„Papier kann warten, die Kinder nicht“
Jugendhilfeausschuss befasste sich mit dem Fachkräftemangel im Allgemeinen Sozialen Dienst im Neckar-Odenwald-Kreis
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Neckar-Odenwald-Kreis/Mosbach. Weitergehen, den Problemen begegnen und Lösungen finden – das will der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) im Neckar-Odenwald-Kreis. Dabei ist jede kreative Idee erlaubt, betonten Susanne Eichler, Geschäftsbereichsleiterin der Jugendhilfe, und Pascal Heffner, Fachdienstleiter der Sozialen Dienste, im Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis. Sie informierten die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses kürzlich über die aktuellen Schwierigkeiten im ASD. Im Fokus stand dabei der immer stärker zu Tage tretende Fachkräftemangel innerhalb des Dienstes und welche Maßnahmen zu dessen Reduzierung ergriffen werden. Der ASD spielt eine zentrale Rolle in der Jugendhilfe. Das gilt insbesondere im Bereich des Kinderschutzes, der Hilfen zur Erziehung und der Beratung von Familien.
„Der berufliche Nachwuchs fehlt, und das hat mehrere Gründe“, so Susanne Eichler eingangs. „Dieser Job ist durch hohe Verantwortung, Stress und emotionale Belastungen geprägt.“ So schnell, wie Mitarbeiter wechseln, könne man die Positionen gar nicht nachbesetzen. Die hohen und damit weiter steigenden Belastungen für die Beschäftigten resultierten in einem erhöhten Krankenstand, erklärte Heffner. „Der Kinderschutz muss aber aufrechterhalten werden, dafür nehmen wir dann eben längere Bearbeitungszeiten bei anderen Vorgängen in Kauf. Papier kann warten, die Kinder nicht.“
Um die kritische Lage zu stabilisieren, habe der Dienst bereits einige Veränderungen ergriffen, sagte Eichler. Unter anderem seien die Stellenausschreibungen geöffnet, eine befristete Arbeitsmarktzulage aufgenommen sowie die Strukturen innerhalb des ASD verändert worden. „Bei stabilen Fällen wollen wir die Hilfeplanungsgespräche in längeren Abständen stattfinden lassen und Mitarbeitende aus anderen Einrichtungen wie dem Jugendamt unterstützen uns“, sagt sie. Die Fachkräfte könnten frei entscheiden, ob sie dem ASD unter die Arme greifen. Mit diesem Vorgehen habe es der ASD geschafft, die Funktionsfähigkeit in Mosbach zu erhalten.
„Eine Anschlusslösung gibt es auch bereits“, erklärte Heffner. „Dann unterstützen uns die Ambulanten Hilfen des Neckar-Odenwald-Kreises, ebenfalls auf freiwilliger Basis. Klar ist aber auch: Die Erzieherinnen fehlen dann in den Kitas. Das sind alles kurz- bis mittelfristige Wege, deshalb brauchen wir langfristige Strategien – hier ist jede kreative Idee gefragt.“
Dem Problem will man auch durch die Förderung des Nachwuchses begegnen. Dafür sollen Kooperationen mit Hochschulen und Auszubildenden im Landratsamt angestoßen, die Öffentlichkeitsarbeit gestärkt und Überlegungen zu einem Stipendien-Programm angestellt werden, erklärte Eichler die bereits vorhandenen Ideen. „Wir haben bisher große Schritte gemacht, den ASD vor drei Jahren auf einen guten Weg gebracht, diesen Weg müssen wir jetzt weitergehen. Die Probleme sind vielschichtig, den Fachkräftemangel wird es weiterhin geben, aber wir müssen Lösungen finden “, schloss Heffner den Bericht.
„Das ist ein schonungsloser Bericht, aber wir lassen nichts unversucht, auch wenn unsere Handlungsmöglichkeiten begrenzt sind. Wir müssen den Bestand sichern“, nahm auch Landrat Dr. Achim Brötel Stellung. Die Ausschussmitglieder Jonas Weber, Lena-Marie Dold, Rainer Houck und Guido Zilling dankten dem ASD für dessen Arbeit. Sie sahen aber auch in der Multifunktionalität von Teams einen möglichen Weg, um dem Problem zu begegnen. Dieser wird bereits umgesetzt: „Es kommt auf die Balance an, denn solche Aufgaben sind auch immer mal wieder kleine ,Puffer‘ für die belastenden Arbeiten“, antwortete Eichler.
Erfreulichere Informationen gab es bezüglich der Verlängerung der Förderung für die Kindertagespflege im Neckar-Odenwald-Kreis um ein weiteres Jahr bis Ende 2026. Seit 2024 übernimmt diese Aufgabe das Mehrgenerationenhaus Mosbach in Zusammenarbeit mit der Landkreisverwaltung. Für das notwendige Personal sowie Kurskosten gewährt die Landkreisverwaltung einen Betrag in Höhe von rund 130.500 Euro sowie einen Zuschuss von 5.100 Euro für die Weiterbildung der Tagespflegepersonen. Um die Mindestteilnehmerzahlen für die Förderung der Qualifizierungskurse durch das Land bzw. den Bund zu erreichen, will man in Absprache mit der Verwaltung einen zusätzlichen Grundqualifizierungskurs anbieten. Für die dabei entstehenden Personal- und Sachkosten erhält das Mehrgenerationenhaus eine Pauschale in Höhe von 10.000 Euro.
Ebenfalls gute Nachrichten gab es für den DRK-Kreisverband Buchen: Er wird nun auch ganz offiziell als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt. Damit stimmten die Ausschussmitglieder dem Antrag des Kreisverbandes zu.
Autor:Landratsamt Neckar-Odenwald-Kreis aus Neckar-Odenwald-Kreis |
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