Kolumne
Bei der Gartenarbeit
- hochgeladen von Anja Happ
Den kalten und regenreichen Wochen folgen -wie kann es anders sein und das selbstverständlich von 0 auf 100- gnadenlose hochsommerliche 30 Grad. Wer einen Garten hat, weiss von was ich rede: egal welches Gewächs - alles schiesst hemmungslos in die Höhe. Auch die Rasenfläche hält sich nicht zurück.
Da ich mit jeder Menge davon gesegnet bin, ahnt man vermutlich, was jetzt kommt. Leider muss ich verneinen - nein, wir haben keinen modernen Gartenhelfer zuhause, der bequem, geräuschlos sowie zeitschonend als moderner akkubetriebener Roboter mäht. Ich mähe tatsächlich alles per gutem, alten Handmäher. Wie einst meine Vorfahren - völlig ohne innovativer Anpassung. Anders als die Modelle der Nachbarn alle so heißen: Husquana, Bosch, Viking etc. Und jetzt denkt ihr, im Wohngebiet wenigstens aber per moderatem Elektroantrieb? Denkste! Auch das nicht. Wir haben etwa 1000 m2 zu bewirtschaften, genau genommen aber bin ich es alleine, an jener das leidige Mähen hängt. Und oft verfluche ich diese Fläche deshalb. Vermutlich würde für diese Quadratmeterzahl nicht das längste Rasenmäherkabel der Welt ausreichen um uns "ruhige" Energie zu liefern. Und wenn, würde ich 1000% darübermähen.
Naja, solche Dinge gehen mir jedenfalls durch den Kopf, während ich den Mäher mit Sprit tanke, 3x den Saugknopf vor dem eigentlichen Starten betätige und das rote Monster alles andere als geräuscharm aber zuverlässig und sofort anspringt. Verlässlich ist er - der Mäher. Vermutlich springen zeitgleich auch die nachtschichtgeplagten Nachbarn synchron mit aus dem Tiefschlaf. Denn leider...überhört man uns absolut nicht.
Wer weiss warum? Meine Gedanken beim Mähen tragen mich weiter über zeitgemäße, intelligente Wisch- und Saugroboter bis hin zu modernen Kaffeevollautomaten. Auch in diesem Bereich fehlt es an Innovation: der Kaffee wird in der Maschine direkt in die Warmhaltekanne (alleine Tassen reichen nicht aus) gebrüht, die Wohnung sauge ich mit dem bewährten "Dog & Cat" von Miele und per Wischmop danach feucht auf. Na und?
"Man verwendet alles, bis es sein Geld verdient hat", war es nicht das, wie manche aufgewachsen sind und es gelernt haben? Funktionierte bisher. Klar sehe ich mit Stielaugen in andere, moderne Haushalte mit high-tech Maschinenparks, die wirklich alles, aber auch alles ohne mullen und knullen zeit- und nervenschonend geräuscharm erledigen. Und ja, ich überlege natürlich, ob es nicht wirklich Zeit wird, sich anzupassen? Wo fange ich an, wo höre ich auf? Klare Vorteile erkenne ich mit Neid an. Dann denke ich mir jedoch: es klappt auch ohne und lehne mich nach den gefühlten mehrere km langen Wanderungen durch meinen Garten zurück, sehe völlig kaputt das Ergebnis an und bin...nach getaner Arbeit irgendwie ganz besonders mit mir und einem Teil meiner Welt recht zufrieden. Alles nicht nur eine Sache der Finanzierung, auch eine Art der Einstellung.
Autor:Anja Happ aus Wertheim |
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