Rehkitzrettung Buchen e. V.
Erfolgreiche Saison: Mit großem Einsatz 155 Rehkitze gerettet!
- Geschafft! Das Rehkitz ist in sicheren Händen und kommt nun in die Box. Landwirt Stefan Gehrig vom Schlempertshof in Höpfingen half auch mit.
Foto: Martin Hahn - hochgeladen von Martin Hahn
mh. Buchen. „Wenn wir in die hilflosen Augen des geretteten Rehkitzes geschaut haben, dann wissen wir, dass sich die ganze Arbeit und Mühe gelohnt hat“, so Angela Müller vom Leitungsteam der Rehkitzrettung Buchen e. V. In der nun gerade beendeten Saison wurden in den Bereichen Buchen und Neckargerach 155 Rehkitze, eine stolze Zahl, gerettet.
Der Aufwand, wohlgemerkt ehrenamtlich, ist immens…wir reden hier seit Ende April von einer abgesuchten Fläche, die fast 3000 Fußballfeldern entspricht. In 127 Einsätzen wurden in 500 Einsatzstunden insgesamt 2068 ha landwirtschaftliche Fläche abgesucht! Eine Leistung, die nur mit vielen Helfern und natürlich moderner Technik, in diesem Fall Drohnen mit Wärmebildkamera und GPS-Technik, möglich ist.
Die Rehkitze rennen nicht vorm Mähwerk weg...
Doch warum rennen die Rehkitze nicht einfach weg, wenn Gefahr, beispielsweise durch landwirtschaftliche Maschinen, droht? Wenn es brenzlig wird, so hat es die Natur eingerichtet, ducken sich die kleinen Rehe im hohen Gras weg und verhalten sich ruhig. Dieser Trick ist zwar gut, um sich vor anderen Tieren zu schützen. Wenn aber der Traktor zum Mähen kommt, ist dies oftmals tödlich für Tiere. Der Grasschnitt fällt in die Brut- und Setzzeit der Wildtiere. Landwirte haben während des Mähens im meterhohen Gras üblicherweise keine Chance, Tiere rechtzeitig zu entdecken. Die Kitze wiederum können durch die Mähwerke aber schwer verletzt oder auch getötet werden. Nach statistischen Schätzungen kommen deutschlandweit über 100.000 Rehkitze auf diese Weise ums Leben.
Gute Zusammenarbeit und viel Organisation
Hier hilft eine gute Zusammenarbeit zwischen den Landwirten, dem Landesbauernverband, der Jägerschaft und den Rehkitzrettern. Der Landwirt meldet sich beim Verein und teilt Flurstück und Zeit des geplanten Mähens mit. Hier hilft die „App Kitzrettung“, die in den App-Stores kostenlos herunterzuladen ist. Mit Hilfe von Drohnentechnik wird in den frühen Morgenstunden, es sollte möglichst kühl sein, das Feld überflogen und der „wärmere Tierkörper“ erkannt. Das Kitz wird dann ruhig und vorsichtig mit Handschuhen und viel Gras aufgehoben und in einer Box in Sicherheit gebracht. Dabei darf das Rehkitz niemals mit bloßen Händen berührt oder sogar gestreichelt werden. Im schlimmsten Fall würde das Muttertier das eigene Rehkitz nicht mehr annehmen, da es den fremden Menschengeruch an sich trägt. Das wäre tragisch und gleichzeitig ein Todesurteil für das Rehkitz. Die „Rehmama“, genannt Ricke, nimmt über Laute Kontakt zum eigenen Jungen auf, sodass sich diese problemlos wiederfinden.
Drohne mit Wärmebildkamera - frühmorgens raus aufs Feld
Somit geht es frühmorgens, meist um 4:30 Uhr, an der ersten Wiesenfläche los. Die Teams bestehend aus Drohnenpilot, Beobachter (er überwacht die Wärmebildkamera auf dem Monitor und hat Hindernisse wie Bäume und Stromleitungen im Blick) und die Retter (ausgerüstet mit Funkgeräten, Kescher und einer Box mit Deckel für die Rehkitze) sind perfekt aufeinander eingespielt. Oftmals kommt auch der betreffende Landwirt mit dazu. Er hatte bereits im Vorfeld das Rettungsteam über den bevorstehenden Mahdtermin informiert. Besonders wichtig ist außerdem die Einbindung der lokalen Jäger, da die Rehkitzrettung rechtlich zur Jagdausübung zählt und das Jagdrecht der Revierinhaber berührt.
Teamarbeit mit Drohne, Kescher und Box
Apropos Jagd, das Vorgehen erinnert schon sehr an das „steinzeitliche Jagen“, jedoch ohne Waffen: Hat die Drohne (übliche Arbeitshöhe ca. 40 Meter) ein Rehkitz erspäht, zieht das Team los – die Drohne schwebt dabei über dieser Stelle und über Funk kommen weitere Anweisungen. In „Sprungnähe“ kommt ein Kescher mit langem Stiel zum Einsatz, denn oftmals springen die Kitze in Sekundenbruchteilen dann doch noch weg. Ist das Kitz „im Netz“, wird es vorsichtig mit Handschuhen und Grasbüschel aufgenommen und in die Box gesetzt. Diese muss dann fest zugebunden werden, damit das Kitz sich nicht selbst befreien und wieder zurück in die noch ungemähte Wiese gelangen kann. Für Außenstehende ist eine solche Aktion mehr als eindrucksvoll: Wie die Retter erfolgreich Hand-in-Hand arbeiten und wie unterschiedlich die Tiere reagieren; mal zaudernd ruhig aber auch wild aufbäumend und laut schreiend! Versehen mit einem Infoschild „Fasse mich nicht an – Rehkitzrettung“ steht die Box dann am Feldrand. Im Idealfall beginnt der Landwirt zeitnah mit der Mahd, damit das Rehkitz möglichst schnell wieder in die Freiheit entlassen werden kann. Die „Rehmama“, genannt Ricke, nimmt über Laute Kontakt zum eigenen Jungen auf, sodass sich diese problemlos wiederfinden.
„Wir sind unendlich dankbar, dass sich so zahlreiche Landwirte bei uns Rehkitzrettern gemeldet haben“, so Angela Müller. Die dazugehörigen Planungen indes sind über Wochen Schwerstarbeit: Vom Einsammeln der Meldungen über die Einsatz- und Personalplanung bis hin zur Wartung der aufwändigen Technik. Und oft läuft es eben doch nicht so wie geplant: Kommt überraschend ein Regenschauer, wird doch nicht gemäht…oder umgekehrt eine geplante Mahd eben vorgezogen.
Auf das Geleistete kann das Team der Rehkitzrettung Buchen unter Leitung von Angela Müller, Stefan Müller und Andreas Schmidt mehr als stolz sein! Vier Teams in Buchen und zwei in Neckargerach waren unermüdlich unterwegs, sieben Drohnen mit der dazugehörigen Ausstattung gehören dem Verein. Jetzt heißt es erstmal „ausschlafen und erholen“ für die Teams. Doch weder die „Manpower“ noch die Technik, dieser Hinweis am Schluss, gibt es umsonst. Somit sind sowohl Helfer als auch Spender willkommen – weitere Info finden Interessierte unter www.rehkitzrettung-buchen.de.
Autor:Martin Hahn aus Buchen |
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