Mit kleinen Gewässern große Wirkung
Amphibienschutz zeigt deutliche Erfolge

Biologin Kim Fasse und Revierleiter Gregor Wobschall bei der Zählung der Laichballen. | Foto: Frauke Beck
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Die Lage ist ernst: Elf der 19 in Bayern heimischen Amphibienarten gelten als bedroht. Selbst einst häufige Arten wie Teichmolch und Grasfrosch stehen inzwischen auf der amtlichen Vorwarnliste. Amphibien sind besonders gefährdet, da sie gleichzeitig auf zwei intakte Lebensräume angewiesen sind: Gewässer für Fortpflanzung und Larvenentwicklung sowie feuchte, schattige Landlebensräume für die erwachsenen Tiere. Geeignete Laichgewässer werden immer seltener, und häufig zerschneiden Verkehrswege die Wanderkorridore zwischen den Lebensräumen.
Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Mit vergleichsweise geringem Aufwand lässt sich Frosch & Co. wirksam helfen. Wie das im Wald gelingen kann, zeigt Revierleiter Gregor Wobschall. In den vergangenen neun Jahren hat er in Abstimmung mit der Gemeinde im Kommunalwald Kreuzwertheim rund 150 Tümpel angelegt. Vorrangig nutzte er dafür Schadflächen, auf denen eine Aufforstung aufgrund staunasser Böden nur eingeschränkt möglich ist. Bäume können dort keine tiefen Wurzeln ausbilden und sind daher gegenüber den zunehmenden Trockenperioden besonders anfällig. Für die Anlage von Tümpeln sind solche Standorte hingegen ideal. In Kombination mit reichlich liegendem Totholz und dichter Bodenvegetation im Umfeld entstanden auch hervorragende Lebensbedingungen für die erwachsenen Tiere. Denn Wasser allein hilft den Amphibien nicht. Die meisten einheimischen Arten verbringen den Großteil ihres Lebens an Land. Hier sind sie auf geeignete Rückzugsorte angewiesen, die sie vor großer Sonneneinstrahlung und vor Fressfeinden schützen.
Vernetzung als Schlüssel zum Erfolg
Ein 2023 von einer Forstanwärterin entwickeltes Vernetzungskonzept bildet inzwischen die Grundlage für die Anlage weiterer Tümpel. So können gezielt Lücken geschlossen werden, die bislang die Wanderungen der Amphibien erschwert haben. Dass sich dieses Engagement auszahlt, zeigen aktuelle Bestandsaufnahmen der Biologin Kim Fasse. Sie nutzte die derzeit gut sichtbaren Laichballen von Fröschen und Kröten, um Rückschlüsse auf die Anzahl der erwachsenen Tiere zu ziehen.

Der Springfrosch verankert seine Laichballen gerne an Ästen. | Foto: Frauke Beck

So steht ein Laichballen des Springfroschs für zwei adulte Tiere – ein Männchen und ein Weibchen. Bei der Erdkröte kann sogar auf bis zu sechs erwachsene Tiere geschlossen werden, da sich häufig mehrere Männchen um ein Weibchen scharen. Auf Grundlage dieser Erhebungen leben im Untersuchungsgebiet derzeit schätzungsweise 1600 Springfrösche, 2700 Grasfrösche und 600 Erdkröten. Damit haben sich die Bestände seit der ersten Kartierung im Jahr 2023 deutlich erhöht – beim Grasfrosch sogar mehr als verdreifacht.
„Das ist ein toller Erfolg“, freut sich Fasse und lobt das große Engagement von Wobschall, der „mit viel Herzblut Großartiges für die Biodiversität leistet“. Denn die neu geschaffenen Tümpel bieten nicht nur Amphibien Lebensraum. Auch Libellen, Wasserkäfer sowie Pflanzenarten wie Sumpfschwertlilien und Torfmoose haben sich bereits angesiedelt und werden mit den Jahren im Bestand wachsen.
Das vielfältige Mosaik aus Gewässern ist somit ein Refugium nicht nur für Amphibien, sondern für zahlreiche Arten, die in unserer heutigen Landschaft immer weniger geeignete Lebensräume finden. Der Kommunalwald Kreuzwertheim zeigt eindrucksvoll, dass sich mit überschaubarem Aufwand viel für den Erhalt der Biodiversität erreichen lässt.

Biologin Kim Fasse und Revierleiter Gregor Wobschall bei der Zählung der Laichballen. | Foto: Frauke Beck
Viele Grasfrösche haben sich zum Ablaichen in einem Tümpel eingefunden. | Foto: Gregor Wobschall
Der Springfrosch verankert seine Laichballen gerne an Ästen. | Foto: Frauke Beck

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