Gemeinsame Exkursion im Morretal bei Buchen
Minister Peter Hauk zu Besuch beim Landschaftserhaltungsverband Neckar-Odenwald-Kreis e. V.
- Gruppenbild der Exkursionsteilnehmer mit Minister Peter Hauk
- Foto: Landschaftserhaltungsverband Neckar-Odenwald-Kreis e. V.
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Buchen. Auf Einladung des Landschaftserhaltungsverbands Neckar-Odenwald-Kreis e. V. (kurz LEV) kam der Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg Peter Hauk am 2. Oktober 2025 zu einer gemeinsamen Exkursion ins Morretal nach Buchen.
Auf vier Stationen tauschten sich neben der LEV-Geschäftsstelle v. a. auch LEV-Vorstände, Mitglieder und Projektpartner mit dem Minister aus. Bei seiner Begrüßung bedankte sich LEV-Geschäftsführer Matthias Jurgovsky beim Minister für die gute finanzielle Förderung nach der Landschaftspflegerichtlinie, mit der Einzelmaßnahmen umgesetzt und Verträge mit der Landwirtschaft geschlossen werden können. Damit die Arbeit fortgeführt werden könne, bedürfe es auch in Zukunft einer ausreichenden Ausstattung dieses Förderprogramms.
Durch seine Drittelparität aus Landwirtschaft, Kommunen und Naturschutz ist der LEV bei der freiwilligen Maßnahmenumsetzung so erfolgreich, erläuterte Jurgovsky weiter. Die Kommunikation zwischen den Paritäten hat sich seit der Gründung des LEV im Jahr 2012 deutlich verbessert. Dabei versteht sich die Geschäftsstelle als Kümmerer und Vermittler zwischen den Interessen.
Bei zwei Stationen stellte das Ehepaar Helen und Niko Kaufmann ihren noch jungen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb vor. Oberstes Ziel sei eine be-wusste Tierhaltung u. a. mit der mobilen Schlachtung im Rahmen des Projekts „kLasSE Fleisch“. Die Exkursionsteilnehmer waren beeindruckt von der Rinderrasse „Belted Galloways“, die neugierig die Gäste an der Weide am Waldschwimmbad Buchen begrüßte. Die robusten Tiere können ganzjährig auf der Weide bleiben, sofern das Wetter nicht zu ungünstig ist. Um wachsen zu können, bräuchte der Betrieb jedoch weitere Flächen. Leider sind die Pachtpreisvorstellungen von Privateigentümern zu hoch, so Nico Kaufmann. Man sei deshalb froh, zumindest von der Stadt Buchen Flächen zu guten Konditionen nutzen zu können. Dies ist eine Win-win-Situation, ergänzte Bürgermeister Roland Burger. Die Tiere halten die für Tourismus und Erholung wichtigen Flächen offen, was auf dem Talweg zwischen Buchen und Hettigenbeuern sichtbar ist.
Die nächste Station führte die Gruppe zu Heuwiesen, die seit wenigen Jahren vom Betrieb Holderbach aus Buchen über einen Landschaftspflegevertrag extensiviert werden. Durch einen Düngeverzicht und vorgegebene Schnittzeitpunkte, soll sich das Grünland zu einem nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützten Lebensraum nach EU-Recht entwickeln. Aktuell ist eine Klage der EU gegen die Bundesrepublik Deutschland anhängig wegen der mangelnden Umsetzung der Richtlinie. Der LEV versucht deshalb gemeinsam mit Landwirten neue artenreiche Heuwiesen zu entwickeln, um die Bilanz zu verbessern. Das Futter von den Wiesen kann im eigenen Betrieb mit hauptsächlich Bullenmast trotz des geringeren Futterwertes gut genutzt werden. Dennoch beklagt der Betrieb die allgemein geringe Wertschätzung der Landwirtschaft und deren Produkte in der Bevölkerung. Oft gebe es kaum Kenntnis über die schwierige Arbeit bei der Erzeugung von Lebensmitteln. Das Verhältnis von Arbeitsaufwand und Gewinn sei unverhältnismäßig, so der Betrieb. Dies wurde auch vom Vertreter des Bauernverbands, Burkhard Trabold bestätigt.
Das Feuchtgebiet an der Unterneudorfer Mühle war die letzte Station, bei dem Spu-ren von Aktivitäten des Bibers zu erkennen waren. Roland Burger ging auf die Entstehung ein, bei der Dr. Wolfgang Hauck (damals bei der Stadt tätig) und Familie Mössinger von der BUND-Ortsgruppe Buchen maßgeblich gewirkt hatten. Matthias Jurgovsky lobte dieses Paradebeispiel für ein gutes Miteinander: Der BUND kümmert sich gemeinsam mit dem Maschinenring um die Pflege und die Stadt unterstützt bei der Entsorgung von Müll oder der Entfernung standortfremder Fichten. Neben der jährlichen Mahd wird im kommenden Jahr eine Entschlammung der Tümpel und die Einbeziehung der ehemaligen Fischteiche anvisiert, so Jurgovsky. Der LEV wird dies wieder gemeinsam mit dem BUND-Vorsitzenden Julian Heim organisieren und sich um Fördermittel kümmern.
Zum Abschluss betonte Minister Peter Hauk den einmaligen Charakter unserer vielfältigen Kulturlandschaft. Dieser könne nur durch solche engagierten landwirtschaftlichen Betriebe, ehrenamtlich tätige Naturschutzverbände und die Kommunen gemeinsam erhalten werden. Er dankte allen ausdrücklich für ihr großes Engagement. Leider seien die EU-Vorgaben oft streng. Man versuche Erleichterungen in der nächsten Agrarförderperiode zu erreichen z. B. durch die Anerkennung regionaler Beweidungspraktiken. Leider habe die EU bei den Direktzahlungen an die Landwirtschaft das sagen. Es werden bereits Kürzungen diskutiert. Das restliche Geld käme künftig vermutlich als großer Batzen an die Mitgliedsländer, wo es von der Bundesregierung an die vielen Ressorts verteilt werden muss. Wieviel Geld es dann für die beiden Baden-Württembergischen landwirtschaftlichen Förderprogramme LPR und FAKT gibt, müsse man abwarten.
Minister Peter Hauk lobte die Arbeit des LEV im Neckar-Odenwald-Kreis: bei der Exkursion wurde gut erkennbar, dass man mit überschaubaren Mitteln tolles erreichen kann. Die verhältnismäßig kleinen Betriebe und die kleinteilige Landschaft weisen eine hohe Biodiversität auf. Deshalb sei es ein großes Ziel und Anliegen des Landes, die kleinbäuerliche Landwirtschaft zu erhalten und zu stärken, so der Minister weiter. Wichtig dabei sei insbesondere, die Bewirtschaftung kleiner Schläge zu honorieren.
Text: Matthias Jurgovsky, Geschäftsführer
Autor:Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis aus Neckar-Odenwald-Kreis |
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