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Wenn Töne die Seele trösten: Telemanns barocker Glanz in der Wehrkirche.
- Telemanns Werk ist weit mehr als reine Festmusik; es ist vertonte Theologie von enormer emotionaler Tragweite.
- hochgeladen von Roland Schönmüller
Dertingen. Es gibt Momente, in denen die Zeit in einer Kirche für einen Herzschlag lang stillzustehen scheint. Ein solcher Augenblick ereignete sich am vergangenen, vierten Sonntag nach Trinitatis in der historischen Wehrkirche Dertingen.
Unter der einfühlsamen liturgischen Leitung von Pfarrer Karl Kreß verschmolzen Wort und Klang zu einer dichten, fast greifbaren Einheit. Im Zentrum des geistlichen Geschehens stand ein musikalischer Schatz des Barock: Georg Philipp Telemanns Solokantate „Begnadigte Seelen gesegneter Christen“.
Die Wehrkirche, ohnehin ein Ort spürbarer Geschichte, bot die perfekte intime Kulisse für dieses tiefgründige Werk. Bezirkskantor Carsten Klomp zog an der Orgel die Register mit einer feinsinnigen Balance, die den Raum füllte, ohne ihn zu erdrücken. Er führte das Ensemble mit sicherer, atmender Hand durch Telemanns vielschichtige Partitur.
Telemanns Werk ist weit mehr als reine Festmusik; es ist vertonte Theologie von enormer emotionaler Tragweite. Inhaltsstark spiegelt die Kantate die Kernbotschaft des 1. Petrusbriefes wider – den Trost im Leid und die unerschütterliche Zuversicht des Glaubens.
Musikalisch lebt das Stück vom reizvollen Kontrast zwischen Demut und barocker Pracht. Der theologische Gehalt, der die Vergänglichkeit des Irdischen der göttlichen Gnade gegenüberstellt, entfaltete in der Aufführung eine fast meditative Wirkung.
Diese barocke Zusage von Trost und Verantwortung griff Pfarrer Karl Kreß in seiner Predigt eindringlich auf. Für uns Menschen, so betonte er pointiert, gebe es im Grunde nur eine einzige Aufgabe: „Seid gut und tut das Gute.“
Genau dies zeichne Christen aus und mache sie besonders in einer Welt, die heute so stark von Wettstreit und Abgrenzung geprägt ist. Kreß richtete den Blick scharf auf das Hier und Jetzt und malte eine Vision für die Zukunft von uns allen. Sein Appell war konkret und alltagsnah: „Schaut in die Dörfer, Orte und Nachbarschaften – im Kleinen beginnt es!“
Wie ein direktes, klangliches Echo auf diese Worte entfaltete sich direkt im Anschluss die Musik und goss den ethischen Appell der Kanzel in barocke Harmonie. Als die ersten Töne der Oboe erklangen, gespielt von Verena Hillenbrand, entfaltete das Instrument seine ganz eigene, sprechende Magie. Hillenbrand verlieh der Oboe einen warmen, weichen und ungemein lyrischen Charakter. Ihr Instrument klagte nicht, es tröstete; mit einer eleganten Melancholie und feinsinnigen Atemführung legte sie das emotionale Fundament für das gesamte Stück.
Aus diesem warmen Holzbläsersound heraus entfaltete sich ein sanfter, hoffnungsvoller Dialog mit dem Sopran von Sonja Miranda Martinez, der mit kristalliner Klarheit ansetzte. Beide Solistinnen verstanden es meisterhaft, zusammen mit Bezirkskantor Carsten Klomp an der Orge, den moralischen Anspruch der Predigt und die Freude einer „begnadigten Seele“ tief empfunden in die Herzen zu tragen.
Die Resonanz in den Kirchenbänken war überwältigend. „Die Worte von Pfarrer Kreß haben mich tief berührt, und die Musik hat dieses Gefühl direkt im Herzen verankert“, schilderte eine sichtlich bewegte Gottesdienstbesucherin nach dem Segen. Ein anderer Gast ergänzte begeistert: „So lebendig und nahbar habe ich die Verbindung von Glauben und Alltag selten erlebt – die Musiker waren einfach grandios.“ Das Publikum entließ die Mitwirkenden mit tiefer Dankbarkeit im Herzen in den Sonntag.
Roland Schönmüller (Text und Fotos)
Autor:Roland Schönmüller aus Miltenberg |
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