Pflegeeltern brauchen viel Geduld und Liebe
Qualifizierungsseminar erfolgreich abgeschlossen – Neue Pflegefamilien sind startklar

Symbolbild: Qualifizierungsseminar erfolgreich abgeschlossen – Neue Pflegefamilien sind startklar  | Foto: Neckar-Odenwald-Kreis
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Neckar-Odenwald-Kreis. „Wir möchten jungen Menschen helfen, ihnen Sicherheit vermitteln und eine Familie sein.“ So beschreibt eine Familie ihre Motivation, Pflegefamilie zu werden. Insgesamt 20 angehende Pflegeeltern, darunter Paare und Einzelpersonen, haben das jüngste Qualifizierungsseminar für neue Pflegefamilien erfolgreich abgeschlossen. An drei Terminen mit insgesamt 18 Stunden erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Pflegekinderhilfe und legten damit den Grundstein für eine erfüllende Aufgabe: einem Kind ein verlässliches Zuhause dauerhaft oder auf Zeit zu schenken. Das Seminar bildete den Abschluss des so genannten Eignungsprüfungsprozesses.

Geleitet wurde das Qualifizierungsseminar von drei erfahrenen Fachkräften des Pflegekinderdienstes des Neckar-Odenwald-Kreises, die Informationen, praxisnahe Impulse und berührende Schicksale von Pflegekindern vermittelten. Beim ersten Termin stand zunächst das Kennenlernen der einzelnen Teilnehmenden auf dem Programm. Anschließend fand eine Einführung in die Strukturen der Jugendhilfe und die Aufgaben des Pflegekinderdienstes statt. Gemeinsam wurde erarbeitet, wie es überhaupt dazu kommt, dass Kinder in einer Pflegefamilie untergebracht werden, wie die Vermittlung verläuft und welche rechtlichen Grundlagen es gibt.

Eine Woche später wurden gemeinsam die Erfahrungen, die Pflegekinder vor der Unterbringung in einer Pflegefamilie machen müssen, betrachtet. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf möglichen gesundheitlichen Auswirkungen und Traumata. Im Anschluss daran wurden noch die Themen Bindung und Beziehung und der Ablauf eines Integrationsprozesses eines Pflegekindes in einer Pflegefamilie beleuchtet. Berührend war der Erfahrungsbericht von zwei Pflegekindern. Die beiden 17- und 19-jährigen Frauen leben beide in einer Pflegefamilie und berichteten von ihrer Geschichte. Auf die Frage, was Pflegeeltern brauchen, erklärte eine der beiden, man brauche „viel Geduld und Liebe“. Wenn man ein Pflegekind aufnehme, dann sei alles anders, es sei harte Arbeit, aber es lohne sich. Es sei nicht immer einfach als Pflegekind aufzuwachsen, manchmal werde man von anderen so betrachtet, als sei man „kein normaler Mensch“. Das berichtete die andere junge Frau. Deshalb sei es wichtig, dass Pflegeeltern immer hinter ihren Pflegekindern stehen würden. Beide jungen Frauen machten deutlich, dass die Pflegefamilie für sie ihr Zuhause ist: „Es sind Mama und Papa, nicht meine Pflegeeltern“, berichtet eine der beiden mit Tränen in den Augen. Die andere erklärt: „Ich habe meinen festen Anker bei der Familie, auch wenn ich irgendwann ausziehe“.

Beim dritten und damit letzten Termin widmeten sich die Teilnehmenden den Themen Kinderrechte, Kindeswohl und Kinderschutz. Anschließend wurden die für Pflegefamilien sehr wichtigen Themen Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie und Biografiearbeit bearbeitet. Offenheit den leiblichen Eltern gegenüber und die Bereitschaft der Pflegeeltern, mit dem Kind gemeinsam dessen Geschichte zu besprechen, das seien die Grundlagen für ein gelingendes Pflegeverhältnis. Dies wurde von den Referentinnen mehrfach betont. Die Teilnehmenden formulierten den Wunsch nach einem freundlichen Miteinander mit den leiblichen Eltern, mit dem Ziel gegenseitiges Verständnis zu haben und gemeinsam zum Wohle des Kindes zusammenzuarbeiten. Zum Abschluss des Qualifizierungsseminars berichteten dann noch zwei erfahrene Pflegemütter von ihrem Werdegang. Auch die beiden Pflegemütter betonten, dass eine offene und wertschätzende Haltung der Herkunftsfamilie gegenüber sehr wichtig sei, auch dann, wenn es manchmal schwerfalle.

Insgesamt vermittelte das Seminar nicht nur theoretisches Wissen, sondern viele praxisnahe Beispiele, die Möglichkeit zur Reflexion und Raum für den Austausch mit den anderen Teilnehmenden. Nach Abschluss des Kurses sind die Familien nun als Pflegefamilien für Vollzeitpflege und Bereitschaftspflege qualifiziert. Sie öffnen ihr Zuhause für Kinder, die vorübergehend oder dauerhaft nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können – und schenken ihnen Geborgenheit, Sicherheit und Stabilität.

„Wir sind immer wieder dringend auf neue Pflegefamilien angewiesen. Aktuell sind circa 150 Kinder im Neckar-Odenwald-Kreis in knapp 100 Pflegefamilien untergebracht, entweder temporär in Bereitschaftspflege oder längerfristig in Vollzeitpflege. Die Pflegefamilien leisten einen unschätzbaren Beitrag für die Gesellschaft und vor allem für Kinder, die nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können“, so die Sachgebietsleitung des Pflegekinderdienstes, Sabine Seitz-Schwindt.

Interessierte, die sich ebenfalls dafür interessieren Pflegefamilie zu werden, können sich beim Pflegekinderdienst des Neckar-Odenwald-Kreises unter 06261 / 84-2121 informieren.

Autor:

Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis aus Neckar-Odenwald-Kreis

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