie als gesicherten Besitzstand zu betrachten. „Demokratie braucht Engagement, sie ist ein lebendiger Prozess“, betonte Lallathin. Werde die Teilhabe vernachlässigt, drohe Gleichgültigkeit, die den Boden für Kräfte der Ausgrenzung und des Ressentiments bereite. Sie plädierte für eine sachliche Auseinandersetzung und das Ringen um das bessere Argument. Eine wehrhafte Demokratie müsse Mehrheiten finden, zugleich die Rechte von Minderheiten und die Vielfalt der Lebensentwürfe sicherstellen.
Lallathin mahnte, die Stimme gegen Hetze zu erheben und auf humanitäre Werte zu setzen, da Vielfalt die Essenz unserer Gesellschaft sei. Wahre Demokratie bedeute regulierten Interessenausgleich und Macht auf Zeit; wer das System aushöhle, missachte die historischen Lehren aus totalitärem Elend. „Wir schweigen nicht, wir fürchten uns nicht“, man trete ein für Vielfalt und Demokratie und ihren Feinden entgegen.
Als Abgrenzung zu Nationalismus und Chauvinismus ertönte anschließend Beethovens „Freude schöner Götterfunken“, die Europahymne, unter dem Dirigat von Christof Roos(Mosbach).
In seiner nachfolgenden Ansprache ging Pfarrer Frederik Reith (Buchen) auf das christliche Menschenbild ein, das in der unantastbaren Würde des Einzelnen die Brücke zum Grundgesetz schlägt. Er betonte, dass Kirche und Demokratie insbesondere im Umgang mit globaler Vielfalt voneinander lernen könnten. Zentral sei hierbei die „Ambiguitätstoleranz“ – das Aushalten unterschiedlicher Lebensentwürfe, solange diese nicht gegen geltendes Recht verstoßen. Ein friedliches Nebeneinander verschiedener Ideen vom „guten Leben“ stärke das Gemeinwesen. Es sei Bürgerpflicht, die Grundlagen dieses Zusammenlebens zu stützen, “und das, was uns jeweils möglich ist, zu tun, damit alle ihre Rechte ausleben können”. Reith warnte vor isolierten Gesinnungsblasen; wahre Toleranz bedeute Respekt und Akzeptanz für die Werte des Gegenübers.
Danach stand die lautstark gesungene antifaschistische Hymne „Bella ciao“, dirigiert von Horst Berger (Buchen), auf dem Programm.
Herbert Münkel (Schlossau), Präsident des Blasmusikverbandes Tauber-Odenwald-Bauland, hoffte in seinem Grußwort auf eine Wiederholung bei besserem Wetter und schlug vor, ein solches Event, das Musik und demokratisches Engagement verbindet, jährlich fest im Terminkalender zu verankern. Das „Badnerlied“, dirigiert von Verbandsdirigent Rudi Knödl (Boxberg) setzte den musikalischen Schlusspunkt der Veranstaltung.
Autor:Klaus Brauch-Dylla aus Limbach |
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