Landwirtin aus Leidenschaft
Interview mit Marina Laqua aus Weckbach im Landkreis Miltenberg.
- Marina Laqua aus Weckbach (Kreis Miltenberg) ist Landwirtin im Nebenerwerb. Sie arbeitet hauptberuflich als Arzthelferin.
- Foto: Sabine Rindsfüsser
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Wer mit Tieren arbeiten möchte, braucht mehr als nur Tierliebe. Das zeigt das Interview mit Marina Laqua aus Weckbach im Landkreis Miltenberg. Die 31-Jährige bewirtschaftet mit ihrem Mann und ihren Eltern einen kleinen Nebenerwerbsbetrieb mit Mutterkuhhaltung und wurde durch ihre Teilnahme an der Sendung „Landfrauenküche“ des Bayerischen Fernsehens einem größeren Publikum bekannt. Das Interview fand für das Ausbildungsmagazin des News Verlags statt.
Aufgewachsen zwischen Stall und Weide
Marina ist in der Landwirtschaft groß geworden, erlernte die Berufe Optikerin und medizinische Fachangestellte und ist hauptberuflich in einer Augenarztpraxis tätig. Seit einigen Jahren trägt sie zusätzlich die Verantwortung für den Nebenerwerbsbetrieb, den sie von den Eltern übernommen hat. Ihr Mann ist gelernter Landwirt.
In der Mutterkuhhaltung bleiben die Kälber nach der Geburt bei ihren Müttern. Von April bis in den Herbst sind die Tiere auf der Weide, bei schlechtem Wetter geht es zurück in den Stall. Dieser Kreislauf bestimmt das Jahr. Bei Marina sind es rund 25 Tiere: Mutterkühe, Jungrinder und 2 Bullen. Sie arbeitet also nicht mit einem einzelnen Lieblingstier, sondern mit einer Herde.
Kein Tag wie der andere – und genau das muss man mögen!
Marina beschreibt sich als Mensch, der Abwechslung braucht. Genau die findet sie in der Landwirtschaft. Stallarbeit, Zaunbau, Wasserversorgung, Tiere von einer Weide zur anderen bringen, Weiden prüfen, Futter organisieren: Viele Aufgaben wiederholen sich im Jahreslauf, aber sie sind nie identisch. Wetter, Tierverhalten und Tagesablauf ändern sich. Wer in diesen Beruf will, sollte genau das attraktiv finden. Man steht regelmäßig vor neuen Herausforderungen, muss pragmatisch sein, mitdenken und Lösungen finden.
Tierschutz und Fleisch – die eigene Haltung zählt
Landwirtschaft steht heute oft im Fokus von Diskussionen um Tierschutz, Fleischkonsum und Haltungsformen. Marina betont, dass sie eine klare Wertschätzung gegenüber dem Tier wichtig findet. Genau deshalb ist ihr der Umgang mit dem Thema Schlachtung nicht einfach egal. Respekt und Verantwortung fangen für sie nicht erst beim Fleischverzehr an, sondern bei der täglichen Arbeit im Stall. Für junge Leute kann das ein wichtiger Punkt sein: Was bedeutet Verantwortung für dich? Wie stehst du zu Tierhaltung? Wie gehst du mit Kritik um? Und wie erklärst du anderen, was du tust?
Mehr als Stallarbeit
Viele unterschätzen auch, wie viel Organisation hinter einem landwirtschaftlichen Betrieb steckt. Anträge, Dokumentation, Rechnungen und Telefonate gehören genauso dazu wie die Arbeit draußen. Landwirtschaft bedeutet also auch Büroarbeit und Planung.
Hinzu kommt das Wetter. Extreme Hitze, Starkregen oder Hagel können Erträge mindern. Futter muss geplant, Flächen bewirtschaftet und manchmal zusätzlich Heu oder Silage zugekauft werden.
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Landwirtschaft bietet vielseitige Möglichkeiten
Durch ihre Teilnahme an der Sendung „Landfrauenküche“ lernte Marina andere Landwirtinnen kennen, die in ganz unterschiedlichen Bereichen arbeiten. Von Ackerbau über Fischzucht bis hin zu Geflügelbetrieben ist die Bandbreite groß. Manche kombinieren Landwirtschaft mit Direktvermarktung oder weiteren Angeboten. Das zeigt, wie vielfältig ein Beruf mit Tieren sein kann. Kein Betrieb gleicht dem anderen.
Was man für den Beruf mitbringen sollte
Wer Landwirtin oder Landwirt werden möchte, sollte wissen, dass feste Arbeitszeiten oft nicht existieren. Erntezeit ist ein Klassiker. Wenn das Wetter passt, muss die Arbeit erledigt werden. Und bei Tieren gilt das erst recht. Eine Kalbung lässt sich nicht verschieben. Wenn es losgeht, muss jemand da sein. Und zwar sofort. Viele stellen sich die Geburt eines Kälbchens als schönen Moment vor. Und das ist es oft auch. Trotzdem kann es Komplikationen geben. Dann braucht es Menschen, die ruhig bleiben, die mit anpacken und die sich nicht ekeln. Wenn bei einer Geburt zum Beispiel ein Bein feststeckt, muss man unter Umständen selbst helfen. Dafür braucht es Erfahrung, aber auch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Und ja, es kann auch schiefgehen. Verluste gehören leider zur Natur dazu. Das ist emotional belastend und trifft einen Betrieb auch wirtschaftlich.
Ausbildung ist ein wichtiger Schritt
Wer hauptberuflich in der Landwirtschaft arbeiten möchte, sollte eine fundierte Ausbildung in Betracht ziehen. Fachwissen zu Tiergesundheit, Fütterung, Technik und Betriebsführung gibt Sicherheit und eröffnet Entwicklungsmöglichkeiten.
Marinas wichtigster Tipp an Schülerinnen und Schüler ist sehr konkret. Informieren, ausprobieren, drangehen. Ein kurzes Praktikum kann ein Anfang sein, aber noch besser ist es, Einblicke zu verschiedenen Zeiten im Jahr zu bekommen. Denn Landwirtschaft ist saisonal. Im Stall ist es anders als auf der Weide. Im Frühjahr anders als im Herbst. Und in der Erntezeit ganz anders als im Winter. Wer wirklich herausfinden will, ob ein Beruf mit Tieren passt, sollte nicht nur drei Tage reinschnuppern, sondern öfter Kontakt suchen. Auch mal am Wochenende mithelfen oder in den Ferien länger mitlaufen. So merkt man schnell, ob man die Aufgaben mag, ob man mit Gerüchen und Dreck klarkommt und ob man sich die Verantwortung zutraut.
Landfrauenküche mit Marina Laqua in der ARD-Mediathek:
https://www.ardmediathek.de/video/landfrauenkueche/marina-laqua-unterfranken-s17-e06/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAyNFdPMDE2NjY2QTA
Autor:Sabine Rindsfüsser aus Miltenberg |
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